KommentarWillkommen in der Dagobert-Ökonomie – oder warum der Crash nicht weit weg istDer Börsengang von SpaceX macht Elon Musk zum ersten Billionär der Menschheitsgeschichte. Doch die völlig überzogenen Erwartungen können nur enttäuscht werden. Ein Grund mehr, warum die wachsende Nervosität der Investoren vielleicht bald in Panik umschlägt.14.06.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenIllustration NZZaS / DisneyDen Inhalt dieser Geschichte kennt die ganze Welt. Aber das Visionäre in ihr kommt erst jetzt so richtig zum Tragen. Die Hauptfigur ist leicht wahnsinnig, ziemlich genial und fürchterlich reich. Sie sitzt in einem 3 Kubikhektaren grossen Geldspeicher und verwaltet ein Vermögen von 5 Fantastilliarden, 9 Trillionen Talern sowie 16 Kreuzern.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Willkommen in der Ökonomie von Dagobert Duck, willkommen in der realen Welt. Spätestens seit dem Börsengang von SpaceX gilt die reichste Ente des Planeten kaum mehr als Fiktion. In der Gestalt des Gründers Elon Musk steigt ein Mensch erstmals in der Geschichte zum Billionär auf, eine absurd phantastische Dimension, die bisher nur dem Comic vorbehalten war. Der Kapitalismus produziert den grössten Exzess seit seinem Bestehen – und alle fragen sich, ob das gut endet. Wahrscheinlich nicht, lautet die Antwort.Wer den Fortschritt liebt, der kann sich dem Sog von Musks Mammut-Mammon-Show kaum entziehen. Die Kraft des Kapitalismus lässt vielleicht eines Tages solarbetriebene KI-Rechenzentren um die Erde fliegen, hochgeschossen mit SpaceX-Raketen, vernetzt mit Starlink-Kommunikationssatelliten – cooler geht es kaum.Doch die Traumfabrik der Musk-Jünger ist ein finanzarithmetischer Albtraum. Allein im ersten Quartal produziert die Truppe des Visionärs einen Verlust von 4,3 Milliarden. Der Aktienpreis entspricht mehr als dem Hundertfachen des Ertrages pro Aktie – einem Vielfachen dessen, was der Markt bisher für KI-, Satelliten- oder Raketenfirmen zu zahlen bereit war. Es geht hier also um die Frage, wie viele Rückschläge die verblendeten Anleger auf dem langen Weg zum galaktisch guten Investment wegstecken können. Womit wir beim Kern des Problems wären: Alle Profis wollen mit astronomischen Bewertungen im Kasino ihre Papiere noch schnell vergolden. Denn alle wissen, es braucht nur noch wenig, bis die nervöse Stimmung in Massenpanik kippt – «bad news» aus dem Musk-Imperium sind nur einer der möglichen Auslöser.Nicht nur der Verlustbringer SpaceX drängt an die Börse, sondern weitere KI-Ikonen wie Sam Altmans Open AI oder Anthropic. Aus anderen Ecken des ausgereizten Finanzsystems flüchten Investoren bereits. Im milliardenschweren Schattenmarkt für private Firmenkredite sorgt die Häufung von Unternehmenspleiten für Angst. Und den Private-Equity-Zauberern wie etwa der Schweizer Partners Group, die Firmen sanieren und dann teuer weiterverkaufen, kommen ebenfalls die Geldgeber abhanden. Als ob das nicht genug wäre, steigen nun die Finanzierungskosten. Die Zentralbanken müssen die Zinsen anheben, weil Donald Trumps Iran-Krieg die Inflation beschleunigt hat.Kommt der Crash? Zumindest kommt er näher – und er dürfte «viel gravierender» ausfallen als das Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000, meint Gita Gopinath, die ehemalige Chefökonomin des Internationalen Währungsfonds. Glücklich, wer dann Bargeld, Immobilien und einen Gemüsegarten besitzt. Oder wie Dagobert Duck sagen würde: «Lieber reich und gesund als arm und krank.»Ich wünsche Ihnen weiterhin ein kosmisches Wochenende.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel