Die Debatte über die politische Schlagseite von ARD und ZDF hat inzwischen etwas Liturgisches angenommen. Irgendwo zwischen den Stoßseufzern „Oh, falsche Grafik im heute journal!“ und „Immer die gleichen Leute bei Lanz!“ liegt da zwischen Politik, Publikum und Publizistik ein starrer Erregungsraum, der sich seit Jahren von neuen Studien, Thesen und Gerichtsklagen nährt. Und in dem man immer mehr Menschen trifft, die dem linearen TV sowieso und dem öffentlich-rechtlichen im Besonderen den Rücken gekehrt haben.
Zuschauerumfragen zeigen das Gegenteil
Nun also versucht ein neues Gutachten zur Ausgewogenheit von ARD und ZDF Bewegung in die Sache zu bringen, diesmal im Auftrag des Bayerischen Rundfunks, ausgeführt durch die Universitäten Mainz und München. Und siehe da, die Conclusio des Ganzen: Das Problem sei gar nicht der Mangel an konservativen Stimmen im TV. Jedenfalls nicht so, wie es Zuschauer und Stammtisch behaupten. Stattdessen sehen die Forschenden „strukturelle Verzerrungen“, die komplizierter sind als das Links-Rechts-Schema.
Für die Gutachter der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und der Ludwig-Maximilians-Universität München bedeutet Ausgewogenheit nämlich nicht automatisch, dass jede politische Richtung exakt gleich viel Sendezeit bekommt. Journalismus soll relevante gesellschaftliche Positionen abbilden, aber auch die Faktenlage, wissenschaftlichen Konsens und journalistische Relevanz berücksichtigen.








