Wann und wo der Schützenpanzer das letzte Mal im Einsatz gewesen sei, will der Schüler wissen. „Heute Morgen“, antwortet der Fahrer, man habe eine kurze Runde über das Gelände gedreht, „der fährt sich wie ein Golf“. Dann die eigentliche Auskunft auf die Frage des jungen Manns: Schon in Mali und jetzt an der Nato-Ostflanke in Litauen habe die Truppe den Boxer genutzt, sagt der Soldat. Die drei Jungs bedanken sich und setzen ihren Rundgang fort.35 Tonnen schwer, mehr als 100 Kilometer in der Stunde schnell, mit Platz für bis zu zehn Mann: Das „Gepanzerte Transport-Kraftfahrzeug“ ist eine mächtige Maschine und eines der Ausstellungsstücke, das die Bundeswehr mit zum Hessentag nach Fulda gebracht hat. Wie in jedem Jahr hat es wegen der Präsenz der Armee beim Landesfest Proteste aus der Friedensbewegung gegeben, aber die Lage auf dem Gelände in den Fuldaauen ist entspannt.Radpanzer und Fahrer haben keine weite Reise nach Fulda unternehmen müssen: Nur gut 60 Kilometer sind es von Schwarzenborn aus, dort in der Knüll-Kaserne ist das Jägerbataillon 1 stationiert. Jäger, so erklärt es der Mann mit soldatischem Stolz, seien das „Schweizer Taschenmesser“ der Armee, viele militärische Fähigkeiten, viele Aufgaben – bis zum Sonntag eben auch auf dem Hessentag.Kampfjet, Panzer und HaubitzeDort heißt es vor allem: Fragen beantworten. Der Soldat, nach eigener Einschätzung „einer vom alten Schlag“, erzählt von einem Gespräch mit einer Gruppe junger Frauen. Die wollten wissen, worauf sie sich einließen, wenn sie zur Bundeswehr gingen. „Ein Tipp“, so habe er geantwortet, „wenn Ihnen jemand etwas sagt, dann machen Sie es.“ Ende der Kurzeinführung in das System von Befehl und Gehorsam in der Truppe.Der Boxer ist eindrucksvoll, aber die Bundeswehr hat noch mächtigere Systeme aufgefahren. Die Luftwaffe zum Beispiel einen Tornado-Kampfjet, das Heer einen Leopard 2 A7V und eine Radhaubitze, bei den Heeresfliegern ist ein Tiger-Hubschrauber ausgestellt. Der kommt aus Fritzlar, auch das ist nicht weit weg von Fulda. Die Nähe erinnert daran, dass die Gegend um Fulda im Kalten Krieg eine Schlüsselrolle in den Überlegungen des Militärs gespielt hat.Fragen an das „Team Hessentag“Die Planer der NATO erwarteten, dass die Truppen des Warschauer Pakts dort angreifen würden, um durch das sogenannte Fulda Gap über das Kinzigtal in das Rhein-Main-Gebiet vorzustoßen: Eine der größten Panzerschlachten nach dem Zweiten Weltkrieg wurde für die Region befürchtet. Entsprechend massiv war die Präsenz vor allem amerikanischer Soldaten von den Garnisonen in Hanau bis zur innerdeutschen Grenze und eben auch der Bundeswehr im Norden und Osten des Landes.Lange ist das her, deswegen spielt es für die jüngeren Besucher keine Rolle. Gerade an den Vormittagen sind Scharen von Schülern auf dem Hessentag unterwegs, und für viele gehört auch eine Visite bei der Bundeswehr zum Programm. Das Interesse sei groß, sagt einer der Soldaten am Stand des Karrierecenters Mainz, der laut Namensschild wie die meisten seiner Kameraden auf dem Gelände „Team Hessentag“ heißt.Oft werde nach den beruflichen Chancen bei der Armee gefragt, vom Zuschuss zum Führerschein bis hin zum Studium. Fragen wegen der Wehrpflicht spielten dagegen keine Rolle, berichtet der Fallschirmjäger: „Aber die Jungen, die sich darüber Gedanken machen, werden wahrscheinlich nicht bei uns vorbeikommen.“ Generell spüre man eine zunehmende Wertschätzung der Truppe.Ihre Ablehnung der Wehrpflicht und der Armee allgemein hatten am ersten Samstag des Landesfests einige Hundert Demonstranten bekundet, die von der Innenstadt zum Bundeswehrgelände gezogen waren. Ein Bündnis von gut 40 Organisationen hatte zu dem Protest aufgerufen, aber die Mobilisierung früherer Tage haben sie nicht erreicht. Viele der Teilnehmer zählen sichtlich zu den Veteranen der Friedensbewegung und waren wohl schon 1981 bei der großen Demonstration gegen den NATO-Doppelbeschluss im Bonner Hofgarten dabei.Auf dem Militärgelände zeigt auch die amerikanische Armee mit einem kleinen Stand Präsenz. Zum einen wirbt ein Team aus Wiesbaden um zivile Mitarbeiter, daneben stehen Soldaten, die ansonsten im rheinland-pfälzischen Baumholder ihren Dienst versehen. Bei ihnen kommt der Ausflug nach Hessen zum Landesfest blendend an: „Das ist der beste Job meines Lebens“, sagt ein baumlanger GI mit sorgfältig getrimmtem Schnauzbart: „Gute Stimmung und gutes Essen.“
Hessentag in Fulda: Bundeswehr zeigt Tornado und Haubitze
Auf dem Hessentag in Fulda ist die Bundeswehr trotz Protesten präsent. Sie zeigt ihre Ausrüstung und wirbt um Nachwuchs. Auch das Prinzip von Befehl und Gehorsam wird erklärt.











