Eine Dreiviertelstunde lang öffnete das ZDF am Freitagabend einen Spalt in Platons Höhle. Moderatorin Katty Salié ließ in der „aspekte“-Sendung „Meinungsfreiheit - Was darf man heute sagen?“ all jene zu Wort kommen, die die Zuschauer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der Regel nicht zu Gesicht bekommen.

Wer jedoch erwartete, dass der ÖRR brav das Pflichtprogramm abspult, wurde überrascht. Es wurde eine Reportage zur Meinungsfreiheit, die ohne Framing oder Schubladendenken auskommt. Beim ZDF ist das keine Selbstverständlichkeit.

Ein Sender unter Druck und eine Sendung, die überrascht

Denn der Sender hat sich zuletzt einiges geleistet. Da ist beispielsweise der Fall Elon Musk: In der Sendung „ZDF heute“ hieß es, der Tech-Milliardär habe in Belfast zur „Jagd auf Migranten“ aufgerufen. Tatsächlich hatte er einen fremden Protestaufruf nur geteilt. Das ZDF räumte nach erheblicher Kritik eine missverständliche Formulierung ein. Doch Musk hat mittlerweile angekündigt, den Sender zu verklagen.

Umso überraschender ist, wer in dieser Reportage alles zu Wort kommt. Ein sanktionierter Journalist, die streitlustige FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, die jüdische Schriftstellerin Deborah Feldman, der ostdeutsche Verleger Holger Friedrich, der Podcaster Ben Berndt von „ungeskriptet by Ben“ und viele weitere, die als „unbequeme Stimmen“ bekannt sind.