Wo immer und wann immer sie auftaucht, haften alle Blicke auf ihr. Eine nachtblaue Segelyacht, Proportionen so klar und windschnittig wie ein Flugzeug, mit drei Masten, die strahlengleich in den Himmel ragen. Wer im Sommer seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort zwischen Ibiza Magna, Port Hercule und Marina Grande auf Capri hat, weiß sofort, dass er es mit einer Legende zu tun hat, mit der Maltese Falcon.Schon bei ihrem Stapellauf vor 20 Jahren war sie eine Sensation. Der 88 Meter lange, über tausend Tonnen schwere Clipper fährt die 2400 Quadratmeter Tuch an den frei stehenden Masten in sieben Minuten automatisch aus beziehungsweise wieder ein. Nirgends baumelt Takelage, kein Matrose muss mehr in die Wanten steigen.Die Technik geht auf den deutschen Schiffbauingenieur Wilhelm Prölß zurück, dem schon Ende der Sechzigerjahre dämmerte, dass Frachter im 21. Jahrhundert aus ökologischen und ökonomischen Gründen wieder mit Segeln und wenig Crew fahren müssen. Seine Idee blieb Theorie, da Material und Technik noch nicht weit genug waren – und das Öl viel zu billig. Viel toxischer Rauch und sehr viel verbranntes Altöl wären der Welt erspart geblieben, wenn diese Idee nicht versandet wäre.Das Segel kommt aus dem MastDoch erst der amerikanische Risikokapitalpionier Tom Perkins erkannte, dass Carbonfasern, Hydraulik und moderne Steuerungssysteme dieser Vision Leben einhauchen können. Praktischerweise hatte Perkins auch die dazu nötigen Mittel.Und so ist die Maltese Falcon nicht nur eine Super- sondern auch eine Segelyacht. Eine, die Wort hält: Allein mit der Kraft des Windes fliegt sie auch über weite Distanzen. Innen fühlt sie sich wie ein geräumiges Raumschiff an, sie liegt zwar unendlich anmutig im Wasser, aber man kann, wenn es sein muss, mit ihr auch hart am Wind segeln und eine Regatta gewinnen.Die Segel der Maltese Falcon ruhen in den Masten - sieben Minuten dauert es, bist sie ausgerollt sind.baliDie Maltese Falcon kostete weit über hundert Millionen Dollar, 2006 war sie fertig – und schon kurze Zeit später stand sie zum Verkauf. Perkins hatte die größte und technisch avancierteste Segelyacht der Welt gebaut und trennte sich von ihr. Warum? Gründer und Macher sind Getriebene, heißt es, sie verlieren schnell das Interesse, wenn sie etwas erreicht haben. Die griechische Hedgefondsmanagerin Elena Ambrosiadou übernahm das Schiff 2009. Seit einigen Jahren gehört es der italienischen Pharmaunternehmerfamilie Rovati, und die ist jetzt eine exklusive Partnerschaft mit der Hotelkette Jumeirah eingegangen.Anspruchsvolle und anstrengende KundenHistorisch betrachtet ist das sogar schlüssig: Die glanzvolle Geschichte des emiratischen Hotelkonzerns ist ebenso jung wie die der Maltese Falcon. 1999 eröffnete Jumeirah das Burj al Arab, ein Hotel in Form eines aufgeblähten Segels, das immer noch als Erkennungszeichen der Golfmetropole gilt, obwohl es längst von viel größeren und protzigeren Hotels in den Schatten gestellt wird.Jumeirah gehört der Herrscherfamilie von Dubai, den Al Maktums, und zählt mittlerweile 26 Luxushotels überall dort auf der Welt, wo es schön und teuer ist.Sogar unter Deck ist es auf der Maltese Falcon taghell: Blick zum Mast.JumeirahAuf Mallorca thront das Jumeirah hoch über der Bucht von Port de Sóller, das Haus auf Capri residiert an der besten Adresse in Anacapri. Von diesen beiden Hotels im Mittelmeer werden die Gäste der Maltese Falcon umsorgt, denn die Segelikone ist seit Kurzem Teil der Jumeirah Privé Collection, des exklusivsten Teils des Portfolios, der nur noch wenigen offensteht, nämlich den sogenannten Ultra-High-Net-Worth-Kunden. Von denen gibt es allerdings immer mehr, wie auch die ukrainischen, russisch-türkischen und saudischen Luxusreiseveranstalter, die an Bord geladen waren, bestätigen. Die Kunden seien anspruchsvoll, um nicht zu sagen: anstrengend, aber es boomt am oberen Ende. Apropos: Der Preis für die Segellegende liegt bei 800.000 Euro – für sieben Nächte, für nicht mehr als ein Dutzend Passagiere – Piano, Spa und Weinkeller sind inklusive.