Die zum Springer-Konzern gehörende „B.Z.“ meldet in eigener Sache, wer vergangene Woche im „Evening Sale“ moderner und zeitgenössischer Kunst bei Ketterer in München Sigmar Polkes Rasterbild „B.Z. am Mittag“ ersteigert hat: Es war der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner. Rund 1,6 Millionen Euro inklusive Aufgeld zahlte er für das vorab auf 1,2 Millionen geschätzte Bild aus dem Jahr 1965.Das Werk stammt aus Polkes früher Schaffenszeit in Düsseldorf und ist ein prominentes Beispiel für die deutsche Aneignung der Pop-Art im Neuen Realismus. Polkes Arbeiten dieser Phase, in der er sich intensiv mit der Bildwelt der Massenmedien auseinandersetzte, befinden sich vielfach in Museen und sind auf dem Markt besonders begehrt.Die Darstellung auf der 160 Zentimeter hohen Leinwand basiert auf einer humoristischen Hochzeitszeitung, die 1911 anlässlich der Trauung von Waldemar und Lotte von Böttinger im Stil einer Ausgabe der „B.Z. am Mittag“ erschienen ist. Zur Erinnerung an den Hochzeitstag bestellte der rheinische Sammler und Mäzen Willy Schniedewind bei Polke eine Neuinterpretation: als Geschenk für Schniedewinds Cousine Lotte von Böttinger.