PfadnavigationHomeWirtschaftBezahlrevolutionDeutschland verabschiedet sich vom Bargeld – mit Folgen für den EinzelhandelStand: 23.06.2026Lesedauer: 3 MinutenQuelle: Getty Images/Guido MiethKontaktlos statt Kleingeld: Mobile Zahlungen legen in Deutschland kräftig zu, während Bargeld weiter an Bedeutung verliert. So manchen Händler stellt das inzwischen vor unerwartete Herausforderungen.Bar oder Karte? Auf diese Frage an der Kasse lautet die Antwort inzwischen auch in Deutschland häufig: Karte. Nur noch 50,5 Prozent der Transaktionen im Stationärgeschäft entfielen 2025 auf die Bezahlart Bargeld, zeigt die aktuelle Studie „Zahlungssysteme im Einzelhandel“ des Handelsforschungsinstituts EHI Retail. Vor zehn Jahren lag dieser Anteil noch bei 78 Prozent.Deutlich wird der Wandel auch beim Blick auf den Umsatz: Von den 500 Milliarden Euro, die im deutschen Einzelhandel ausgegeben werden, wurden zwei Drittel (65 Prozent) per Karte bezahlt. Dominierend bei der Kartenzahlung bleibt die EC-Karte, die inzwischen offiziell Girokarte heißt, die aber inzwischen meistens kontaktlos übers Lesegerät gehalten wird, nur noch in 15 Prozent der Fälle wurde sie hineingesteckt. Einen Boom erlebt das sogenannte Mobile Payment – also das kontaktlose Bezahlen per Handy oder Smartwatch, bei dem die physischen Bezahlkarten digital in Apps hinterlegt sind. „Das mobile Bezahlen liegt im Trend und wird immer häufiger im Handel genutzt“, erklärt Horst Rüter, der Payment-Experte des EHI. Etwa jede fünfte unbare Zahlung an den Kassen des Einzelhandels werde von der Kundschaft mittlerweile mobil getätigt. Ein Jahr zuvor lag dieser Anteil erst bei 12,8 Prozent. Das liegt daran, dass die Technik für immer mehr Menschen immer leichter verfügbar ist. Die Sparkassen bieten zwar schon seit einigen Jahren sowohl Kreditkarten als auch die ­Girocard in der Apple Wallet für das iPhone an. Im vergangenen Jahr ­haben nun aber auch die Volks- und Raiffeisenbanken nachgezogen, ebenso wie der Online-Marktführer ­PayPal. Zuvor war Apple von der ­EU-Kommission dazu gezwungen ­worden, die zuvor geschützte Kontaktlos-Schnittstelle des iPhones auch für Apps von Drittanbietern zu öffnen.Die Verschiebungen beim Bezahlen im Laden könnten bei einzelnen Händlern auch Folgen für das sogenannte Cashback haben, also die Bargeldauszahlung an Verbraucher an der Kasse, wie es sie zum Beispiel bei Supermärkten gibt. Denn Bargeld wird knapper in den Filialen. Laut Experte Rüter musste im vergangenen Jahr schon jedes zwölfte Unternehmen die Ausgabe spürbar einschränken. Lesen Sie auchUnd einen Zukauf von Bargeld lehnen die Unternehmen dem EHI-Vertreter zufolge ab. „Es ist schließlich nicht die Aufgabe des Handels, mit Geld zu handeln“, sagte er jüngst auf einem Kongress zur Begründung. Online spielen Bargeld und Girokarte keine Rolle. Hier ist PayPal mit fast 29 Prozent die beliebteste Zahlungsmethode, gefolgt vom Kauf auf Rechnung mit 26 Prozent. Dahinter folgen Lastschriftverfahren, Kreditkarte, Vorkasse und Kundenkarten. Die europäische PayPal-Alternative Wero taucht nur unter „Sonstiges“ auf. Gegen die Technik, die von führenden europäischen Banken ­und Zahlungsdienstleistern getragen wird, gibt es im Handel noch Vorbehalte. „Das Produkt muss sich noch weiterentwickeln, damit es mithalten kann mit den anderen großen Zahlarten, die wir anbieten“, sagt Katy Roewer, die Finanzvorständin vom Branchenriesen Otto Group. Getestet wird es im Konzern gerade bei der Versandtochter Baur. „Wir brauchen noch Zeit, und Wero braucht noch Zeit, um das Produkt in einen weiteren Reifegrad zu bringen, bis wir es dann auch voll einführen werden“, sagt Roewer. Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und Business Insider erstellt.Carsten Dierig ist Wirtschaftsredakteur in Düsseldorf. Er berichtet über Handel und Konsumgüter, Maschinenbau und die Stahlindustrie sowie Mittelstandsunternehmen.