Die offenen Fragen in Trumps Iran-Deal lösen in den USA Skepsis ausDer amerikanische Präsident setzt darauf, dass die Inflation nach der Öffnung der Strasse von Hormuz sinkt. Dennoch ist das Rahmenabkommen mit Teheran innenpolitisch nicht leicht zu verkaufen.15.06.2026, 19.06 Uhr4 LeseminutenDonald Trump präsentiert seine Einigung mit Iran als durchschlagenden Erfolg und erklärt, Teheran werde der Weg zur Atomwaffe für immer verbaut.Bonnie Cash / ImagoDreieinhalb Monate nach seinem Angriff auf Iran hat sich Donald Trump mit dem Mullah-Regime in Teheran auf einen Waffenstillstand und ein Rahmenabkommen zur Beendigung des iranischen Atomprogramms geeinigt. Die Vereinbarung kam nach zähen Verhandlungen unter der Vermittlung Pakistans und Katars und nach einem Nervenkrieg am späten Sonntagabend zustande. Die Übereinkunft, die bereits elektronisch besiegelt worden ist und am Freitag in Genf offiziell unterzeichnet werden soll, löste weltweit erleichterte Reaktionen aus. In Washington meldeten sich am Montag aber auch skeptische Stimmen zu Wort, zumal wichtige Fragen offenbleiben.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Lasst das Öl fliessen!»Trump selber feierte das Verhandlungsergebnis als Erfolg und verkündete, dass die von Iran blockierte Strasse von Hormuz zunächst zur Räumung von Seeminen und dann für die kommerzielle Schifffahrt geöffnet werde. Auch die amerikanische Seeblockade iranischer Häfen soll beendet werden.«Schiffe dieser Welt, startet eure Motoren, lasst das Öl fliessen!», schrieb Trump auf seinem Netzwerk Truth Social. Die Aktienmärkte reagierten euphorisch auf die sich abzeichnende Öffnung der wichtigen Handelsroute. Der Ölpreis, der im Zuge des Kriegs explodiert war und die Inflation angeheizt hatte, gab nach.Der genaue Text des Abkommens wurde zunächst nicht veröffentlicht. Beide Seiten nutzten dieses Informationsvakuum, um das Verhandlungsergebnis in einem für sie möglichst günstigen Licht erscheinen zu lassen. Die kurzfristig wichtigsten Folgen der Vereinbarung sind die Öffnung der Strasse von Hormuz sowie das Ende aller militärischen Aktivitäten in allen Kriegsgebieten. Einbezogen ist damit auch Libanon, wo ein Vergeltungsschlag Israels gegen die Hizbullah-Miliz am Sonntag die Übereinkunft akut gefährdet hatte und wo ein Wiederaufflammen der Gewalt das Abkommen erneut torpedieren könnte.Vorderhand schafft das Rahmenabkommen bloss die Rückkehr zu den Verhältnissen vor Beginn des Kriegs. Doch während des 60-tägigen Waffenstillstands sollen die beiden Seiten Gespräche auf technischer Ebene führen. Dort wird es um die Modalitäten der Beendigung des iranischen Atomprogramms sowie um die Lockerung der Sanktionen gegen Iran und die Freigabe blockierter Vermögenswerte gehen. Die härtesten Verhandlungsrunden stehen also noch bevor. Von der Befreiung des iranischen Volks aus dem Griff des Mullah-Regimes oder von dessen bedingungsloser Kapitulation ist bei Trump anders als zu Beginn des Kriegs keine Rede mehr.Die iranische Nachrichtenagentur Mehr veröffentlichte eine Zusammenfassung des Abkommens nach der Lesart Teherans. Danach enthält die Einigung vierzehn Punkte. Diese sollen neben einem Waffenstillstand unter anderem auch ein amerikanisches Bekenntnis umfassen, sich nicht in die inneren Angelegenheiten Irans einzumischen.Weiter sollen die USA substanzielle Wiederaufbauhilfe für Iran zugesagt haben sowie ein Ende der Sanktionen gegen iranische Öl- und Energieprodukte. Iran bekräftigt seinen Verzicht auf Atomwaffen, während sich die USA verpflichtet haben sollen, ihre Truppen in der Region nicht aufzustocken und keine neuen Sanktionen gegen Iran zu erlassen.Vergleiche zu Obamas DealAus der Sicht Washingtons ist vor allem der iranische Verzicht auf Atomwaffen von Bedeutung. Laut amerikanischen Angaben hat Iran eingewilligt, die Hälfte seines Vorrats an hochangereichertem Uran aufzugeben, während die andere Hälfte so stark verdünnt werden soll, dass sie für militärische Zwecke nicht mehr gebraucht werden könnte. Wie dieser Prozess aber genau ablaufen soll, bleibt unklar.In einem Interview mit dem «Wall Street Journal» betonte Trump, es bestehe keine Dringlichkeit, die Uranvorräte zu bergen. «Wir werden den nuklearen Staub später holen, sobald wir bereit sind, reinzugehen. Ich würde sagen, vielleicht im nächsten Monat oder so.» Weiter erklärte Trump, es werde strenge Inspektionen geben, ohne diese näher zu erläutern. Die schrittweise Aufhebung der Sanktionen gegen Iran sei an die Erfüllung der iranischen Zusagen gekoppelt: «Wir werden sehen, ob sie sich benehmen.»Können sich die USA und Iran in den nächsten zwei Monaten nicht einigen, ist eine Rückkehr zum Krieg denkbar. Trump dürfte darauf aber wenig Lust verspüren. Vielmehr wird er darauf hoffen, dass sich die Einigung dämpfend auf die Benzinpreise auswirkt und die Inflation bremst, die im Mai auf 4,2 Prozent geschnellt war. Der in der Bevölkerung unbeliebte Iran-Krieg und seine wirtschaftlichen Folgen haben die Chancen der Republikaner bei den Zwischenwahlen im November merklich verschlechtert.Die Ergebnisse von Trumps weiteren Verhandlungen mit Iran dürften im Wahlkampf zu Vergleichen mit dem Atomabkommen führen, das Barack Obama im Jahr 2015 mit Teheran ohne kostspieligen Krieg ausgehandelt hatte. Entsprechend barsch wies der Präsident den demokratischen Senator Jack Reed zurecht, der einen solchen Vergleich bereits zog. Obamas Deal sei ein direkter Weg zur iranischen Atombombe gewesen, sagte Trump, sein Deal hingegen verbaue den Iranern den Weg zu Atomwaffen für immer.Doch auch viele Falken in den Reihen der Republikaner sind skeptisch. Der Senator Lindsey Graham aus South Carolina erklärte, er sei angesichts der unterschiedlichen Interpretationen des Deals aus Teheran und Washington besorgt. Zudem forderte er den Vizepräsidenten J. D. Vance auf, die Übereinkunft vor dem Kongress zu präsentieren. Auch Laura Loomer, die als rechte Influencerin über viele Anhänger in der Maga-Bewegung verfügt, teilte Trumps Optimismus nicht: «Ich werde dem Wort der Jihadisten nie trauen.»Passend zum Artikel