Neulich in einer Eisdiele am Boxhagener Platz. Ich stelle mich an, sage „eine Kugel Stracciatella, bitte“ und niemand antwortet. Vor mir steht kein Mensch, sondern ein Tablet auf einem Edelstahlständer. Es leuchtet. „Willkommen! Wie dürfen wir dich glücklich machen?“, fragt der Bildschirm und klebt einen Smiley hinter die Frage. Ich tippe auf Stracciatella. Der Smiley bleibt. Immer.Es ist ja nicht so, dass diese Stadt je für ihren Service berühmt gewesen wäre. Wer hier jahrzehntelang Schrippen, Currywurst und Monatskarten gekauft hat, kennt den Tonfall an der Theke: knapp, eine Spur beleidigt, gelegentlich ehrlich genervt. Die Berliner Schnauze war nie freundlich. Aber sie war da. Sie hat einen angesehen, vermessen, für zu langsam befunden und trotzdem bedient. Hinter der miesen Laune steckte jemand, der einen schlechten Tag haben konnte, und manchmal sogar ein Funke Mitgefühl, wenn man mit kaputtem Buggy und quengelndem Kind in der Schlange stand.
Der QR-Code kennt deinen Namen nicht
Inzwischen geht das alles ohne Menschen. Im Café in Neukölln ist der Kellner durch einen Aufkleber auf der Tischkante ersetzt. Man scannt, lädt, akzeptiert die Cookies, gibt eine Mail-Adresse her und wartet, bis eine Latte an den Tisch getragen wird, von jemandem, der dabei aufs Handy schaut und nichts mehr zu sagen hat, weil die Bestellung ja schon im System ist. Früher hätte dieser Mensch gefragt, ob es der Hafer- oder doch der Kuhmilchschaum sein soll. Heute fragt das die App. Und die App empfiehlt einem nichts, weil sie einen nicht kennt und auch nicht kennenlernen will.Beim Liefern ist der Kontakt auf ein Klingelzeichen geschrumpft. Der Fahrer von Lieferando oder Wolt steht im Treppenhaus, reicht die Tüte, nickt, ist weg, bevor man „Danke“ gesagt hat. Man bestellt bei einem Restaurant, das man nie betritt, bei einem Koch, den man nie sieht, ausgeliefert von einem Menschen, dem für die Begegnung gar keine Zeit eingepreist wurde.









