Vozinha stand gerade, blickte tapfer ins Scheinwerferlicht und erklärte seine Tränen. Im grellen Weiß sah man jede Spur, die die 40 Jahre im sowieso schon markanten Gesicht des Torhüters der Kapverden hinterlassen hatten. Wer bei der Fifa als „Man of the Match“ ausgezeichnet wird, muss sich auf ein perfekt ausgeleuchtetes Podium stellen und eine Sponsorentrophäe in der Hand halten. Und wann war die Wahl zum Spieler des Spiels jemals so einfach wie diesmal?Josimar José Évora Dias, genannt Vozinha, war überall, wo die Spanier ihre sieben Torschüsse hinschossen. Er parierte gegen Ferran Torres, gegen Fabián Ruiz, gegen Mikel Oyarzabal, gegen Marc Cucurella, gegen alle. Es war die Leistung seines Lebens.Spanien bei der WM 2026:Der Europameister verzweifelt an einem 40-jährigen KapverdierDie WM hat ihre erste Sensation: Spanien spielt zum Auftakt trotz großer Überlegenheit nur 0:0 gegen Debütant Kapverden. Der Mann des Tages: Torwart Vozinha.Als Schiedsrichter Adham Makhadmeh aus Jordanien abpfiff, eskalierten die beiden blauen Fanblöcke im riesigen Hallenstadion von Atlanta. Jedem war klar, was die Mannschaft hier gerade mit diesem 0:0 gegen den aktuellen Europameister erreicht hatte. Vozinha schnappte sich eine Fahne mit den zehn Sternen, die für die größeren Inseln des Landes stehen, und ging mit seinen Teamkollegen ganz langsam auf die Ehrenrunde. Er hätte auch nicht schneller gekonnt, jeder wollte ihn drücken. Dabei sah man auch, dass ihm die Tränen in die Augen stiegen.„Ich habe wegen meiner Großeltern geweint“, sagte Vozinho später. Er sei bei ihnen aufgewachsen, sie hätten ihm alles bedeutet, aber sie seien vor ein paar Jahren gestorben. Außerdem wegen seiner Mutter, die nicht in die USA reisen konnte, „wegen des Geldes, das man für das Visum hinterlegen muss“. Das habe man nicht rechtzeitig geschafft. Er hätte sie gern dabeigehabt. Um von Kap Verde in die USA zu reisen, muss man seit Januar eine Kaution von 15 000 Dollar hinterlegen.Vozinhas Geschichte ist eine, die die WM manchmal noch schreibt. Er war kein professioneller Fußballer, bis er 25 war. Da verließ er die Inseln, gelangte über Angola, die Republik Moldau, Gil Vicente in Portugal, Zypern und die Slowakei wieder nach Portugal. Dort spielt er aktuell in der zweiten Liga in Chaves im Norden des Landes. Er habe schon daran gedacht, das Nationalteam zu verlassen, aber dann blieb er, wegen des Traums einer Weltmeisterschaft mit seiner Heimat.Die Mannschaft ist gespickt mit Spielern, die die WM auf ungewöhnlichem Weg erreicht haben. Verteidiger Pico – Roberto Lopes, geboren in Irland, kapverdischer Vater –erhielt vom Verband 2018 eine Anfrage über das Netzwerk Linkedin, ob er nicht für die Nationalelf spielen wolle. Linksverteidiger Sidny Lopes Cabral, geboren in Rotterdam, spielte vor zwei Jahren noch bei Rot-Weiß Erfurt in der Regionalliga Nordost, vor einem Jahr bei Viktoria Köln in der dritten Liga. Die Viktoria verfolge er noch gelegentlich, sagte er in Atlanta.Wer aber genau hingesehen hat, der konnte schon ahnen, dass die Tubarões Azuis – die Blauhaie – möglicherweise nicht so klein sind, wie es die Einwohnerzahl vermuten lässt. In der Qualifikation ließen sie Kamerun hinter sich, beim Afrika-Cup 2023 erreichten sie das Viertelfinale, gewannen ihre Gruppe unter anderem vor Mo Salahs Ägypten. „Unsere Stärke ist unsere Einheit“, sagt Vozinha: „Ich hoffe, wir können auch ein Spiel gewinnen, und, wer weiß, in die nächste Runde einziehen.“
Kap Verde bei der WM 2026: Torwart Vozinha zeigt die Leistung seines Lebens
Der 40-jährige Torhüter Vozinha ist der Mann des Spiels beim sensationellen 0:0 der Kapverden gegen Spanien.












