Der Spielmacher Hannibal Mejbri, 23, vom FC Burnley ist wohl am ehesten derjenige, den man im tunesischen Nationalteam als einen Star bezeichnen würde. Was er sagt, hat Gewicht. Man durfte das also ruhig als Arbeitsauftrag an die Verantwortlichen des heimischen Fußballverbands verstehen, als Hannibal im vergangenen Januar sagte: „Wir hinken zehn Jahre hinterher.“ Tunesien war gerade im Achtelfinale des Afrika-Cups ausgeschieden, die Stimmung an einem Tiefpunkt. Und siehe da: Der Verband reagierte. Es kam ein neuer Trainer, Sabri Lamouchi, der zuvor für Vereine in Frankreich, England und Saudi-Arabien gearbeitet hatte.Sechs Monate und fünf Länderspiele später ist Lamouchi als Nationaltrainer schon wieder Geschichte, und der tunesische Fußball scheint noch ein wenig mehr hinterherzuhinken. Nach dem chancenlosen Auftritt zum WM-Auftakt gegen Schweden, als die Tunesier 1:5 verloren, machten schnell Gerüchte über einen Rauswurf die Runde. Am Dienstagmorgen deutscher Zeit kam dann die Bestätigung: Bereits zum zweiten Mal entlässt Tunesien während einer Fußballweltmeisterschaft den Trainer. 1998 hatte der Pole Henryk Kasperczak eine 0:1-Niederlage im zweiten Gruppenspiel gegen Kolumbien nicht überstanden.LiveFußball-WM 2026:„Desaster“ und „Unterdrückung“: Iraner kritisieren FifaNach dem 2:2 gegen Neuseeland darf die Mannschaft nicht wie geplant in den USA bleiben – danach entlädt sich die Wut darüber. Tunesien tauscht seinen Trainer nach nur einem Spiel.Zuletzt gab es einen solchen Fall bei einer WM vor acht Jahren: 2018 wurde der spanische Nationaltrainer Julen Lopetegui nach zwei Spielen in der Vorrunde entlassen, trotz eines Sieges und eines Remis. Der Grund: Lopetegui hatte ohne das Wissen des spanischen Verbandes mit Real Madrid über einen neuen Job verhandelt – den er dann auch antrat. So weich dürfte Sabri Lamouchi nicht fallen. Der französische Coach hatte schon vor dem Debakel gegen Schweden nicht unbedingt Eigenwerbung betrieben. Im letzten Testspiel eine Woche vor WM-Start verlor Tunesien 0:5 gegen Belgien. Rückblickend wäre das wohl der bessere Moment gewesen, sich von Lamouchi zu trennen.Die Aufgabe, bei der siebten tunesischen WM-Teilnahme das siebte Vorrundenaus zu verhindern, hat jetzt Hervé Renard übernommen, der zuletzt Saudi-Arabien trainierte. Der 57-jährige Franzose hat bereits Erfahrung mit Teams vom afrikanischen Kontinent. Unter anderem führte er die Elfenbeinküste 2015 zum Gewinn des Afrika-Cups.Die ivorische Nationalmannschaft könnte gewissermaßen das Vorbild für die tunesische Entscheidung gewesen sein. Vor zweieinhalb Jahren entließ die Elfenbeinküste beim Afrika-Cup ihren Trainer nach der Gruppenphase – und Nachfolger Emerse Faé führte das Team anschließend zum Titel. Wird Tunesien jetzt also Weltmeister? Wahrscheinlicher ist, dass auch Renard das Aus in der Vorrunde nicht verhindern wird. Denn in Japan und den Niederlanden kommen die richtig schweren Gegner erst noch auf Tunesien zu.