Mal ehrlich: Es gibt nicht viele Gelegenheiten, die schwere Wachsjacken, Gummistiefel und Schiebermützen als Garderobe erfordern. Im windigen schottischen Hochmoor ist die Kluft vielleicht sinnvoll – im deutschen Großstadtdampf schwitzt man darin viel zu schnell. Und dennoch sind in den Matcha-Latte-Vierteln der Republik momentan so viele in Balmoral-Gedächtnislooks unterwegs, dass man sich bisweilen fragt, ob Marketingmanagerinnen und Start-up-CFOs doch öfter auf die Jagd gehen als zum Pilates.

Nu-Country, wie der Look in der Modefachsprache heißt, boomt. Unter den aktuellen Kollektionen der großen Modehäuser sind überdurchschnittlich viele Outfits vertreten, die für ein Wochenende auf dem Familienlandsitz genauso geeignet scheinen wie für den Besuch im gehypten Bao-Bun-Laden. Burberry zeigte zuletzt wadenlange Schottenröcke auf dem Laufsteg, Loro Piana setzt auf Tweedwesten und Reitstiefel für Männer wie Frauen, und selbst die hippe japanische Luxusmarke Sacai schlägt eine Art Försterponcho als modisch ambitionierten Regenjackenersatz vor.

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Nu-Country im Trendradar

Wie kommt’s? Die neue Vorliebe für Wind-und-Wetter-Looks dürfte auch von Emerald Fennells (40) Adaption des Brontë-Dramas „Wuthering Heights“ inspiriert sein, die im Februar im Kino anläuft. Der Film beschwört einmal mehr die düstere Romantik fataler Lebensentscheidungen vor sturmumtosten englischen Steilküsten. Ganz nach dem Motto: Wenn schon leiden, dann wenigstens mit rosigem Frischluftteint – und hoffentlich einem wetterfesten Mantel um die Schultern.