In der Debatte um die Enteignung von Immobilienkonzernen sieht der Vorstandsvorsitzende von Vonovia eine zunehmende Schärfe in politischen Aussagen. „Wir haben das damals beim Volksentscheid gesehen und beobachten, dass es wieder losgeht“, sagte Luka Mucic, der den größten privaten Vermieter seit Jahresbeginn führt, am Dienstagabend vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung (WPV) in Düsseldorf.Die Partei Die Linke hat Mieter dazu aufgerufen, negative Erlebnisse mit Immobilienkonzernen auf einer Internetseite zu melden, zuletzt wurde im Bundestag in einer Aktuellen Stunde auf Antrag der Partei kontrovers diskutiert. Mit Politikern der Partei habe Mucic nach eigener Aussage bisher noch kein Gespräch geführt. „Wir haben das beantwortet mit einem Brief und unser Gesprächsangebot geäußert, aber das steht noch aus“, sagte Mucic.„Wir haben die Situation, dass in Städten unsere Autos zu brennen beginnen“, sagte Mucic. In öffentlichen Verkehrsmitteln würden mitunter Mitarbeiter angepöbelt, die Vonovia-Jacken tragen. „Ein teilweise unfairer Dialog trägt dazu bei. Da fehlt mir Verantwortung“, sagte Mucic.Aktivisten wollen Immobilienkonzerne vergesellschaftenIm September wird das Berliner Landesparlament gewählt. In der Hauptstadt hatte die Initiative „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“ im September 2021 eine Mehrheit hinter ihrem Volksbegehren versammeln können. Auch wenn das keine unmittelbaren Auswirkungen für Vonovia gehabt hat, wird das Thema jetzt wieder stärker debattiert. Das Abgeordnetenhaus hat ein Vergesellschaftungsrahmengesetz verabschiedet, das in zwei Jahren in Kraft treten soll. Bis 2027 will die Initiative nun über einen konkreten Gesetzentwurf als direkten Volksentscheid abstimmen lassen. Dabei geht es um rund 220.000 Wohnungen in Berlin.In der Bauministerkonferenz haben sich die Verantwortlichen der Bundesländer zuletzt auf einen Beschluss geeinigt, der klare Grenzen für eine Vergesellschaftung zieht. Immobilienkonzerne wie Vonovia sehen eine Enteignung nicht als Lösung: „Das würde nur Verlierer geben“, sagte Mucic.In Städten wie Berlin ist der Mietmarkt besonders angespanntDer Vonovia-Vorstandsvorsitzende hat zwar zuletzt auch im F.A.Z.-Interview angemerkt, dass er die Debatte nachvollziehen könne, weil der Mietmarkt in der Hauptstadt dysfunktional sei. Aber das liege nicht an den Immobilienkonzernen. „Illegale Mietstrukturen und Untervermietungen treiben die Preise in die Höhe. Außerdem gibt es eine starke Differenz zwischen Angebot und Nachfrage. Eine Vergesellschaftung würde nicht eine der Nöte lösen“, sagte Mucic. Die durchschnittlichen Mieten von Vonovia in Berlin liegen bei 8,17 Euro je Quadratmeter und damit unter dem Bundesdurchschnitt des Bochumer Dax-Konzerns.Der Vonovia-Chef wies vor der WPV darauf hin, dass die Enteignungs-Diskussion zudem Investoren abschrecke. Dabei brauche man diese dringend, um die Neubauziele in Deutschland zu erreichen. Jedes Jahr müssten 100 Milliarden Euro aufgewendet werden, um 320.000 neue Wohnungen zu bauen. Das könne nicht mit Sondervermögen aus dem Staatshaushalt finanziert werden. „Es braucht eine starke Privatwirtschaft, die Rahmenbedingungen hat, um investieren zu können“, sagte Mucic.Um die Wohnungsnot zu bekämpfen, brauche es eine zielgerichtetere Regulierung, forderte der Vorstandsvorsitzende des größten privaten Vermieters im Land. So könne man etwa festlegen, dass große Wohnungsunternehmen ein Drittel ihrer Bestände an sozial bedürftige Mieter mit Wohnberechtigungsschein vermieten müssten. An sie müsste frei werdender Wohnraum vorrangig vermietet und auch die Preisentwicklung möglicherweise beschränkt werden. Auf der anderen Seite sollten dann aber Regeln für die anderen zwei Drittel abgeschafft und die Preisbildung liberalisiert werden. Dies solle mit einem Härtefallmanagement verbunden werden.
Vonovia: Brennende Autos und angepöbelte Mitarbeiter
In der Debatte um Enteignungen sieht Vonovia-Chef Luka Mucic eine zunehmende Verrohung – und im Fall einer Vergesellschaftung „nur Verlierer“.








