PfadnavigationHomeSportFußballBundesligaRB LeipzigTrainerdebatte in LeipzigKönigsmörder Klopp? Warum Werner nach einer überragenden Saison trotzdem das Aus bei RB drohtVon Robert SchreierStand: 15:44 UhrLesedauer: 4 MinutenMit seiner „Noch“-Aussage über Julian Nagelsmanns Zukunft hatte Jürgen Klopp für ordentlich Wirbel gesorgt. Nun hat sich Klopp mit deutlichen Worten beim DFB-Trainer entschuldigt.Ole Werner hat alle vorgegebenen Ziele erreicht und ist als RB-Trainer sogar erfolgreicher als Julian Nagelsmann. Trotzdem droht ihm nun der Rauswurf. Der Trainer hat inzwischen ein mehr als belastetes Verhältnis zu seinem Ex-Fürsprecher Jürgen Klopp.Ole Werner spielte Cricket und steuerte einen Kleinwagen durch Löwengehege in Südafrika. Werbewirksam hielt der Trainer während der PR-Tour von RB Leipzig vor zwei Wochen Getränkedosen in die Kamera und verbreitete gute Laune, obwohl es in seinem Inneren ganz anders aussah. Denn im Hintergrund liefen in der Chefetage um Red-Bull-Fußball-Chef Jürgen Klopp längst die Vorbereitungen, um Werner aus dem Amt zu bekommen.Rückblick: Klopp war die treibende Kraft hinter der überraschenden Verpflichtung von Werner als RB-Trainer im vergangenen Sommer. Doch als die Leipziger nach furiosem Saisonstart Richtung Adventszeit in Sachen Ergebnissen und spielerischer Dominanz schwächelten, zerbrach das Verhältnis, auf das sich beide Seiten eingeschworen hatten.Aus der verabredeten Zusammenarbeit mit regelmäßigem Austausch wurde erst eine Meinungsverschiedenheit und dann eine generelle Ablehnung mit Einstellung der Kommunikation. Auslöser war nach WELT-Informationen eine unterschiedliche Auffassung über die Spielweise. Klopp forderte zum Beispiel permanentes Pressing und eine hohe Intensität. Werner sah das differenzierter, deutete etwa auch an, dass man in der nächsten Saison vereinzelt mit der Dreierkette spielen müsse. Der Bruch mit Viererketten-Fan Klopp, der sich von der Ablehnung dem Vernehmen nach auch persönlich angegriffen gefühlt haben soll.Seit November ruhte die Zusammenarbeit fast komplett. In der Öffentlichkeit wahrte Werner den Schein und sprach immer wieder positiv von Klopp, lobte ihn beispielsweise als „wichtigen Teil der RB-Fußballfamilie“. Dabei hatte der seit Januar 2025 inthronisierte Fußball-Chef des Konzerns in der Winterpause und dann noch einmal im März die Entlassung des Trainers gefordert. RB-Manager Marcel Schäfer sprach sich dagegen aus, und auch RB-Boss Oliver Mintzlaff verhinderte den Schnellschuss.Klarheit und Prinzipien bei EntscheidungsprozessenDie Entscheidung wurde ans Saisonende verlegt, davon berichtete WELT im April exklusiv, als alle eine längere Zusammenarbeit mit Werner als gesetzt betrachtet hatten. Zentrale Aufgabe dabei war der Einzug in die Champions League, den Werner mit Tabellenplatz drei erreichte. Es wurde ein Analysegespräch nach der Saison vereinbart, in dem sich Klopp, Schäfer und Werner entweder auf einen gemeinsamen Weg verständigen sollten oder an dessen Ende die Trennung stehen würde.Lesen Sie auchDoch Klopp war weder mit in Südafrika noch vorher oder nachher in Leipzig, flog stattdessen zu seinem intern umstrittenen, aber vertraglich gestatteten Job als WM-Experte in die USA. In der vergangenen Woche tauchten Meldungen über ein bevorstehendes Werner-Aus auf. Vermeintliche Fakten, die intern noch gar nicht geschaffen wurden. So wurde ein Interessenkonflikt bei RB öffentlich, der sich ausweitete.Die Position von Schäfer, der bekannt für Klarheit und Prinzipien bei Entscheidungsprozessen ist, wurde bei der kontroversen Trainerfrage nicht gestärkt, obwohl er die Verantwortung dafür trägt. Immerhin bereiteten sich er und das Team von Klopp in den vergangenen Wochen auf das Szenario eines Trainerwechsels vor. Dabei wurde der Name Martín Demichelis von Klopp ins Spiel gebracht. Zwar hat der Argentinier bisher keine Erfahrung als Bundesliga-Trainer und stieg mit Mallorca in Spanien ab. Allerdings wurde er mit River Plate Meister in Argentinien und setzt auf aktiven Power-Fußball, wie er bei Red Bull gefragt ist.Werner: alle Ziele des Vereins erreichtDurch die Unruhe drohen auch (fast) geregelte Fragen der Kaderplanung wieder aufzubrechen. Superstar Yan Diomande verknüpft seine Vertragsverlängerung stark mit Werner und Schäfer. Hinzu kommt: Verliehene Spieler, die auf der Suche nach neuen Vereinen sind, sehen mit einem Trainerwechsel wieder Chancen. Das aber erschwert das Ziel, Transfererlöse zu erwirtschaften und den Kader zu verkleinern.Hinzu kommt, dass Werner auf eine überragende Bilanz verweisen kann. Seinen in der vergangenen Saison mit dem Team erreichten Punkteschnitt (1,95 Zähler) erreichten nicht einmal Ralf Rangnick (1,94/zweite Amtszeit) und Julian Nagelsmann (1,94). Trotz eines umfassenden Umbruchs und den Abgängen von Xavi Simons, Loïs Openda und Benjamin Sesko kam Werner auf 65 Punkte, verpasste den Klubrekord aus der ersten Bundesligasaison mit Ralph Hasenhüttl nur um zwei Zähler. Die Königsklassen-Qualifikation wurde mit Platz drei geschafft – alle Vereinsziele erfüllt.