Der Australier Steve Denneny war nach dem Baden im Meer mit seiner Partnerin und seinem Hund zurück am Strand. Plötzlich ertönte eine schrille Sirene: Haialarm. Denneny ließ seine Drohne aufsteigen. Aus der Luft filmte er einen Weißen Hai, der mehrere Meter lang war, wie Denneny dem Sender Nine News berichtete.Der Rettungsschwimmer Charlie Verco war da schon auf einem Surfbrett an die Stelle geeilt, wo der Hai eine Frau unter Wasser gezogen hatte. „Sie tauchte wieder auf, und der Hai ließ sie los“, so der Vierundzwanzigjährige. „Und in diesem Moment war ich nah genug, um sie zu packen, auf mein Brett zu heben und an Land zu bringen.“Die Haiattacke am Coogee Beach hat die kleine Gemeinde am Rand von Sydney erschüttert. Das Opfer, eine 35 Jahre alte Lehrerin und Mutter eines Säuglings, der sich zur Zeit der Attacke unter Betreuung am Strand aufhielt, kam schwer verletzt ins Krankenhaus. Den Berichten zufolge ist sie an einem Bein schwer verletzt, und die Ärzte amputierten ihr einen Arm. Sie schwebe weiter in Lebensgefahr. Den Berichten nach war sie in dem durch Flaggen abgegrenzten Badebereich zwischen 20 und 30 Metern vom Ufer entfernt geschwommen – und hatte selbst also nicht fahrlässig gehandelt.Der Haiangriff am Samstag hat in Australien abermals eine Diskussion darüber ausgelöst, wie solche Tragödien besser verhindert werden könnten. Schon in den vergangenen Monaten war es vermehrt zu Zwischenfällen in den Küstengebieten bei Sydney gekommen. Allein im Januar meldeten die Behörden vier Angriffe innerhalb von nur 48 Stunden. „Was wir landesweit beobachten, ist ein langfristiger, steigender Trend bei Haiangriffen, einschließlich tödlicher Bisse“, sagte Daryl McPhee, Meereswissenschaftler und Haiforscher an der Bond-Universität in Queensland.Ob die Haipopulation zugenommen hat, ist unter Politikern umstrittenDabei herrscht Uneinigkeit darüber, ob die Haipopulation, wie oft dargestellt, wirklich zugenommen hat. „Nach den neuesten uns vorliegenden Daten aus dem Jahr 2018 ist die Häufigkeit von Haien im Vergleich zu den Sechziger- und Siebzigerjahren leicht gestiegen“, sagte der Regierungschef von New South Wales, Chris Minns. Er widersprach damit seiner für die Haikontrolle zuständigen Landwirtschaftsministerin, der zufolge sich das Verhalten der Tiere geändert habe, aber nicht ihre Anzahl. Der frühere Ministerpräsident Tony Abbott will trotzdem eine höhere Zahl Haie erlegen lassen. „Es ist völlig falsch, dass wir nach Angriffen keine Haie töten“, sagte Abbott.Doch andere widersprechen: „Es ist wirklich tragisch und furchtbar traurig für die arme Frau, die gebissen wurde“, sagte Robert Harcourt, emeritierter Professor für Meeresökologie an der Macquarie-Universität. „Aber weitere Abschüsse werden wahrscheinlich nichts ändern.“ Es wird vermutet, dass die Lücken schnell durch neue Tiere besetzt würden. Dem Fachmann zufolge sind derartige Angriffe zudem „äußerst selten“. Am Coogee Beach soll es seit 100 Jahren keinen tödlichen Haiangriff gegeben haben. Die meisten Attacken in Australien gehen auch nicht auf Weiße Haie, sondern Bullenhaie zurück, die mit Einschränkung gejagt werden dürfen.Drohnen gelten als wichtigster Faktor beim Schutz von SchwimmernAndere sehen die Lösung in einem Ausbau der Hainetze, die es schon an vielen australischen Stränden gibt. Oder sie appellieren an die Bevölkerung, sich an die Vorgaben zu halten und beispielsweise nach starken Regenfällen nicht baden zu gehen. Als womöglich aussichtsreichste Antwort auf das Haiproblem gilt aber die verstärkte Überwachung der Strände mit Drohnen. „Drohnen haben sich als der wichtigste Faktor in der Strategie zum Schutz von Schwimmern und Surfern vor Haien erwiesen“, sagte Steve Pearce, Geschäftsführer von Surf Life Saving NSW. Am Coogee Beach durften wegen der Nähe zum Flughafen von Sydney jedoch keine Drohnen fliegen.Nach dem Haiangriff haben die Behörden die Überwachung nun schon verstärkt. „In den vergangenen 24 bis 36 Stunden waren Einsatzkräfte auf dem Wasser im Einsatz, und Drohnen haben die Luftüberwachung übernommen“, sagte Brent Manieri von Surf Life Saving NSW, einer australischen Organisation, die sich für Sicherheit in Gewässern einsetzt. Er versicherte, dass die Menschen beruhigt an den Strand gehen könnten. Die Familie der schwer verletzten Mutter hat derweil einen Internetaufruf gestartet. Darin bittet sie um Spenden, um der Frau Hilfe bei der Genesung zu geben und mögliche Prothesen zu finanzieren. Bis Dienstag sind dabei schon umgerechnet mehr als 185.000 Euro zusammengekommen.
Haiangriff auf Frau in Australien: Politiker diskutieren über Maßnahmen
Nach dem Angriff eines Hais ringt eine 35 Jahre alte Frau in Sydney um ihr Leben. In den vergangenen Monaten kam es schon zu ähnlichen Vorfällen. Können Drohnen helfen?










