Nach der Absage eines Gedenkkonzerts für ermordete jüdische Musiker zur Eröffnung der Jubiläumsausgabe zum 150-jährigen Bestehen der Bayreuther Festspiele mehren sich die Zweifel, wie ernsthaft die Festspielleitung diese Veranstaltung überhaupt geplant hatte. Christian Thielemann, der laut der Festspielleitung das Konzert dirigieren sollte, sagte der Zeit, er habe nie eine definitive Zusage für eine Mitwirkung gegeben. „Ich erinnere mich“, zitiert die Wochenzeitung den 67-Jährigen, „dass von einer Gedenkveranstaltung gesprochen wurde. Ich hätte das auch gerne gemacht, natürlich, habe aber sofort kommuniziert, dass ich zwischen meinem Konzert mit Beethovens Neunter am 25. Juli und dem Auftakt des neuen Rings mit Rheingold am 27. Juli nicht kann.“ Das wäre ihm schlicht zu viel geworden. „Und daraufhin habe ich nichts mehr gehört.“ Dazu passt, dass ein Vorverkauf für die mit bis zu 1500 Gästen geplante Veranstaltung bislang nicht gestartet worden war.Sicherheitsbedenken in Bayreuth:„Wer soll diese Begründung bitte glauben?“Die Bayreuther Festspiele planten zu ihrem 150. Geburtstag eine Gedenkveranstaltung samt Rede von Michel Friedman zum Thema Wagner und Antisemitismus. Nun wurde der Termin abgesagt – und man fragt sich: Was ist da passiert?Nach der Absage der Gedenkveranstaltung hatte der Publizist Michel Friedman, der im September von der Festspiel-Chefin Katharina Wagner ein- und nun von Geschäftsführer Heinz-Dieter Sense wieder ausgeladen wurde, in der SZ scharfe Kritik geäußert. Dass seine Rede wegen „Sicherheitsbedenken“ verschoben werden solle, während die „Rienzi“-Premiere am selben Tag stattfinden könne, lässt der jüdische Autor als Argument nicht gelten. Auf etwaige Drohungen von Extremisten gebe es eine ganz einfache Antwort: „Dann sichert diese Veranstaltung. Und spart euch alle Sonntagsreden!“, sagte er der SZ.Eine seitens der Festspiele vorgeschlagene Verschiebung in den August lehnt er kategorisch ab, es sei auch der symbolhafte Termin zum Auftakt der Jubiläumsausgabe der Festspiele gewesen, die ihn zu seiner Zusage bewogen hatten. Denn die Bayreuther Festspiele blickten auf eine bewegte und auch dunkle Geschichte zurück. Richard Wagners eigene antisemitische Einstellung wirft immer wieder einen Schatten über sein Werk, Adolf Hitler war in Bayreuth gern gesehener Gast, die damalige Festspiel-Chefin Winifred Wagner eine glühende Verehrerin des nationalsozialistischen Diktators. „Die Ernsthaftigkeit, sich mit dem Antisemiten Wagner auseinanderzusetzen, ist durch diese Absage ad absurdum geführt“, sagt Friedman nun.