Ein athletischer Mann ohne ein sichtbares Gramm Fett steht an der Spitze des Dresdner Rathauses und schaut trübsinnig. Nicht über die Stadt mit ihrer noch immer reichen Architektur, dem grünen Band der Elbe, der am Horizont grüßenden Formationen der Sächsischen Schweiz oder die im Norden als grauer Block drohende Chip-Industrie, die den Einwohnern das Trinkwasser streitig und überdies teuer macht.
Nein, der Nackte, und es ist nicht der Oberbürgermeister, schaut auf sein Füllhorn. Auch Baubürgermeister Stefan Kühn (Grüne) schaut interessiert darauf. Denn vor dem Füllhorn flattern jeweils ein Fünfzig-, ein Zwanzig- und ein Zehn-Euro-Schein in der Luft. „Fliegen die rein oder raus?“, fragt er den neben ihm sitzenden Architektur-Professor Jürg Sulzer aus der Schweiz. Und dann einigen sich die beiden flüsternd, wie sie sich anschließend im Podium die Bälle beim von ihnen favorisierten Rückbau der Petersburger Straße zuwerfen.
Die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden lud zur Jahrestagung ein.
© Peter Chemnitz
Ein Thema, zu dem Kühn zwar viel zu sagen hätte, aber es nicht mehr darf. Er habe einen Maulkorb erhalten, sagt der auch für Stadtentwicklung, Verkehr und Liegenschaften Zuständige. Und auch seiner Verwaltung sei untersagt worden, weiter zu planen. Denkverbote also.






