Geburtstagsanrufe gehören zum diplomatischen Geschäft. Auch die Büros von Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj werden sich schon vor Monaten in ihren durchgetakteten Kalendern den 80. Geburtstag Donald Trumps mit rotem Stift angemalt haben. Beide Staatschefs nutzten die Gelegenheit, um kurz vor dem G7-Gipfel ihre Sicht auf den Ukraine-Krieg zu platzieren. Denn sowohl in Moskau als auch in Kiew ist man überzeugt, dass die nächste wichtige Entscheidung derzeit nicht an der Front zu suchen ist, sondern in Washington.
Dem gewohnten Ukraine-Beobachter ist überaus schnell aufgefallen, wie unterschiedlich die beiden Seiten ihre Gespräche mit dem US-Präsidenten nach außen darstellten. Selenskyj sprach von einem „sehr ausführlichen Gespräch“ über Frieden, Diplomatie und die nächsten Schritte. Man habe erörtert, „wie ein gerechter und dauerhafter Frieden erreicht werden kann“, schrieb der ukrainische Präsident auf X. Zudem sei vereinbart worden, die Gespräche beim G7-Gipfel in Frankreich fortzusetzen. Die Botschaft dahinter: Kiew will Trump – mal wieder – möglichst eng an die Position der Ukraine und ihrer europäischen Verbündeten binden.
Putin will zurück zum „Geist von Anchorage“
Der Kreml setzte andere Akzente. Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow erklärte nach dem 55-minütigen Telefonat, Trump habe gesagt, eine Beendigung des Krieges sei „äußerst wichtig“ und er wolle dabei helfen. Der Kremlchef wiederum habe betont, Russland sei weiterhin bereit, „nach politischen und diplomatischen Lösungen zu suchen“. Zugleich habe der russische Präsident beklagt, die ukrainische Führung und mehrere europäische Staaten seien nach seiner Auffassung eher auf eine Fortsetzung des Konflikts als auf Verhandlungen ausgerichtet. Eben jene Passage dürfte einer der eigentlichen Gründe für das Telefonat gewesen sein.










