PfadnavigationHomeReiseCity-Trip SingapurIn dieser Stadt ist das Motto „höher, weiter, extravaganter“Von Sascha RettigStand: 07:07 UhrLesedauer: 8 MinutenBierchen mit Ausblick: Die am höchsten gelegene urbane Mikrobrauerei der Welt thront auf 156 Metern Quelle: LeVeL33Singapur kennen viele Reisende nur als Zwischenstopp. Dabei ist der Stadtstaat selbst einen Urlaub wert. Wer aus- statt umsteigt, wird mit Rekorden und Überraschungen belohnt. Etwa mit einem Michelin-Stern-Gericht für sechs Euro oder dem ersten Nacht-Zoo der Erde.Angela Merkel ist nicht mehr zu finden. Und wo steckt Frank-Walter Steinmeier? „Früher waren sie mal hier, ganz in der Nähe von Queen Elizabeth II.“, sagt Tourguide Khey Chow, als er sich weitersuchend umschaut.Immerhin sind viele andere Berühmtheiten präsent. Nicht persönlich, sondern als schöne Orchideen-Züchtungen, die ihre Namen tragen. Promijagd im Unesco-gekrönten Botanischen Garten in Singapur! Dort wächst Barack Obama, eine Kreuzung aus einer einheimischen und einer hawaiianischen Orchidee. Da drüben steht Loki Schmidt, die allerdings nur alle drei Jahre blüht.Kamela Harris, Paloma Picasso, Andrea Bocelli, Nelson Mandela und viele weitere VIP-Pflanzen versammeln sich in diesem Orchideengarten, eines von vielen weltweit einzigartigen Highlights des asiatischen Stadtstaats.Höher, schräger, extravaganter! Singapur hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur zu einer modernen Wirtschaftsmetropole entwickelt. Auch als Tourismusdestination glänzt die „Stadt der Superlative“, so ihr Spitzname, mit originellen Sehenswürdigkeiten wie den weltberühmten Supertrees – bepflanzten Stahlgerüsten, die bis zu 50 Meter hoch emporragen.Größtes gläsernes Gewächshaus der Erde Dennoch haben viele Urlauber Singapur immer noch lediglich als Umsteige-Airport auf dem Schirm. Es lohnt sich aber, die Stadt als eigenes Reiseziel anzusteuern. Besucher erleben Einzigartigkeiten wie den Flower Dome, ebenfalls in den Gardens by the Bay, der 2015 als größtes gläsernes Gewächshaus der Erde in das „Guinessbuch der Rekorde“ aufgenommen wurde. Oder Singapurs Chinatown – skurril in einer Stadt, deren Bevölkerung mehrheitlich chinesischstämmig ist.Einen der spektakulärsten Blicke auf die Stadt bietet das „Marina Bay Sands“-Hotel. Wer mit dem Fahrstuhl knapp 200 Meter in die Höhe fährt, erreicht die ikonische Dachgartenkonstruktion Sky Park. Aus der Ferne erinnert es an ein Raumschiff, das auf den drei Hochhaustürmen des Resorts zu schweben scheint. Mit einer Fläche von 1,2 Hektar ist die Plattform ein der größten der Welt – sie ist länger als der Eiffelturm. Besucher können in drei Panorama-Restaurants dinieren, durch die Gartenanlage spazieren und die Aussichtsplattformen besuchen. Lesen Sie auchRekord-Trumpf des Dachgartens ist der Infinity-Pool. Elf Jahre lang war er das größte und höchste Open-Air-Schwimmbecken der Welt – bis 2021 der Titel an Dubai ging. Mit rund 150 Meter ist es aber immer noch der längste Infinity-Pool in luftiger Höhe und einer der spektakulärsten des Planeten.Lesen Sie auchRund anderthalb Millionen Liter Wasser fasst das Becken, das scheinbar nahtlos übergeht in einen ebenso grandiosen wie surrealen Ausblick auf die Skyline Singapurs. Um baden zu dürfen, muss man Hotelgast sein, die Aussicht genießen können aber alle, die ein Ticket für den Sky Park kaufen.Bier mit Champagner in 156 Metern HöheVon dort ist schon der nächste Superlativ zu sehen: „LeVeL 33“, die am höchsten gelegene urbane Mikrobrauerei der Welt. Sie thront auf 156 Metern Höhe im 33. Stock des Marina Bay Financial Center im Finanzdistrikt. Inhaber ist Martin Bém, ein Wiener, den es 1999 beruflich in die asiatische Megacity verschlug.Er erinnert sich noch lebhaft an die Herausforderungen, die Braugerätschaften hinaufzuschaffen, die man im schicken Gastraum sieht. Die massigen Kessel und Tanks passten nicht in den Fahrstuhl und mussten mit einem mobilen Kran in den 33. Stock gehoben werden.Dafür wird das gesamte Bier von „LeVeL 33“ hier oben gebraut – vom Pilsener bis zu verschiedenen Sorten von Ale. Dabei geht es eher um Klassiker als um exzentrische Kreationen; ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis, das es so wohl nur Asien gibt, ist das exklusive Bier mit Champagner – muss man mögen. Grandios an der Location sind die weiten Ausblicke, in diesem Fall über die gesamte futuristische Marina Bay. Andere Rekorde verstecken sich dort, wo man nicht mit ihnen rechnen würde. An einem scheinbar ganz gewöhnlichen Streetfood-Imbiss zum Beispiel, der an einem unauffälligen Wohnblock liegt. Doch spielt das „Tai Haw Pork Noodle“, vor dem Gäste auf roten Plastikstühlen Nudeln schlürfen, in einer Liga mit Singapurs Gourmetrestaurants.Selbstbedienung im SternerestaurantDenn er ist einer der 42 Michelin-Sternerestaurants in Singapur – seit 2016. Damals vergab der Guide Michelin zum ersten Mal die begehrte Auszeichnung an zwei Stände für Streetfood. Der andere verlor sie allerdings 2021 wieder. „Das setzt uns nun auch unter Druck“, sagt Chay Seng, der Inhaber, der mit über 70 Jahren inzwischen aber nicht mehr selbst in der Suppenküche steht. „Tai Hwa Pork Noodle“ ist dabei in jeder Hinsicht das Gegenteil von dem, was man bei einem Sternerestaurant erwarten würde. Hier ist Selbstbedienung angesagt. Man muss mal länger, mal kürzer anstehen – meist aber rund eine Stunde. Seit der Auszeichnung kommen neben Einheimischen auch viele Touristen und internationale Feinschmecker, um an den Tischen mit bunter Werbung und auf Plastikstühlen die Sterne-Version der scharfen, geschmacksintensiven Nudelsuppe zu genießen.„Ich esse sie jeden Tag – ich muss die Nudeln ja probieren, um die Qualität sicherzustellen“, erklärt Chay Seng. Acht Singapur-Dollar kostet die Kreation nach altem Familienrezept, umgerechnet unter sechs Euro, sie ist damit das wohl billigste Sternegericht der Welt. Ersten Nachtzoo der WeltNach dem Günstiggourmetgericht lohnt sich ein Besuch der nächsten Einzigartigkeit – im Zoo von Singapur. Dorthin strömen viele Besucher zu einer Uhrzeit, zu der der Mond scheint und andere Zoos längst geschlossen sind. Schließlich handelt es sich um den ersten Nachtzoo der Welt. Besucher können ihn auf zwei Weisen erkunden. Entweder sitzt man mit vielen anderen Gästen in einem Trolley und wird an verschiedenen nachtaktiven Tieren vorbeigefahren. Oder man geht zu Fuß, das ist die eindrucksvollere Variante. Gedämpftes Licht weist den Weg oder setzt Spotlights auf die Gehege. Die Tiere sind erstaunlich gut zu erkennen. Zäune und Mauern aber werden unsichtbar, weil sie vom Schwarz der Dunkelheit verschluckt werden. So hat man das Gefühl, bei Nacht durch einen Tropenwald zu laufen – eine aufregende Illusion.Auch in einem der begehbaren Gehege muss man auf Überraschungen gefasst sein. Etwa bei den Fledermäusen, die einem plötzlich über den Kopf hinweg flattern. Ein kurzer Schreck, dann Freude über das Abenteuer, die nachtaktiven Tiere wach und aus nächster Nähe zu erleben. Mittlerweile gibt es in vielen Städten Nachahmer des Konzepts. Singapur aber hat bis heute den wohl besten Nachtzoo der Welt. Lesen Sie auchDazu bietet die Stadt reichlich andere Möglichkeiten, sich ins Nachtleben zu stürzen und dabei über Extravagantes zu stolpern. Etwa in der „Atlas Bar“, die mehr als 130 verschiedene Gins bietet – eine der größten und besten Kollektionen der Welt. Die Palette reicht von Londoner Vintage-Spirituosen aus dem Jahr 1930 bis zu neuesten Craft-Kreationen aus aller Welt. Beeindruckend ist auch die Location in dem Büroturm Parkview Square, berühmt und geliebt für das Design im Art Déco-Stil und auch bekannt als „Batman-Gebäude“.Tourismusmagnet CocktailklassikerIn der „Long Bar“ im eleganten „Raffles Hotel“, dem ältesten Hotel in Singapur, gehen derweil täglich die meisten Singapore Sling weltweit über den Tresen. Fast alle Gäste kommen eigens für diesen Cocktailklassiker, der hier vor mehr als 100 Jahren erfunden wurde.„Es war damals unüblich, dass Frauen Alkohol trinken“, berichtet Bartender Viganis Ramu. Deshalb kreierte der Barkeeper Ngiam Tong Boon damals dieses Getränk, das als pinker Fruchtpunsch getarnt war, es aber durch Gin und Liköre ordentlich in sich hatte. Gemixt wird der Sling heutzutage im Akkord: bis zu 900 am Tag. Schon mittags, bevor die Tür geöffnet wird, bildet sich eine Schlange vor der „Long Bar“. Während man drinnen dann beim Warten auf den Cocktail das fleißige Barpersonal beobachtet, stehen Erdnüsse in kleinen Säckchen auf den Tischen bereit. Die Schalen? Die wirft man – das ist aus Rücksicht auf die Tradition sogar gewünscht – auf den Boden. „Hier ist der einzige Ort in Singapur, wo man dafür keine Strafe bekommt“, sagt der Kellner augenzwinkernd. Noch so eine beiläufige Einzigartigkeit, mit der man nicht gerechnet hat. Immerhin befindet man sich in der Stadt, in der es streng verboten ist, auch nur eine Zigarettenkippe auf die Straße zu schnipsen. Ersttätern droht eine Strafe von 100 Singapur-Dollar, knapp 70 Euro, Wiederholungstätern das Doppelte – dazu gemeinnützige Arbeit. Tipps und Informationen: Anreise: Ab Frankfurt/Main fliegen Lufthansa (lufthansa.com) und Singapore Airlines (singaporeair.com) nonstop nach Singapur. Umsteigeverbindungen zum Beispiel mit Turkish Airlines via Istanbul. Unterkunft: Hotel „Marina Bay Sands Hotel“, mit spektakulärer Dachterrasse und dem längsten Outdoor-Infinity-Pool in luftiger Höhe, Doppelzimmer ab umgerechnet 560 Euro (marinabaysands.com). Hotel „Raffles“ mit der berühmten „Long Bar“, wo man für 30 Euro einen original Singapore Sling trinken kann, Doppelzimmer ab 950 Euro (raffles.com).Highlights: Botanischer Garten mit VIP-Orchideengarten, Eintritt umgerechnet zehn Euro pro Person (nparks.gov.sg/SBG). Nacht-Safari im Zoo, ab 32 Euro pro Person (mandai.com/en/night-safari.html). Günstiges Michelin-Stern-Gericht bei „Hill Street Tai Haw Pork Noodle“, Nudelsuppe mit Schweinefleisch, ab 5,30 Euro (taihwa.com.sg). „Level 33“, die höchstgelegene urbane Mikrobrauerei der Welt (level33.com.sg). Auskunft: Visit Singapore (visitsingapore.com)Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt vom Singapore Tourism Board. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/unabhaengigkeitMehr von WELT in Google sehenGoogle zeigt zu vielen Themen passende Nachrichten an. Nutzer können nun festlegen, welche Quellen ihnen bevorzugt angezeigt werden:WELT als Medium bevorzugen
Singapur: In dieser Stadt ist das Motto „höher, weiter, extravaganter“ - WELT
Singapur kennen viele Reisende nur als Zwischenstopp. Dabei ist der Stadtstaat selbst einen Urlaub wert. Wer aus- statt umsteigt, wird mit Rekorden und Überraschungen belohnt. Etwa mit einem Michelin-Stern-Gericht für sechs Euro oder dem ersten Nacht-Zoo der Erde.








