Rechner statt Motorensound: Der neue Mercedes GLC EQ wird zum rollenden DatengerätVier Supercomputer, KI-gestützte Assistenten, permanente Cloud-Anbindung und Over-the-Air-Updates machen das E-SUV zum ersten konsequent softwarebasierten Mercedes und verschieben den Schwerpunkt vom Antrieb zur digitalen Plattform.17.06.2026, 17.00 Uhr5 LeseminutenDer Mercedes GLC EQ, hier als 400 4-Matic, ist die softwarebasierte Antwort des Stuttgarter Herstellers auf die Konkurrenz von BMW, Xpeng oder BYD.PDKaum hat der Hauptkonkurrent BMW mit dem kompakten iX3 ein elektrisches SUV am Start, das mit seinen technischen Werten und der Fahrbarkeit überzeugt, zieht Mercedes mit dem GLC in seiner Elektroversion in derselben Fahrzeugklasse nach. Vieles beim neuen Mercedes erinnert allerdings mehr an die starke Konkurrenz chinesischer Autobauer als an BMW.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der GLC mit EQ-Technologie, so die offizielle Typenbezeichnung, stellt in vielerlei Hinsicht einen Neubeginn bei Mercedes dar. Er ist «das erste Modell einer völlig neuen Fahrzeugfamilie», wie es beim Hersteller heisst. Denn er unterscheidet sich schon äusserlich von den bestehenden GLC-Modellen mit Verbrennungsmotor.Am auffälligsten ist der neue verchromte Frontgrill, der in der Dunkelheit durch seine Hintergrundbeleuchtung besonders heraussticht. Auch die Silhouette des Wagens wirkt dynamischer als bei den Verbrenner-GLC, die Radhäuser lassen ihn mit ausgeprägten Schulterpartien besonders kraftvoll wirken.Kernstück des neuen GLC EQ ist aber sein elektronisches Rückgrat, das Betriebssystem namens MB.OS (Mercedes-Benz Operating System). Dabei handelt es sich gemäss Hersteller um vier zentrale Rechner an Bord, die in weiten Teilen durch künstliche Intelligenz gesteuert sind. «Wir haben das System komplett bei Mercedes entwickelt, also ohne externe Hilfe», betont Navi Navaneethan vom Entwicklerteam.Scheinwerfer und Rückleuchten sind aus Mercedes-Sternen gebildet. Als wäre das zentrale Chrom-Emblem nicht bereits genug.PDSchaut man etwas genauer hin, geht es vor allem darum, dass das Betriebssystem dem GLC EQ dank KI ermöglichen soll, die Vorlieben des jeweiligen Fahrers zu erlernen und sich an verändernde Bedingungen anzupassen.So soll der Wagen Entscheidungen in Echtzeit treffen können, um dem Fahrer eine nahtlose und intelligente Fahrt zu gewähren. Letztlich geht es bei der angewandten KI insbesondere um eine verbesserte Sprachsteuerung, so dass sich der Fahrer möglichst natürlich mit dem System unterhalten kann. Zudem soll eine Reihe von KI-Agenten beim Suchen und Buchen von Restaurants, Kinos, Hotels während der Fahrt helfen. An Bord sind Google Gemini, Chat-GPT und Microsoft Bing.Auch sollen dank Verbindung des Bordrechners mit der Datenwolke Updates für die gesamte Fahrzeugsoftware möglich sein. Mercedes bietet damit erstmals ein softwarebasiertes Auto an, das von Anfang an so konzipiert wurde, wie es chinesische Hersteller seit Jahren tun. Auch hier folgt der Stuttgarter Autobauer dem Beispiel von BMW, dessen iX3 nach demselben Prinzip entwickelt wurde.Innen ist er so wertig wie aussenBeim ersten Einsteigen in das Modell GLC 400 4-Matic bestätigt sich der optische Eindruck der Karosserie: Hier ist ein frisch entwickelter Mercedes am Start, der manche bewährte Elemente früherer Fahrzeuge beibehält oder in weiterentwickelter Form aufweist.Das Interieur zeigt hochwertige Verarbeitung und gute Materialwahl. Der 99 Zentimeter breite Bildschirm lässt sich für weniger Ablenkung auch deutlich dezenter gestalten.PDDie Platzverhältnisse sind auf allen fünf Sitzen so gut wie der Sitzkomfort und die Materialauswahl. Die Verarbeitung aller Elemente ist hochwertig, nichts wirkt wie Plastik. Der Armaturenträger ist wie bei früheren Fahrzeugen komplett durch eine glänzende, fast einen Meter breite Bildschirmfläche abgedeckt, doch wirken die drei darin eingebauten Screens weniger futuristisch und tragen zum dezenten Eindruck des Interieurs bei.Beim Blick in den Dachhimmel sehen die Insassen Sterne – Mercedes-Sterne. Die von hinten beleuchteten Sterne verstärken das häufig wiederholte Emblem im und am Fahrzeug: Sämtliche Leuchten, Scheinwerfer und Rücklichter sind aus diesen Elementen geformt. Das kann selbst hartnäckigen Mercedes-Fans etwas zu viel werden. Aber das Dach fungiert auch als Fensterfläche, die sich auf Knopfdruck in Segmenten auf Milchglas stellen lässt, um die Sonneneinstrahlung einzuschränken.Gleich zu Beginn der Testfahrt im portugiesischen Hinterland zeigt sich der GLC 400 4-Matic von der sportlichen Seite. Dank seinem Batterie- und Allradantrieb bringt er die volle Kraft von 800 Nm Drehmoment auf den Asphalt. Die Systemleistung von 360 kW (489 PS) sorgt für genügend Leistung beim gut 2,5 Tonnen schweren Strom-SUV. Dabei hilft auch das Zweiganggetriebe im hinteren E-Motor, das seine Schaltvorgänge automatisch und völlig unbemerkt vollzieht. Die Lenkung erweist sich als angenehm und bietet gutes Feedback vom Strassenbelag.Ein besonderes Highlight ist die Lenkung an den Hinterrädern. Diese können bis zu 10 Grad Lenkwinkel bieten, und dies entweder in gleicher oder entgegengesetzter Richtung wie die Vorderräder. Das ist ein ungewöhnlich grosser Winkel, der sogar eine langsame Diagonalfahrt ermöglicht, etwa bei Parkiermanövern.Leichte Abstriche holt sich der GLC bei den FahrgeräuschenDer Fahrspass entspricht ungefähr dem hohen Niveau des Konkurrenten BMW iX3. Zwischen den verschiedenen vorwählbaren Fahrprogrammen gibt es spürbare Unterschiede, so dass sich ein häufiges Wechseln der Modi je nach Strassenverhältnissen anbietet.Sternenhimmel und Milchglas auf Knopfdruck: Das Dach erlaubt verschiedene Konfigurationen.PDMinuspunkte gibt es auf zügiger Fahrt lediglich aufgrund der teilweise lauten Windgeräusche und manchmal auch eines starken Rauschens beim Abrollen der Reifen. Da kein Motorgeräusch diese Lärmquellen übertönt, fallen sie umso mehr ins Gewicht.Zur Rückgewinnung von Energie bietet der GLC EQ drei wählbare Rekuperationsstufen. Die jeweils zur Verfügung stehende Restreichweite der Batterie misst das System anhand von Navigationsdaten. Doch bezieht das MB.OS auch Wetter- und Winddaten aus der Cloud mit ein.Auch für automatisiertes Fahren ist der GLC EQ ausgerüstet, 27 Sensoren sind an Bord. Zur Verfügung steht das System Drive Assist Plus, das Fahren auf Autonomiestufe 2+ ermöglicht. Dabei bleibt der Fahrer am Steuer in der vollen Verantwortung. Optional gibt es das erweiterte System Drive Assist Pro, das ein Fahren auf Stufe 2++ erlaubt. Hier ist der Fahrer noch etwas unabhängiger und darf etwa die Lenkaufgabe dem System überlassen. Er muss jedoch mit den Händen weiter das Lenkrad berühren.Drive Assist Pro ist in Europa jedoch bis jetzt noch nicht freigegeben, weil die gesetzliche Grundlage dafür noch nicht EU-weit besteht. In China ist das System seit 2025 zugelassen, in den USA soll dies im Lauf des Jahres 2026 der Fall sein.Mercedes hat mit dem GLC EQ einen deutlichen Schritt in die Gegenwart gemacht, den der BMW iX3 und vor allem die Vielzahl der chinesischen E-SUV bereits getan haben. Zu einem Basispreis von gut 70 000 Franken erhält der Kunde ein im ungarischen Werk Kecskemet modern aufgebautes und gestaltetes Fahrzeug in mittlerweile drei verschiedenen Leistungsstufen, das selbst im leichten Gelände überzeugt. Und mit einer theoretischen Reichweite von mehr als 670 Kilometern ist er auch an der Ladesäule ein seltener Gast. Und dies nur mit kurzen Pausen: In 22 Minuten lässt sich die Batterie gemäss Mercedes von 10 auf 80 Prozent aufladen. Mercedes ist in der E-Moderne angekommen.Die Testfahrt wurde durch Mercedes unterstützt.Passend zum Artikel
Mercedes GLC EQ: Mit KI und Cloud-Anbindung in die E-Mobilität
Vier Supercomputer, KI-gestützte Assistenten, permanente Cloud-Anbindung und Over-the-Air-Updates machen das E-SUV zum ersten konsequent softwarebasierten Mercedes und verschieben den Schwerpunkt vom Antrieb zur digitalen Plattform.






