Brasiliens Oberster Gerichtshof hat den ehemaligen Abgeordneten Eduardo Bolsonaro einstimmig zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und zwei Monaten verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro das Verbrechen der Nötigung im Rahmen eines Gerichtsverfahrens begangen hat.Er wird beschuldigt, aktiv versucht zu haben, die Justiz zu behindern und die Ermittlungen zur sogenannten „Putsch-Verschwörung“ von 2022 zu beeinflussen, um eine Verurteilung seines Vaters zu verhindern. Jair Bolsonaro wurde im vergangenen Jahr wegen der Planung eines Staatsstreichs schuldig gesprochen.Zusätzlich zur Haftstrafe, die Eduardo Bolsonaro im halboffenen Vollzug antreten muss, verhängte das Gericht eine Geldstrafe von umgerechnet rund 30.000 Euro. Besonders schwer wiegt jedoch die politische Tragweite. Eduardo wurde für bis zu zwölf Jahre für unwählbar erklärt, was ihn bis zum Jahr 2038 von jeglichen politischen Ämtern ausschließt. Zudem verliert der frühere Abgeordnete unmittelbar seinen Status als Kriminalbeamter der Bundespolizei.Sanktionen gegen das eigene Land koordiniertDas Urteil bezieht sich wesentlich auf Eduardo Bolsonaros Aktivitäten in den Vereinigten Staaten, wo er sich seit Februar 2025 aufhält und enge Kontakte zur Familie von US-Präsident Donald Trump und Persönlichkeiten aus dessen Umfeld unterhält. Die Generalstaatsanwaltschaft legte Beweise vor, wonach Eduardo Bolsonaro gemeinsam mit Mitgliedern der Trump-Regierung gezielte Aktionen koordinierte, um Druck auf brasilianische Richter auszuüben, die am Prozess gegen seinen Vater beteiligt waren. Demnach soll die von Eduardo verbreitete „Desinformation“ Washington dazu bewegt haben, Strafzölle auf brasilianische Produkte zu erheben, was einen massiven Schaden für die brasilianische Wirtschaft zur Folge hatte.Senator Flávio Bolsonaro, Eduardos Bruder und Präsidentschaftskandidat für die Wahlen im Oktober, bezeichnete das Urteil umgehend als „reine Rache“ und „persönliche Angelegenheit“ der beteiligten Richter. Er behauptet, dass das Verfahren nicht in die Zuständigkeit des Obersten Gerichtshofs falle, da Eduardo zum Zeitpunkt der Anklage kein Abgeordneter mehr war. Das politische Umfeld der Familie Bolsonaro spricht von „politischer Verfolgung“, die darauf abzielt, die Opposition und die Kandidatur von Flávio Bolsonaro zu schwächen.Droht Bolsonaro eine Auslieferung?Eduardo Bolsonaro, der sich weiterhin in den Vereinigten Staaten aufhält, erklärte in einer Mitteilung, er sei nicht ordnungsgemäß über das Verfahren informiert worden. Das Ziel der Justiz sei lediglich, seinen Namen von den Wahlzetteln zu streichen. Bolsonaros Rechtsmittel gegen das Urteil sind jedoch begrenzt. Da das Urteil von einem Kollegialorgan gefällt wurde, tritt die Unwählbarkeit sofort in Kraft. Der nächste Schritt liegt nun bei der Justiz. Sollte das Gericht einen Haftbefehl erlassen, könnte die brasilianische Regierung die Aufnahme Eduardo Bolsonaros in die Interpol-Fahndungsliste beantragen, um seine Auslieferung zu erzwingen.Unabhängig davon ist das Urteil Wasser auf die Mühlen der linken Regierung von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, der im Oktober für eine weitere Amtszeit antritt. Lula und seine Partei „Partido dos Trabalhadores“ nutzen das Agieren von Eduardo Bolsonaro an der Seite Trumps bereits seit geraumer Zeit, um den ehemaligen Abgeordneten als Vaterlandsverräter zu brandmarken, der seine Familie über die nationalen Interessen stellt. Derweil sind die Verteidigung der nationalen Souveränität und der Schutz der brasilianischen Wirtschaft zu zentralen Pfeilern von Lulas Kampagne geworden.