Herr Sagel, gut vier Jahre ist es her, dass Deutschland die Zeitenwende ausgerufen hat, aber die Bundeswehr ist noch immer ziemlich blank. Wann liefert die Rüstungsindustrie?Es stimmt: Die Bundeswehr ist heute schlechter aufgestellt als vor vier Jahren, vor Kriegsbeginn in der Ukraine. Das ist aber temporär, weil viele alte Systeme abgegeben wurden, das muss natürlich erst einmal kompensiert werden. Mit der Rede des amerikanischen Vizepräsidenten J. D. Vance bei der Münchner Sicherheitskonferenz vor anderthalb Jahren hat aber jeder in Europa verstanden, dass wir jetzt etwas tun müssen für unsere eigene Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeit. Deutschland ist auf dem richtigen Weg, aber es dauert, bis aus den Bestellungen tatsächlich Gerät wird, das in der Truppe verfügbar ist.Lange hieß es aus der Branche, es gebe nicht genug Planungssicherheit, die Politik müsse sich erst mal über die Bedarfe klar werden. Das ist also vorbei?Natürlich wäre es schön, zu wissen, wie viele Getriebe exakt man in den nächsten 20 Jahren jeweils produzieren soll. Aber es liegt in der Natur der Sache, dass das nicht möglich ist. Wir fühlen uns von der Bundeswehr und den großen Herstellern wie Rheinmetall gut darüber informiert, was benötigt wird. Wir arbeiten mit Szenarien, auch ohne feste Rahmenverträge. Wir haben ja keine Planwirtschaft in Deutschland, wo auf 10 Jahre hinaus die Stückzahlen vorgegeben werden. Die Rüstungsindustrie darf das auch nicht erwarten, denn das wird schon allein wegen der Innovationszyklen nicht gehen.