PfadnavigationHomePolitikDeutschlandProtest in Berlin„Der Arm wurde verdreht“ – Polnische Aktivisten klagen über „brutales“ Vorgehen deutscher PolizistenStand: 11:44 UhrLesedauer: 2 MinutenEine Gruppe polnischer Aktivisten stößt am Reichstag mit der Berliner Polizei zusammen, nachdem sie trotz Verbots geschlossen zu einem Gedenkort für Polen ziehen will. Offenbar handelt es sich um eine rechtsextreme Gruppierung.Polnische Aktivisten sind in Berlin in der Nähe des Reichstagsgebäudes mit der Polizei aneinandergeraten. Sechs von ihnen wurden vorübergehend festgenommen, wie die Berliner Polizei auf X mitteilte. Eine Gruppe von rund 15 Menschen, die gelbe Westen trugen, hatte sich am späten Dienstagnachmittag am Skulpturenpark vor dem Reichstagsgebäude zusammengefunden. Nach Angaben der Polizei hatten sie geplant, im Anschluss mit Transparenten und einem großen Holzkreuz zum nahen Gedenkort für Polen in der Heinrich-von-Gagern-Straße zu laufen. Das sei ihnen jedoch von Einsatzkräften der Polizei untersagt worden. Ein Dolmetscher habe ihnen stattdessen vorgeschlagen, eine Kundgebung am Skulpturenpark abzuhalten oder sich einzeln zum Gedenkort zu begeben.Die Gruppe sei darauf aber nicht eingegangen und habe sich mit dem Kreuz und den Transparenten in Richtung Gedenkstein begeben wollen. Dieser erinnert an die Opfer des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besatzungsherrschaft in Polen zwischen 1939 und 1945. Videos auf Social Media zeigen, wie Polizisten die Aktivisten zu Boden bringen und festnehmen. Insgesamt sechs von ihnen seien festgesetzt worden, teilte die Polizei mit. Weil es dabei zu Widerstand gekommen sei, seien auch Zwangsmaßnahmen angewendet worden, so die Polizei. Alle Festgenommenen seien allerdings später wieder entlassen worden. Details zu dem Vorfall würden noch ermittelt, sagte ein Sprecher der Polizei am Morgen. Nach Angaben des „Tagesspiegel“ steckt hinter der Aktion die rechtsextreme polnische Bürgerwehr „Ruch Obrony Granic“ („Bewegung zur Verteidigung der Grenzen“). Diese sei als Reaktion auf eine fingierte Kampagne entstanden, die der deutschen Polizei unterstellt habe, Migranten heimlich über die Grenze nach Polen zurückzubringen, schreibt die Zeitung. Im Zuge der Kampagne vor rund einem Jahr seien deutsche Polizisten als „Invasoren“ bezeichnet und Vergleiche mit dem Überfall des Deutschen Reiches auf Polen gezogen worden.Polnische Konservative empört über Polizei-EinsatzAuch in polnischen konservativen Medien wurde der Vorfall entsprechend empört kommentiert. Demnach sprach „Ruch Obrony Granic“ von einem „brutalen Vorgehen deutscher Beamter“, heißt es etwa beim Portal „Wpolityce“, das der PiS-Partei nahesteht. Ein Aktivist wird zitiert mit: „Mein Arm wurde verdreht, mein Rücken tut weh“.Lesen Sie auchBei X hieß es in Richtung des deutschen Botschafters Miguel Berger, Deutschland habe damit gezeigt, dass es „keine gesichtslosen Nazis“ gegeben habe, sondern „Deutsche“. Nach Angaben der Organisation wurde ihr Vorsitzender Robert Bąkiewicz festgenommen. Auch der PiS-Europaabgeordnete Bogdan Rzońca kritisierte den Einsatz und warf der Berliner Polizei vor, mit Gewalt verhindert zu haben, dass ein Kreuz am Gedenkstein für die polnischen Opfer der deutschen Besatzung niedergelegt werde. dpa/nw/kami