PfadnavigationHomeICONISTModeMode-RatgeberKein Kleidungsstück zelebriert Unentschlossenheit so sehr wie die ÜbergangsjackeVeröffentlicht am 11.04.2026Lesedauer: 6 MinutenZwischen Frühling und Wetterchaos: Die Übergangsjacke als treuer Begleiter im AprilQuelle: Getty Images/Moritz ScholzVor allem die Deutschen lieben sie – zwischen Winter und Frühling hat die Übergangsjacke ihren großen Auftritt. Nicht nur ihr Name hat sein altmodisches Image abgeschüttelt, wie die aktuellen Modelle zeigen.Wenn es einen Rebellen unter den Monaten gibt, dann ist es der April. Es ist ihm völlig egal, dass er offiziell zum Frühling gehört, er liefert Wetterchaos pur, oder, um es mit Heinrich Seidel zu sagen: „Heut Frost und gestern Hitze/heut Reif und morgen Blitze“. Sein modisches Pendant findet der kalendarische Inbegriff der Unentschlossenheit in der Übergangsjacke. Sie lässt aufatmen nach Monaten in schweren Mänteln und unförmigen Daunen-Ungetümen, fusseligen Schals und Mützen. In ihr stecken Hoffnung auf Wärme und Beständigkeit, aber auch die Erfahrung, dass beides (noch) nicht so leicht zu haben ist.Die Übergangsjacke ist wie eine Situationship aus (bestenfalls wasserabweisendem) Stoff: Sie verspricht viel, aber nie alles. Ihre Träger lassen sich trotzdem immer wieder auf sie ein. Sie ist der charmante Schwarm, der zweimal im Jahr kurz auf der Bildfläche erscheint und wortwörtlich Frühlingsgefühle weckt. Die Übergangsjacke wärmt sanft, engt aber nie ein oder beschwert. Hat man sich gerade wieder an sie gewöhnt, ist es meist schon zu warm für sie geworden. Dann trennen sich die Wege, bis man an kühlen Frühsommerabenden fröstelt oder sich in den ersten Herbsttagen noch nicht dauerhaft auf den Wintermantel einlassen kann.Die Deutschen lieben die Übergangsjacke. So sehr, dass sie immer wieder als „typisch deutsch“ vereinnahmt wird. Das mag auf ihren Namen zutreffen, andernorts wird sie meist schlicht als „leichte Jacke“ bezeichnet; im Französischen gibt es immerhin die „veste de mi-saison“, also die „Zwischensaison-Jacke“. Ihre Qualitäten kommen eben überall dort gut an, wo es Jahreszeiten und damit auch Phasen zwischen diesen gibt, wo ein sonniger Morgen frisch und ein Frühsommerabend auch mal weniger lau sein kann. Dann legt die Übergangsjacke auch unter anderem Namen ihre schützenden Arme um frierende Schultern. Manche Spielart dieser lockeren Beziehung ist dann aber (leider) doch typisch deutsch, etwa jene, bei der die leichte Jacke um die Hüfte geknotet wird. Lesen Sie auchIhren deutschen Namen umwehte lange ein im wahrsten Sinne des Wortes altmodischer Charme, jetzt steht in Onlineshops wie Asos, Zalando und About You wie selbstverständlich „Übergangsjacke“ für eine ganze Produktkategorie. Luxus-Plattformen wie My Theresa setzen derweil auf „Leichte Jacken“. Unter welchem Namen auch immer: Über Grenzen zwischen Ländern, aber auch Geschlechtern hinweg zeichnen sich Trends ab, die Schluss machen mit dem rein praktischen Blick auf die Übergangsjacke. Zwischen Bonbonfarben, mutigen Mustern, legerer Eleganz und Funktion mit Stil findet sich für jeden mindestens eine passende Situationship aus Stoff.Dopamin-Dressing mit FunktionEine offizielle Definition der Übergangsjacke gibt es nicht, ihre Aufgaben sind aber trotzdem recht klar: Vor leichtem Wind und Regen schützen, ohne zu warm zu sein. Dass man sich dabei selbst einen Farb-Kick verpassen kann, beweist Fendi mit einem doppellagigen Blouson im Bomberjacken-Stil aus Nylon in Signalrot für Herren (2200 Euro), einer besonders luxuriösen Jacken-Situationship. Farblich und preislich dezenter kommen die Modelle „Spey“ für Damen (rund 430 Euro) und „Sugarlump Bedale“ für Herren (rund 600 Euro) mit gewachster Baumwolle und Cordkragen mit Sturmklappe von Barbour und Paul Smith daher. An wolkenlosen Himmel lässt die leichte Damenjacke „Maddox“ mit hohem Stehkragen von Edited (rund 120 Euro) denken; Burberry weckt mit einer ebenfalls leichten Nylon-Kapuzenjacke in Veilchenblau für Herren (995 Euro) Frühlingsgefühle, Tommy Hilfiger setzt auf pastelliges Limettengrün (rund 180 Euro). Wer sich nicht für eine Farbe entscheiden kann, findet bei der französischen Outdoor-Marke Aigle eine Variante, die Farbenpracht und Funktion vereint: Über die wasserabweisende Unisex-Windjacke (280 Euro) zieht sich ein Farbverlauf in Blau-Orange-Rot. Die Windjacke, lange einer der Inbegriffe der stilistisch verschmähten Funktionsjacke, bejubelte die „Vogue“ übrigens gerade erst als „das unangefochtene Must-have im Frühjahr/Sommer 2026“. Noch lange nicht ausgemustertMut zum Muster machen Übergangsjackenträgerinnen gepunktete Varianten, die unter anderem bei Parfois (rund 60 Euro) samt Kapuze und Stehkragen zu finden sind. Das Comeback der Polka Dots hält an, da überrascht es nicht, dass auch Pull & Bear ein Nylon-Modell mit diesem Muster (rund 46 Euro) im Sortiment hat. Bei Reserved treffen Tupfen in Schokobraun auf Hellrosa und eine etwas längere, taillierte Silhouette (rund 60 Euro). Auch Karos punkten in diesem Frühjahr. Sie säumen Damenmodelle wie jenes von Marco O’Polo mit Kapuze aus recyceltem Polyester (rund 190 Euro), aber auch Herrenjacken. Bei Gant etwa wirkt eine imprägnierte Harrington-Jacke aus Baumwollmix (300 Euro) alles andere als kleinkariert. Burberry weiß um die Signalkraft seines charakteristischen Karomusters und lässt es eine ganze Kapuzenjacke aus Nylon und Polyester (1350 Euro) zieren. Eine Pause vom Klassiker unter den Karos ist aber möglich: Die Wendejacke lässt sich auch mit der Seite in schlichtem Schwarz nach außen tragen. Ballon-SilhouettenDieser Trend ist (noch) den Damen vorbehalten: 2024 präsentierte Chemena Kamali bei ihrem Debüt als Designerin des französischen Hauses Chloé mit fließenden Blousons mit Puffärmeln und Ballon-Saum eine der prägendsten Silhouetten der letzten Jahre. In der aktuellen Sommerkollektion taucht sie wieder auf, diesmal etwa mit Stehkragen und Gürtel aus Baumwollpopeline (rund 2000 Euro). Loewe spielt ebenfalls mit dem Ballonsaum – und mit Farben: Ein Modell aus Polyester, Seide und Wolle (1900 Euro) aus der aktuellen Frühjahrskollektion ist in Beige, Kirschrot und Zitronengelb zu haben.An der fluffigen Silhouette kann man sich auch mit kleinerem Budget versuchen: Bei Opus wirkt die bauschige Form beim Modell aus Lyocell in sanftem Olivgrün mit Umlegekragen (rund 120 Euro) etwas zurückhaltender, genau wie bei der Variante mit Viskose und Polyamid in hellem Beige von Arket mit Rundkragen (rund 80 Euro). Trench mit TwistVor einigen Saisons wurde man noch neugierig angesprochen, wenn man eine Trenchcoat-Jacke trug: Ob man einen Mantel umgenäht habe? Mittlerweile ist die Fusion aus Mantel und Jacke immer öfter zu sehen und füllt die Floskel der lässigen Eleganz mit Leben, etwa als gerade geschnittener Doppelreiher aus Biobaumwolle von Marco O’Polo (rund 200 Euro). Beim Modell „Yaselsana“ von Yas sind Revers und Knopfleiste mit Rüschen im typischen Trench-Beige versehen, den Rücken ziert eine Kellerfalte (rund 120 Euro). Stradivarius hat ein Modell aus Baumwoll-Polyester-Mix mit abnehmbarer Kapuze (rund 60 Euro) im Übergangsjacken-Programm, H&M eines mit schräg verlaufender Knopfleiste und passendem Schal (rund 50 Euro).In der Männermode ist diese Spielart des Trenchcoats (noch) nicht sehr verbreitet. Prada zeigte in der Kollektion für Frühling und Sommer ein Modell mit Knitter-Vintage-Charme statt adretter Akkuratesse (4300 Euro); bei Gunther Paris gibt es die hüftlange Variante „Le Trench Sabbia“ aus Baumwolle (590 Euro). Als Alternative eignet sich auch die Frühlingsvariante der Cabanjacke, etwa von Mey & Edlich aus leichtem Baumwoll-Gemisch (rund 200 Euro).Dass das Spiel mit der Form keine Grenzen kennt, beweist die dänische Marke Ganni mit einem besonders kurz geschnittenen Mix für Damen aus Doppelreiher und Kapuzenjacke mit zwei Gürteln und üppig gewölbten Ärmeln (rund 500 Euro). Sich nicht nur auf einen textilen Frühlingsflirt festlegen zu wollen, sah selten so cool aus.*Dieser Text enthält Affiliate-Links. Das bedeutet: Sollten Sie über die mit einem Stern gekennzeichneten Links einen Kauf abschließen, erhält WELT eine kleine Provision. Die Berichterstattung beeinflusst das nicht. 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