Seit 2017 ist bekannt, dass der Polizist Rainer Jäger (Name geändert) mit Gewalttaten prahlt – zum Beispiel, wenn "Zecken" nach dem 1. Mai nicht mehr laufen können. Ein Disziplinarverfahren stehe kurz vor dem Abschluss, versichert das zuständige Präsidium in Göppingen seit zehn Monaten.

Jeder einzelne Fall sei "einer zu viel!", war im April 2021 in der "Polizei-Zeitschrift Baden-Württemberg" (DPZ) zu lesen. Nachdem diverse Skandale um rechtsextreme Chatgruppen öffentlich geworden waren, ist damals gerade die "Koordinierungsstelle Werte" gegründet worden. Diese stellt sich in dem Heft vor, versichert, ein Problem mit strukturellem Rassismus oder sonstiger Diskriminierung gebe es nicht bei der Polizei. Aber die Messlatte hängt "für uns aufgrund unserer besonderen Stellung als Trägerin des staatlichen Gewaltmonopols und unserer Aufgabe als Demokratieschützerin hoch". Das "Fehlverhalten Weniger" könne "uns alle zu Unrecht in ein falsches Licht rücken", heißt es weiter. Und daher, erklärt Andreas Renner, der federführende Verantwortliche für die gelebte Wertekultur bei der Polizei, "ist es Zeit, den Blick verstärkt nach innen, auf uns selbst, zu richten".

Etwa acht Monate nach dieser Äußerung wurde Renner vom Dienst suspendiert, aktuell muss er sich vor dem Stuttgarter Landgericht gegen den Vorwurf der Bestechlichkeit verantworten: Laut Staatsanwaltschaft soll Renner einer Untergebenen in Aussicht gestellt haben, sie im Auswahlverfahren zu fördern – wobei er dies "mit dem Austausch von Zärtlichkeiten und sexuellen Gefälligkeiten verknüpft haben soll". Als Inspekteur der Polizei (IdP) war Renner der ranghöchste Polizist im Land, der oberste Verantwortliche für Personalfragen und Antidiskriminierungsmaßnahmen. Aber auch weiter unten in der Hierarchie gibt es Skandale, die die Polizei in ein schlechtes Licht rücken – erst recht, wenn die Aufklärung nur schleppend vorangeht.