Die Stadt schläft noch und erwacht erst langsam. Es ist 5.30 Uhr, als sich 20 Angehörige des Hauptzollamtes Berlin und der Berliner Polizei auf einem Parkplatz in Kreuzberg treffen. Sie werden gegen Arbeitgeber, die ihre Leute unter sklavenähnlichen Verhältnissen beschäftigen, vorgehen. Denn es gibt sie noch, die Sklavenhalter. Im 21. Jahrhundert. Mitten in Berlin. Vorher eine kurze Besprechung: in welcher Reihenfolge die Teams reingehen, welches Team den Hinterausgang bewacht, damit niemand fliehen kann. Auf Eigensicherung achten! Dann setzt sich die Kolonne mit Blaulicht in Bewegung.Die Spezialeinheit, die das Landeskriminalamt und das Hauptzollamt im Juni 2023 bildeten, hat den sperrigen Namen „Gemeinsame Ermittlungsgruppe Arbeitsausbeutung“. Deren Ermittler nehmen sich an diesem Morgen eine Großküche in Kreuzberg vor. Sie beliefert fünf bis acht Restaurants, die zum Teil an exquisiten Hauptstadtadressen liegen. Die Küche ist mutmaßlich Teil der Aktivitäten einer Bande aus acht Männern im Alter von 36 bis 66 Jahren. Schon seit 2023 läuft gegen sie ein Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandels zum Zweck der Arbeitsausbeutung.
Punkt sechs Uhr pochen die Uniformierten an die Tür. „Aufmachen! Polizei!“ Sollte niemand öffnen, würden sie einen Schlüsseldienst hinzuziehen. Doch die Tür geht auf, Zöllner und Polizisten strömen ins Haus. Die rechte Hand haben sie in der Nähe des Holsters. Sie wissen nicht, was sie erwartet; in einer Küche gibt es Messer und heißes Öl, das man schütten kann.Polizei und Zoll füllen den Raum. Die „Sicherheit ist hergestellt“. Doch für die Beamten ist es unübersichtlich, in ihre Nasen steigt der Geruch von altem Frittieröl. In zwei Lagerräumen sehen sie Metallregale, die bis zur Decke reichen – voller Konservendosen, Pappkartons, Reissäcke und Kanister. Auf dem Boden: zwei Matratzen. Darauf zwei Männer, die ins Licht blinzeln. Die Polizei hat sie aufgeweckt.An der hinteren Wand gibt es ein Fenster, das offensteht. Einige Beamte klettern dort hindurch und gelangen in weitere Räume. Auch hier wecken sie einen Mann, der auf einer Matratze schläft. Dieser Gebäudeteil ist zum Abriss freigegeben. Bauschutt liegt herum, die Wände sind schwarz von Schimmel. Sie sind so schimmelschwarz wie die Wände in den Lagerräumen, in denen gerade noch die beiden anderen Männer schliefen. Hier kann man eigentlich keine Lebensmittel aufbewahren, geschweige denn schlafen.









