Spargelanbau ist für Landwirte ein Risikogeschäft, schließlich kann sich die Abhängigkeit vom Wetter positiv wie negativ auf den Ertrag auswirken. Durch den höheren Mindestlohn und die enorm gestiegenen Spritpreise müssen die Spargelbauern auch mit höheren Kosten rechnen, zumal bei den Dumpingpreisen für ausländischen Spargel in den Supermärkten. Jutta Benz vom gleichnamigen Spargelanbaubetrieb in Darmstadt-Arheilgen kennt diese Sorgen. Die Kriege in Iran und in der Ukraine und die damit verbundenen Preissteigerungen für Energie waren in diesem Jahr keine guten Voraussetzungen. Deshalb habe sie damit gerechnet, dass sich die Verbraucher mit dem Kauf eher zurückhalten würden, doch insgesamt habe sich Spargel trotz aller Bedenken gut vermarkten lassen.Die Wetterkapriolen waren hingegen problematisch. Entweder war es zu kalt und zu nass oder, wie über Pfingsten, zu heiß, hört man von den Anbauern. Bei Hitze hätten Verbraucher keine Lust auf Spargel, bei Kälte eigentlich auch nicht. Dass die letzten Tage der Spargelsaison noch einmal sonnig und heiß werden sollen, bewirkt laut Jutta Benz nur noch wenig. „Bis die Wärme an den Wurzeln im kalten Boden ankommt, ist die Saison vorbei“, sagt sie.Spargelanbau: „Saison so unbeständig wie das Wetter“Der Verband der südhessischen Spargel- und Erdbeeranbauer sieht das ähnlich. Die Spargelsaison sei „so unbeständig wie das Wetter“ gelaufen, bilanziert Sprecherin Chantal Wendel, die selbst Spargel anbaut. Angebot und Nachfrage sieht sie dabei im Einklang. Die Preise hätten sich auf Vorjahresniveau stabilisiert und seien wegen der niedrigen Temperaturen bei entsprechend knappem Angebot zeitweise sogar etwas über die von 2025 gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden in Hessen mehr als 6000 Tonnen Spargel auf einer Fläche von etwa 1350 Hektar geerntet. Dieses Jahr dürfte die Menge etwas geringer sein, auch die Fläche hat sich reduziert.Wegen der Risiken im Spargelanbau geben Landwirte seit einigen Jahren Spargelflächen auf. Wendel etwa bemängelt den starken Anstieg der Produktionskosten und den Preisdruck im Handel. Der Verband der südhessischen Spargel- und Erdbeeranbauer fordert deshalb, den Zugang zur Saisonarbeit für die Landwirtschaft zu erleichtern und ausländische Saisonarbeitskräfte, die nur wenige Wochen in Deutschland arbeiten, vom Mindestlohn auszunehmen und ihnen so den Zugang zur Arbeit in der Landwirtschaft zu erleichtern.Viele Spargelbauern vermarkten parallel auch Erdbeeren. Die Saison sei ähnlich wie bei den Spargelbauern ausgefallen, berichtet Jutta Benz. Bei der kühlen und nassen Witterung sei das Angebot zum Selbstpflücken nicht wie gewünscht angenommen worden, ansonsten seien die Erdbeeren aber gut verkauft worden. Sollten die nächsten Tage sehr heiß werden, sieht Benz das Ende der Erdbeersaison für ihren Betrieb bereits in den letzten Junitagen kommen.Von einem guten Erdbeerjahr mit hervorragenden Qualitäten spricht Chantal Wendel. Die stark gesunkenen Preise für heimische Erdbeeren in den Discountern sieht sie hingegen als Wermutstropfen. Die Dumpingpreise hätten jegliche Regeln von Angebot und Nachfrage aus den Angeln gehoben. Dauerhaft zu niedrige Preise könnten den gleichen Effekt wie bei den Spargelbauern auslösen, zu einer Reduzierung der Ernteflächen führen und so mittelfristig ein Angebotsproblem schaffen.Um die Ernte auch für Selbstpflücker zu erleichtern, gehen immer mehr Erdbeeranbauer zu einer neuen Anbaumethode über. Die Erdbeeren werden nicht mehr direkt in den Boden gesetzt, sondern auf Gestellen angepflanzt, damit sie gepflückt werden können, ohne sich bücken zu müssen.
Bauern beklagen durchwachsene Spargelsaison
Nächste Woche endet die Spargelsaison. Für die südhessischen Spargelanbauer war es eine Saison mit Höhen und Tiefen. Unter dem Strich sind sie jedoch zufrieden.
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