Mit einem Frieden zwischen USA und Iran wird ein deutscher Hormuz-Einsatz wahrscheinlicherDonald Trump feiert das Abkommen, das am Freitag mit Iran in der Schweiz unterzeichnet werden soll, als Erfolg. Deutschland begrüsst die Entspannung – und bereitet sich zugleich auf einen möglichen Einsatz der Bundeswehr vor.Armin Arbeiter, Berlin15.06.2026, 12.05 Uhr4 LeseminutenDas Minenjagdboot «Fulda» befindet sich bereits im östlichen Mittelmeer.Gregor Fischer / Getty Images EuropeDie Einigung zwischen den USA und Iran auf einen Waffenstillstand hat die Lage an den Energiemärkten sofort entspannt. Der Preis für Brent, die wichtigste europäische Referenzsorte für Rohöl, fiel nach Bekanntwerden der Einigung um gut 4 Dollar auf 83,68 Dollar je Fass. Das zeigt, dass die Märkte wieder mit einer Öffnung der Strasse von Hormuz rechnen. Am Freitag wollen die USA und Iran das vorläufige Abkommen in der Schweiz formalisieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nach bisher bekannten Angaben sieht der Entwurf zwischen Washington und Teheran vor, dass Iran die Strasse von Hormuz wieder für Handelsschiffe öffnet. Zugleich sollen die USA ihre Blockade iranischer Häfen aufheben. Die Umsetzung soll schrittweise erfolgen. Die strittigen Fragen des iranischen Atomprogramms und möglicher Lockerungen von Sanktionen sollen erst in weiteren Verhandlungen geklärt werden. Die Einigung beendet damit nicht alle Konflikte. Sie schafft aber einen Rahmen, in dem eine internationale Sicherung der Schifffahrt wieder denkbar wird.Für die deutsche Wirtschaft bedeutet das zunächst Entlastung. Zwar bezieht Deutschland nur wenig Rohöl direkt aus dem Nahen Osten. Die Blockade der Strasse von Hormuz hat die Energiepreise aber weltweit verteuert. Zudem sind seit Beginn des Kriegs nach Angaben der deutschen Schifffahrtsbranche rund 30 Schiffe deutscher Reedereien im Persischen Golf betroffen. Viele können die Passage derzeit nicht nutzen.Solange Reeder und Versicherer nicht sicher sind, ob die Route frei von Minen oder anderen Gefahren ist, reicht eine politische Erklärung zur Öffnung der Meerenge nicht aus.Merz zeigt sich entschlossenHält die Entspannung zwischen den USA und Iran, hätte das auch Folgen für die politische Lage in Deutschland. Bundeskanzler Friedrich Merz begrüsste die Einigung als diplomatischen Durchbruch. Deutschland erklärte sich gemeinsam mit Frankreich, Grossbritannien und Italien «entschlossen», die Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs durch die Strasse von Hormuz zu unterstützen. Berlin verbindet dies aber mit Bedingungen. Die wichtige Route müsse dauerhaft und uneingeschränkt für die freie Schifffahrt geöffnet werden. Iran müsse sein militärisches Nuklearprogramm überprüfbar beenden. Zudem dürfe es keine weiteren Angriffe auf Israel und andere Staaten in der Region geben.Damit wird ein multinationaler Einsatz wahrscheinlicher. Die Bundesregierung hatte einen möglichen deutschen Beitrag an einer multinationalen Mission bisher an drei Voraussetzungen geknüpft: ein Ende der Kampfhandlungen, eine belastbare völkerrechtliche Grundlage und ein Mandat des Bundestags. Die erste Bedingung ist durch die Einigung näher gerückt. Die beiden anderen bleiben offen. Für eine Mission denkbar wären ein europäischer Rahmen, eine multinationale Koalition oder ein Mandat mit breiterer internationaler Grundlage. Ein UN-Mandat wäre politisch am stärksten, ist aber nicht die einzige mögliche Form.Deutschland hatte sich bislang vor allem mit seinen Fähigkeiten zur Räumung von Seeminen ins Spiel gebracht. Anfang Mai wurden das Minenjagdboot «Fulda» und das Versorgungsschiff «Mosel» ins östliche Mittelmeer geschickt. Das Verteidigungsministerium begründete die Verlegung damit, mögliche deutsche Beiträge für eine Mission näher am Einsatzraum bereitzuhalten. Minenjagdboote können Seeminen suchen, identifizieren und entschärfen. Dafür nutzen sie Sonar, ferngelenkte Systeme und spezialisierte Minentaucher.Militärische Risiken bleibenNeben Minenräumung könnte Deutschland auch andere Fähigkeiten in eine mögliche Mission einbringen. Mit dem Seefernaufklärungs- und U-Boot-Jagdflugzeug P-8A Poseidon könnte die Bundeswehr ein weitreichendes maritimes Lagebild liefern. Das Flugzeug ist für die Überwachung grosser Seegebiete ausgelegt und hat laut Bundeswehr einen Einsatzradius von 2225 Kilometern.Militärisch bleiben die Risiken erheblich. Scheitert der politische Prozess, könnte auch die Lage in Hormuz wieder kippen. Selbst wenn Washington und Teheran die Waffenruhe einhalten, können Zwischenfälle im Libanon, im Roten Meer oder am Golf die Lage erneut verschärfen. Für eine deutsche Mission wäre das relevant, weil ein Minenabwehreinsatz kaum isoliert von der regionalen Sicherheitslage betrachtet werden kann. Ein Zwischenfall mit iranischen Kräften, Milizen oder bewaffneten Drohnen könnte aus einer defensiven Mission rasch eine politisch schwer kontrollierbare Operation machen.Diese Risiken wären Teil jeder Einsatzplanung. Es ginge nicht um einen Kampfeinsatz gegen Iran, sondern um eine defensive Mission zum Schutz eines internationalen Seewegs. Sollte die Lage wieder eskalieren, müssten Minenräumverbände vor möglichen Angriffen geschützt werden können. Dazu wären weitere Fähigkeiten nötig, etwa Aufklärung, Abwehr von Drohnen- und Raketenangriffen, elektronische Überwachung und Versorgung.Ein möglicher Bundeswehreinsatz hätte deshalb nicht nur eine sicherheitspolitische, sondern auch eine wirtschaftspolitische Begründung. Die Bundesregierung könnte ihn als Beitrag zur Stabilisierung von Energiepreisen, Lieferketten und Handelswegen präsentieren. Das wäre für die Mandatsdebatte im Bundestag wichtig. Ein Einsatz zur Minenräumung und Sicherung freier Schifffahrt ist leichter zu vermitteln als eine Beteiligung an einer amerikanischen Iran-Politik.Deshalb dürfte die Bundesregierung zunächst prüfen: Hält die Waffenruhe? Öffnet Iran die Meerenge von Hormuz tatsächlich? Gibt es Hinweise auf Minen oder andere Gefahren für Handelsschiffe? Kehren Reeder und Versicherer zurück? Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, dürfte Berlin dem Bundestag ein Mandat vorlegen.Passend zum Artikel