Es hat sich noch hie und da aus der ersten Regierungszeit Donald Trumps die Vorstellung erhalten, man müsse es nicht so ernst nehmen, wenn der mal wieder eine Ankündigung raushaut. Der Apparat werde das schon geraderücken.In dieser Art haben in Deutschland nicht wenige reagiert, als der amerikanische Präsident ankündigte, die hier stationierten US-Streitkräfte erheblich zu reduzieren: Naja, die beleidigte Leberwurst, mit dem nächsten Post wird er das vergessen haben. Aber das ist bestenfalls Wunschdenken. In der NATO sind durch die Abmeldung von Fähigkeiten bereits Fakten geschaffen worden.Neue PrioritätEs mag sein, dass diese konkrete Ankündigung Trumps tatsächlich eine Reaktion auf eine unbedachte Äußerung von Friedrich Merz über den Irankrieg war. Aber sie entsprach einer veränderten Priorität, die nicht von heute auf morgen kam – und auch nicht nur mit Trump.Die Europäer werden einzelne Fähigkeiten mit eigenen Rüstungsanstrengungen vielleicht näherungsweise selbst abbilden können, aber manche auch nicht, jedenfalls nicht in gleicher Zahl und Qualität. Vor allem aber kommt mit der Präsenzstärke ein weiterer Teil der Glaubwürdigkeit abhanden, mit der die Vereinigten Staaten die europäische Sicherheit zu ihrer eigenen machten, wie es das Beistandsversprechen der NATO eigentlich besagt.