Neue Anklage gegen René Benko: Es geht um Betrug und ein wertvolles JagdgewehrDer gefallene Immobilienmogul muss sich in einem dritten Prozess verantworten, in dem es erstmals um sein Geschäftsgebaren kurz vor der Signa-Pleite geht. Bald könnte zudem das erste rechtskräftige Urteil erfolgen.16.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenRené Benko wird zum dritten Mal der Prozess gemacht, unter anderem wegen Betrugs.Michaela Stache / ReutersSeit bald anderthalb Jahren sitzt der österreichische Milliarden-Pleitier René Benko inzwischen im Gefängnis. Im letzten Herbst wurde er auch ein erstes Mal verurteilt, weil er seiner Mutter kurz vor seiner Privatinsolvenz 300 000 Euro geschenkt hatte. Nach Ansicht des Gerichts hat er damit die Gläubiger geschädigt. Im Dezember folgte ein weiteres Urteil wegen desselben Tatbestands («betrügerische Krida»). Dieses Mal ging es um zwei wertvolle Uhren und mehrere Manschettenknöpfe, die Benko vor seinen Gläubigern versteckt hatte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Beide Entscheide sind noch nicht rechtskräftig. Der Gründer des gescheiterten Immobilienkonzerns Signa befindet sich damit nach wie vor in Untersuchungshaft, die wegen Wiederholungsgefahr bisher stets verlängert wurde. Seine Grundrechtsbeschwerde wegen einer unverhältnismässig langen Inhaftierung schmetterte der Oberste Gerichtshof im Februar mit einer brisanten Begründung ab: Die drei Richter nannten Benko in dem 110 Seiten umfassenden Entscheid eine «tief in der Wirtschaftskriminalität verwurzelte Persönlichkeit». Im Fall einer Entlassung könnte er weitere schwere Straftaten begehen, insbesondere zur Schädigung der Gläubiger.Luxus-Jagdgewehr im Wert von 80 000 Euro verstecktOhnehin könnte die Untersuchungshaft demnächst fliessend in eine Strafhaft übergehen, wie Beobachter gegenüber der «Kronen-Zeitung» vermuteten. In rund zwei Wochen findet vor dem Obersten Gerichtshof in Wien bereits die Berufungsverhandlung im Fall der Zahlung von 300 000 Euro an Benkos Mutter statt. Bestätigen die Richter den Entscheid des Innsbrucker Gerichts vom Oktober, läge eine erste rechtskräftige Verurteilung vor. Die erste Instanz hatte zwei Jahre Haft gegen den 49-jährigen Tiroler verhängt.Es ist allerdings absehbar, dass es nicht dabei bleiben wird. Erst vergangene Woche hat die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) erneut Anklage gegen Benko erhoben. Wie bei den ersten beiden Prozessen geht es dabei um einen Fall von «betrügerischer Krida». Nach den Uhren ist nun eine teure Jagdwaffe Gegenstand des Verfahrens. Benko besass laut dem Waffenregister eine luxuriöse Sammlung, die bei einer Razzia im Sommer 2024 nicht vollständig auffindbar war. Laut der Staatsanwaltschaft soll er eine Scheiring-Doppelbüchse im Wert von 80 000 Euro vor dem Zugriff der Behörden versteckt haben.Der nächste Prozess wird sich aber erstmals nicht nur mit dem Konkurs, sondern auch mit dem Geschäftsgebaren des einstigen Immobilienmoguls befassen. Konkret wirft ihm die Staatsanwaltschaft schweren Betrug vor, weil er einem Investor eine wahrheitswidrige Garantie abgegeben und ihn so um fünf Millionen Euro geschädigt habe.Laut der Anklageschrift, aus der österreichische Medien zitieren, geht es um Hans Peter Haselsteiner, Freund Benkos und Grossinvestor der Dachgesellschaft Signa Holding. Der Gründer des Baukonzerns Strabag schoss im November 2023 noch 3,3 Millionen Euro in das Unternehmen ein und verzichtete auf eine Forderung von über 1,7 Millionen Euro. Die Gelder waren für die Rettung der Signa-Tochter Sportscheck gedacht, die allerdings kurz darauf Insolvenz anmelden musste. Benko garantierte notariell beglaubigt eine Rückzahlung bis Ende Juni 2024, wozu es nie kam.Sein Anwalt bestreitet die Darstellung vehement und erklärte, Haselsteiners Stiftung habe damals lediglich eine bestehende und bereits überfällige Forderung beglichen. Das Scheiring-Jagdgewehr sei gar nie im Eigentum Benkos gestanden, er könne es damit auch nicht der Konkursmasse entzogen haben.Spiegelte Benko falsche Tatsachen vor?Wann der dritte Prozess zur Klärung dieser Fragen stattfinden soll, ist noch offen. Aber die Signalwirkung ist gewiss. Denn im Fall Haselsteiner geht es um einen zentralen Vorwurf für die Zeit vor dem Konkurs des Signa-Imperiums: Hat Benko seinen Geldgebern eine wirtschaftliche Situation vorgetäuscht, von der er längst wusste, dass sie nicht mehr den Tatsachen entspricht?Diese Anschuldigung steht auch für andere Verfahrensstränge im Raum. Unter anderem werfen die Ermittler Benko vor, einem Investor im September 2022 ein Darlehen von 250 Millionen Euro entlockt zu haben. Er habe die Rückzahlung innerhalb von Wochen versprochen, obwohl ihm die Schwierigkeiten des Konzerns damals schon bewusst gewesen sein mussten. Er habe deshalb in betrügerischer Absicht gehandelt, glaubt die Staatsanwaltschaft.Insgesamt sind es rund ein Dutzend Verfahrenskomplexe, in denen die WKStA ermittelt oder bereits Anklage erhoben hat. Weitere könnten noch folgen. Allein die strafrechtliche Aufarbeitung der grössten Pleite in der österreichischen Geschichte wird damit noch viele Jahre dauern. Das schrittweise Vorgehen mit Prozessen zu Teilaspekten wird von Experten jedoch gelobt. In der Vergangenheit hatte die Justiz weitverzweigte Wirtschaftsverfahren oft in überfrachteten Mammutprozessen abgehandelt. Es dauerte so jeweils unverhältnismässig lange bis zu einem rechtskräftigen Urteil. Im Fall Benko dürfte ein solches dagegen schon bald vorliegen.Passend zum Artikel