Der Weltsaal des Auswärtigen Amts platzt aus allen Nähten. Mehr als 700 Gäste aus Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft sind zusammengekommen, um 35 Jahre deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag zu begehen. Die Stimmung ist festlich, die Reden wohlwollend, die Gesten symbolträchtig. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) und sein polnischer Amtskollege Radosław Sikorski geben den Ton vor.

Parallel unterzeichnet Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) in Warschau ein neues Verteidigungsabkommen mit Polen. Ein Tag voller Signale – und doch auch ein Tag des beredten Schweigens. Denn die Reparationsforderungen des neuen polnischen Präsidenten Karol Nawrocki und das wachsende Misstrauen aus Warschau bleiben weitgehend unausgesprochen.

Polen hat enorm aufgeholt

Täglich passieren Waren im Wert von 500 Millionen Euro die Grenze. Das bilaterale Handelsvolumen liegt bei über 180 Milliarden Euro jährlich – Deutschland exportiert mittlerweile mehr nach Polen als nach China oder Großbritannien. Immer mehr polnische Unternehmen investieren in Deutschland: Eine polnische Unternehmensgruppe betreibt über 600 Tankstellen im Land, Cloud-Dienste aus Polen werden von deutschen Verwaltungen genutzt, eine Leipziger Straßenbahnfabrik wurde Anfang des Jahres von einem polnischen Investor übernommen, der so deutsche Arbeitsplätze sicherte.