Es war ein reiner Männerhaushalt, in den die junge Deutsch-Brasilianerin Silvia Sommerlath einheiratete. Die letzte schwedische Königin Louise war 1965 gestorben. Und auch die Mutter ihres künftigen Mannes, Prinzessin Sibylla, war schon 1972 gestorben. Für Silvia hatte das Vor- und viele Nachteile. Sie musste ihren Weg selbst finden, konnte ihre Rolle aber auch neu interpretieren.Schwieriger war, dass der König und die ganze Monarchie in den Siebzigerjahren massiv infrage gestellt wurden. Ministerpräsident war damals Olof Palme. Der Sozialdemokrat nutzte die Gunst der Stunde und änderte 1974 die Verfassung, durch die Schweden endgültig von einer konstitutionellen zu einer rein parlamentarischen Monarchie wurde. Der gerade einmal 27 Jahre alte Carl XVI. Gustaf, der erst am 15. September 1973 den Thron nach seinem 90 Jahre alten Großvater Gustav VI. Adolf bestiegen hatte, hat seitdem nur noch zeremonielle und repräsentative Aufgaben.Der junge König aber konnte sich auch eigene Freiheiten herausnehmen. Etwa eine Bürgerliche heiraten – zu Lebzeiten des alten Königs wäre es undenkbar gewesen. Und so wählte er, der schon 1947 im Alter von nur ein paar Monaten seinen Vater bei einem Flugzeugabsturz verloren hatte, die gebürtige Heidelbergerin Silvia Sommerlath.Erste Hochzeit eines schwedischen Monarchen seit 1797Es war das erste Mal seit 1797, dass ein schwedischer Monarch Hochzeit feierte. Entsprechend groß war das Interesse an der Frau, mit der Carl XVI. Gustaf vier Jahre lang eine weitestgehend im Verborgenen geführte Fernbeziehung gepflegt hatte. Er war in Stockholm, sie zunächst in München, dann in Innsbruck – jeweils als eine der Chef-Hostessen bei den Olympischen Sommer- und dann Winterspielen.Am 12. März 1976 gaben die beiden – endlich – ihre Verlobung bekannt. Silvia, gelernte Dolmetscherin, begeisterte sogleich die Schweden mit einigen Sätzen auf Schwedisch. Die Hochzeit folgte am 19. Juni 1976, geplant maßgeblich schon von der jungen Braut: Es waren „meine dritten Olympischen Spiele“, wie sie scherzhaft später einmal sagte. Die nun anstehende Goldene Hochzeit feiert das Königspaar allerdings schon an diesem Samstag, weil am kommenden Freitag in Schweden Mittsommer begangen wird.Endlich Verlobung: Silvia Sommerlath begeistert die Schweden neben ihrem künftigen Mann, König Carl XVI. Gustaf, am 12. März 1976 mit ein paar Sätzen auf Schwedisch.Picture AllianceVor 50 Jahren blieb vor allem der Vorabend der Trauung in Erinnerung. Den damaligen Gästen, weil Silvia zehn Minuten zu spät erschien; der Chauffeur, der sie im Schloss abholen und zu ihrem künftigen Mann in die Königliche Oper bringen sollte, stand mit dem Wagen nicht am verabredeten Ausgang des Palastes bereit. Der Rest der Welt erinnert sich besonders an den Auftritt der Popband ABBA, die Silvia zu Ehren in barocken Kostümen ihr Lied „Dancing Queen“ sang. Das Lied war nicht eigens für die künftige Königin geschrieben worden, doch der Nummer-eins-Hit in fast allen europäischen Ländern und auch in den Vereinigten Staaten ist seither untrennbar mit ihr und der Hochzeit verbunden.Ein Brautkleid von DiorAm nächsten Tag säumten mehr als 250.000 Schweden den Weg zur Stockholmer Domkirche Storkyrkan. Carl XVI. Gustaf trug eine Admiralsuniform, Silvia ein elfenbeinfarbenes Brautkleid des französischen Dior-Designers Marc Bohan, dazu eine vier Meter lange Schleppe aus wertvoller Brüsseler Spitze, die seit Generationen im Besitz der schwedischen Königsfamilie war. Auch der Kopfschmuck verwies auf Frankreich, das Land, aus dem die Familie Bernadotte ursprünglich stammt. Die Braut trug die Cameo-Tiara von 1809, ein Geschenk von Napoleon Bonaparte an seine Frau Joséphine.Zurück zum Schloss ging es mit einer goldenen Kutsche und mit der Prunkbarkasse Vasaorden, die auch an diesem Wochenende wieder zum Einsatz kommt. Zum Galaessen mit geladenen Gästen, unter ihnen Vertreter aller europäischen Königshäuser, hielt Prinz Bertil die Festrede. Der Onkel von Carl XVI. Gustaf stand noch bis 1979 auf Platz eins der Thronfolge, bis der erste Sohn des Königspaars, Prinz Carl Philip, geboren wurde. Nur ein Jahr später wurde die männliche Thronfolge (erstmals in einem europäischen Königshaus) allerdings abgeschafft – rückwirkend, sodass Prinzessin Victoria, 1977 geboren, zur Kronprinzessin aufstieg.Die Monarchie wird von einer Mehrheit nicht mehr infrage gestelltDie Familie ist bis heute die größte Stütze des eher als spröde geltenden Königs. In den vergangenen 50 Jahren wurde die Monarchie vor allem dank ihrer Königin von der Mehrheit der Schweden nicht mehr infrage gestellt. Zweimal sanken die Beliebtheitswerte: 2010 erschien ein Enthüllungsbuch über den König mit dem Titel „Carl XVI. Gustaf: Der widerwillige Monarch“, in dem ihm außereheliche Affären in den Neunzigerjahren und Besuche im Stockholmer Rotlichtviertel nachgesagt wurden. Die Seitensprünge unter anderen mit der schwedischen Sängerin Camilla Henemark („Army Of Lovers“) scheinen zu stimmen, die Bordellbesuche hingegen nicht.Schwedischer Nationalfeiertag: Das Königspaar feiert am vergangenen Samstag mit seinen Kindern Prinzessin Madeleine (Zweite von links), Prinz Carl Philip (neben dem König) und Kronprinzessin Victoria (Dritte von rechts).EPADie Königin verlor nie ein Wort darüber, allerdings äußerte sie sich wenig später, als die Vergangenheit ihres 1990 verstorbenen Vaters Anlass zu Spekulationen gab. Walther Sommerlath war 1934 Mitglied der Auslandsorganisation der NSDAP geworden und hatte 1939 eine Metallwarenfabrik in Berlin gekauft, die zuvor einem jüdischen Geschäftsmann gehört hatte. Silvia ließ auch diese „Arisierung“ von Historikern des Nationalarchivs prüfen. Ergebnis: Er sei kein aktiver Nazi gewesen. Völlig entlastet wurde er nicht, was die Tochter als „emotional belastend“ empfand.Am Abend wird dort gefeiert, wo einst die Hochzeit begannSo ist das Königspaar zwar angezählt, die Schweden aber versöhnt die Aussicht, dass dereinst die überaus beliebte Kronprinzessin auf dem Thron sitzen wird. Anlässlich der Goldenen Hochzeit wurde die 82 Jahre alte Silvia von ihrem Mann schon am Donnerstag besonders geehrt: Er verlieh ihr den höchsten schwedischen Orden, den Königlichen Seraphinenorden – „für ihre außergewöhnlich bedeutungsvollen humanitären Bemühungen seit mehr als einem halben Jahrhundert“. Silvia setzt sich unter anderem mit eigenen Stiftungen wie der World Childhood Foundation für benachteiligte und missbrauchte Kinder ein.An diesem Samstag beginnen die Feierlichkeiten dann mit einem Gottesdienst in der königlichen Kapelle, danach besteigen König und Königin wieder die Barkasse Vasaorden und fahren von Skeppsbron nach Djurgården. Weiter geht es mit der goldenen Kutsche. Am Nachmittag folgt ein Konzert im Park Kungsträdgården, und am Abend wird dort gefeiert, wo einst die Hochzeit begann: in der Königlichen Oper, live übertragen im schwedischen Fernsehen.
Zur Goldenen Hochzeit von Silvia und Carl Gustaf: Die Braut rettete Schwedens Monarchie
Sie ist die größte Stütze des Königs: Seit 50 Jahren sind Carl XVI. Gustaf und Silvia nun verheiratet. Das Land ist zufrieden mit seinem Königspaar, blickt aber auch schon in die Zukunft.










