Wenn Gordon Herbert einen neuen Arbeitgeber hat, müssen bei den Frankfurt Skyliners die Alarmglocken schrillen. Achtung, es droht ein wichtiger Personalverlust, heißt es dann für den Basketball-Bundesligaklub. Als der Kanadier Herbert, Deutschlands Weltmeistertrainer von 2023, im Sommer 2024 Headcoach bei Bayern München wurde, hätte er Klaus Perwas gerne an seiner Seite gehabt.Er war Herberts langjähriger Assistenztrainer bei den Skyliners, mit denen sich Herbert wiederum 2004 über den Gewinn der deutschen Meisterschaft gefreut hatte. Doch Perwas, heute in Cheffunktion in Frankfurt im Amt, widerstand den mehrmaligen, lukrativen Münchner Abwerbungsversuchen aus beruflichen und privaten Gründen.Neuseeland auf der Weltbühne repräsentierenBei Sebastian Gleim hingegen ist der international tätige Personaljäger Herbert jetzt erfolgreich gewesen. Ein altes Arbeitsverhältnis lebt neu auf. Gleim, 41 Jahre alt und noch Geschäftsführer Sport bei den Hessen, wird dem 67 Jahre alten Herbert zu den New Zealand Breakers nach Auckland folgen. Seine dortige Rolle in Zukunft: erster Assistenztrainer seines Vorgesetzten, dem er bereits bei der WM zugearbeitet hatte.In der Hierarchie bedeutet das, dass Gleim Herbert immer dann vertreten wird, wenn dieser seine zusätzliche Aufgabe als kanadischer Nationaltrainer wahrnimmt. „Gordon ist ein Weltklasse-Stratege und hat bewiesen, dass er auf dem höchstmöglichen Level gewinnen kann“, wurde Breakers-Präsident Dillon Boucher im Mai nach der Verpflichtung von Herbert in einer Klubmitteilung zitiert.Dessen neue Mannschaft spielt in der aufstrebenden Kombi-Liga aus Australien und Neuseeland. In der Vorsaison verpasste das Team als Siebter die Play-offs. Herbert passe mit seiner Erfahrung und seinen Fähigkeiten perfekt zur Klubvision, „Neuseeland auf der Weltbühne zu repräsentieren“, sagte Boucher noch in großen Worten.Perwas von Anfang an in Herberts Pläne eingebundenInsgesamt dreimal war Gordon Herbert – 2016 gewann er mit den Skyliners den FIBA Europe Cup – Trainer in Frankfurt, dreimal war Gunnar Wöbke in dieser Zeit sein Klubboss. Herbert informierte den geschäftsführenden Gesellschafter nach dessen Bekunden nicht, bevor er vor einigen Wochen an Gleim herantrat. Dieser gehörte 2023 zum Trainerstab der deutschen Nationalmannschaft, Herberts Arbeitsweise ist Gleim vertraut.Auch Perwas war bei der WM in wichtiger Funktion an der Seite von Herbert. Diesmal fragte der Kanadier seinen langjährigen Wegbegleiter im Basketball jedoch nicht, ob er sich einen Wechsel nach Neuseeland vorstellen könne. Perwas, der regelmäßig mit Herbert im Austausch ist, war aber von Anfang an eingebunden in dessen Pläne mit Gleim.Gibt bei den Skyliners die Richtung vor: Trainer Klaus Perwaspicture alliance / Foto HuebnerDer kennt den Spielbetrieb in seiner neuen, alten Heimat: Vor der Rückkehr 2025 zu den Skyliners arbeitete Gleim als Cheftrainer der Franklin Bulls, seine Kinder werden nun wieder in Auckland zur Schule gehen. Dem Wunsch Gleims, schon nach einer Saison die Zelte bei den Skyliners abzubrechen, stellte sich Perwas nicht in den Weg. Denn: „Wir sehen in Frankfurt auch immer die Menschen“, sagte er der F.A.Z. „Sebastian hat eine große Chance, wieder in den Coaching-Bereich zu kommen. Das ist eine gute Liga.“Eine Ablösesumme erhalten die Skyliners nach Informationen dieser Zeitung für ihren verdienten Mitarbeiter nicht, der von 2019 bis 2021 selbst Cheftrainer der Hessen war. Gunnar Wöbke brach in Tränen aus, als die Skyliners, die in der neuen Saison im zweithöchsten Wettbewerb der Euroleague, im EuroCup, vertreten sein werden, über den Weggang von Gleim informierten. Das sagt viel über dessen Stellenwert in Frankfurt aus.Auch die neue Mannschaft wird Gleims Handschrift tragen„Auf jeden Fall ist das ein Verlust, Sebastian wird uns sicherlich fehlen“, sagt auch Perwas. „Er war jemand, der uns besser gemacht hat.“ Beide stellten in der zurückliegenden Spielzeit ein Team zusammen, das auf den wichtigen Positionen von Anfang an funktionierte. Im Gegensatz zur Vergangenheit, als im Kader im Verlauf der Runden immer wieder Korrekturen nötig wurden.„Die Fluktuation bei uns war nicht mehr so hoch“, sagt Perwas. Nach längerer Zeit befanden sich die Frankfurter wieder in Reichweite der Play-off-Plätze, bevor sie sich aus verschiedenen Gründen in der Tabelle nach hinten orientieren mussten, jedoch ohne ernsthaft in Abstiegsgefahr geraten zu sein.„Wir ticken gleich“, beschreibt Perwas sein Arbeitsverhältnis mit Gleim. „Es ist nie verkehrt, Leute zu haben, die gleich denken und den Sport im Vordergrund sehen.“ Für den Erfolg des Klubs und dessen Weiterentwicklung habe Gleim, der unter anderem die Bereiche Profimannschaft, Scouting und Trainerausbildung verantwortete, auch „unpopuläre Entscheidungen getroffen“, sagt der Trainer. „Sebastian setzt sich sofort daran, Aufgaben zu lösen. Er schafft Strukturen, er macht einfach.“Die neue Mannschaft wird auch die Handschrift Gleims tragen, wohl bis Ende Juli ist er noch an der Kaderplanung beteiligt. Seiner Familie und ihm bedeute es „sehr viel“, nach Neuseeland zurückkehren zu können, „um dort für die New Zealand Breakers gemeinsam mit Gordon Herbert zu coachen“, sagte Gleim.Es kann noch dauern, bis die Skyliners für ihn einen Nachfolger gefunden haben. Der neue Mann wird sich dann aller Voraussicht nach „nur“ Sportdirektor nennen dürfen. Neuerliche Abwerbungsversuche müssen die Frankfurter vorerst nicht befürchten. Headhunter Herbert scheint erst einmal mit gutem Personal versorgt zu sein.
Frankfurt Skyliners: Sport-Geschäftsführer Gleim folgt Herbert nach Neuseeland
Sport-Geschäftsführer Sebastian Gleim folgt Gordon Herbert zu den New Zealand Breakers. Dass sich Herbert gerne beiden Skyliners umschaut, ist allerdings nichts Neues.






