It-Piece für Marketinghipster: Becher der Kaffeekette LAP Coffee
Anonyme Hassblogs, Farbschmierereien an den Ladengeschäften, Persiflagen auf Social Media: Seit die Kaffeekette LAP Coffee in immer mehr deutschen Metropolen Einzug hält, wächst die Welle des öffentlichen Missmuts. Tenor der Kritik: Die Läden mit dem auffälligen indigoblauen Logo seien ein peinliches Symbol der Gentrifizierung – weil sie mit vergleichsweise günstigem Kaffee (Cappuccino für 2,50 Euro) alteingesessenen Kiezcafés das Geschäft vermiesen.
Nun muss man mal in einem der Läden gewesen sein, um zu wissen, dass sich bei LAP Coffee hauptsächlich Ende-20-jährige Marketinghipster ihr aktuelles Lieblings-In-Getränk holen – so was wie einen schwer instagrammable, aber grauslich schmeckenden „Strawberry Cloud Matcha“. In den Läden wird oft auf Englisch bestellt, im Hintergrund läuft Minimal Techno, vielleicht trifft man in der Schlange den Padelpartner, der offenbar auch im Alltag hochgezogene Tennissocken, Hoodie und Sprüche-Cap trägt.
So in etwa muss man sich die Klientel von LAP Coffee vorstellen. Hier geht es nicht um Baristakunst (der Kaffee kommt aus dem Vollautomaten), erst recht nicht um gemütliche Kaffeehauskultur (kaum Sitzgelegenheiten, Service nur an der To-go-Theke). Die Kette der Start-up-erfahrenen Seriengründer Ralph Hage (37) und Tonalli Arreola (37) funktioniert eher nach den Regeln der digitalen Aufmerksamkeitsökonomie: Ein Allerweltsprodukt wie Kaffee wird mit auffälligem Design und aggressiver Social-Media-Strategie (US-Rapper Kanye West war auch schon da) zu einer Lifestyle-Brand aufgebauscht, deren Erfolgsgeheimnis auch darin begründet ist, dass alle dazu eine Meinung entwickeln können.






