Die japanische Investorenlegende Masayoshi Son ist mit ihrer Softbank einer der größten Anteilseigner des KI-Pioniers Open AI und schwärmt normalerweise, wo es nur geht, von den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz. Auf einer Veranstaltung in Tokio warnte er nun aber in eindringlichen Worten vor den Gefahren, die durch die neuesten KI-Systeme auf die Wirtschaft und vor allem die kritische Infrastruktur von Ländern zukämen. „Bislang wurden Cyberangriffe von Menschen durchgeführt. Was auf uns zukommt, ist eine Welt, in der böswillige Organisationen und kriminelle Akteure KI nutzen, um Angriffe wie mit Maschinengewehren abzufeuern“, sagte Son auf der Veranstaltung, an der rund 200 Führungskräfte aus 130 japanischen Unternehmen teilnahmen und über die die Wirtschaftszeitung „Nikkei“ berichtete.Er sagte, Betreiber kritischer Infrastruktur – darunter Versorgungsunternehmen, Finanzinstitute, Telekommunikationsunternehmen und Verkehrsnetze – seien wachsenden Risiken ausgesetzt, da KI die Kosten von Cyberangriffen drastisch senke und deren Umfang erheblich vergrößere. „Ich fürchte, dass dies die größte Krise für Japan seit der Ankunft der Schwarzen Schiffe werden könnte“, sagte Son. Damit bezog er sich auf die Ankunft der Flotte des US-Kommandeurs Matthew Perry im 19. Jahrhundert, die den Inselstaat nach einer langen Phase der Isolation dazu zwang, sich der Außenwelt zu öffnen.Anthropic-Sperre kommt auch für Japan überraschendJapan wurde wie Deutschland davon überrascht, dass die amerikanische Regierung vor wenigen Tagen den Export des jüngsten KI-Modells Claude Mythos des Anbieters Anthropic beschränkt hat. Als eine Begründung gilt, dass das Programm zu weitreichende Möglichkeiten für Cyberangriffe geben würde. Mehrere Unternehmen und Regierungsbehörden in Japan hatten laut dem Bericht die Technologie zur Cyberabwehr geprüft. Investor Son gilt als einer der wenigen ausländischen Vertrauten Donald Trumps, wenn es um den Aufbau der Infrastruktur für Künstliche Intelligenz in den Vereinigten Staaten geht. Der japanische Selfmade-Milliardär hatte Trump kurz nach dessen Wiederwahl zum Präsidenten Investitionen von 100 Milliarden Dollar in den USA zugesagt. Kurz darauf hat der ihn mit der Finanzierung eines Großprojekts für KI-Rechenzentren in Amerika betraut.Die Technologie-Investmentgesellschaft Softbank, die nach letztem Stand 13 Prozent der Anteile an Open AI hält, will nun nach Angaben von Son ein KI-Programm zum Schutz vor Cyberangriffen für japanische Unternehmen entwickeln und dazu das jüngste Programm des amerikanischen Unternehmens nutzen. „Wir werden Softbanks gesamte Fähigkeiten einsetzen und Open AIs modernste Waffen nutzen, um Japans kritische Infrastruktur zu verteidigen“, sagte Son. Die Zahl der Softwareingenieure, die sich um das Thema kümmern, solle deutlich erhöht werden.Softbank teilte mit, dass das Unternehmen Ende Mai Zugang zu dem Programm GPT-5.5-Cyber erhalten habe, das bislang Open AI einer begrenzten Zahl von Nutzern zugänglich gemacht hat. Mithilfe der Technologie habe das Unternehmen Sicherheitsbewertungen von 700 internen Systemen durchgeführt und mehr als 10.000 Schwachstellen identifiziert. Die neue KI-Cyberabwehr soll bis Ende dieses Jahres fertig sein. Softbank will sie nach eigenen Angaben bei den rund 3000 Betreibern kritischer Infrastruktur in Japan einsetzen.Der Vorstandsvorsitzende von Open AI, Sam Altman, wurde per Videobotschaft zu der Veranstaltung in Tokio zugeschaltet. Er bezeichnete Cybersicherheit als eine der wichtigsten Anwendungen fortgeschrittener KI. „Das Ziel ist einfach: Wir wollen, dass unsere führenden Cyberfähigkeiten Organisationen dabei helfen, Systeme abzusichern und ihre schwierigsten Sicherheitsprobleme zu lösen – nicht nur Schwachstellen zu identifizieren“, sagte Altman.
Masayoshi Son: „KI-Angriffe wie mit Maschinengewehren“
Der japanische Open-AI-Investor Masayoshi Son ist einer der größten Befürworter Künstlicher Intelligenz. Nun warnt er eindrücklich vor deren Gefahren – und will eine KI zur Cyberabwehr aufbauen.







