Nun wird es also nichts mit einem neuen deutsch-polnischen Großvertrag, bei dem die Frage der Wiedergutmachung für die noch lebenden Opfer des Zweiten Weltkrieges und die Frage des gegenseitigen militärischen Beistands benannt würden. Pünktlich zum 35. Jahrestag des Freundschafts- und Nachbarschaftsvertrags der beiden Staaten vom 17. Juni 1991 wollten beide Seiten eigentlich ein Zeichen setzen: Wir lösen bilaterale Konflikte und stehen uns auch jenseits der Nato bei.
Nun wird es am 17. Juli ein gegenseitiges vorsichtiges Schulterklopfen geben, Außenminister Johann Wadephul wird seinem polnischen Amtskollegen Radoslaw Sikorski einige wertvolle Stücke an im Zweiten Weltkrieg geraubter Beutekunst überreichen, die Verteidigungsminister beider Staaten werden ein Dokument signieren, das die militärische Zusammenarbeit bestätigt. Doch ein gegenseitiges Beistandsabkommen, das von den Parlamenten beider Staaten ratifiziert werden müsste, wird es trotz vorheriger Spekulationen nicht geben.
Die ungelöste Rechnung des Zweiten Weltkrieges
Der Grund dafür könnte auch darin liegen, dass Polen aus Berlins Sicht ein Partner ist, bei dessen innenpolitischen Angelegenheiten man sich nicht zu viel einmischen sollte. Und ein weitgehender Vertrag wäre eine Einmischung. Denn alle allzu klar pro-deutschen Verbindungen der Regierung des Pro-Europäers Donald Tusk werden in Warschau von der oppositionellen rechtskonservativen Recht und Gerechtigkeit (PiS) und der nationalistischen Konfederacja stets auf den Schild gehoben und in Stücke gerissen.











