Den Siegern des SPD-Mitgliederentscheids in Baden-Württemberg ist ein kalter Putsch gelungen: Isabel Cademartori und Robin Mesarosch gewannen die Abstimmung, weil sie ihre Kandidatur voreilig ankündigten, sie formale Gremienbeschlüsse nicht abwarten wollten und es perfekt verstanden, die sozialdemokratische Basis über Social Media zu mobilisieren.Es ist eine flügelübergreifenden Doppelspitze. Sie hat sich zudem geschickt die Unterstützung von heutigen Oberbürgermeistern und Generationsgenossen aus Juso-Zeiten organisiert. Dazu kann ein um die Zukunft seiner Partei besorgter Sozialdemokrat nicht Nein sagen.Einzige seriöse OppositionDass der Neustart der SPD so verlaufen konnte, ist weniger ein Beleg für die Sinnhaftigkeit von Mitgliederbefragungen, sondern eher Krisensymptom. Mit zehn Abgeordneten im Landtag ist die SPD die letzte verbliebene, seriöse Oppositionspartei. Die FDP ist aus dem Parlament geflogen, die AfD ist von demokratischer Seriosität weiterhin weit entfernt.Das Führungsduo will mit Lautstärke in den sozialen Medien und mit einer dezidiert linken Programmatik die Partei zurück zu früherer Stärke führen. Auf die Fragen, wie die SPD die kulturelle Hegemonie zumindest in Teilen des Arbeitermilieus zurückgewinnen und wie die Arbeitsteilung mit der nun düpierten Landtagsfraktion aussehen könnte, hat das Duo bislang keine Antworten.