Mit Wirkung zum 1. April wurde Michael Meyen, Professor für Allgemeine und Systematische Kommunikationswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München, in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Die genaue Begründung ist nicht bekannt. Eine Anfrage dieser Zeitung beantwortete die Universität unter Verweis auf den Datenschutz nicht. Bekannt ist: Meyen galt als unbequeme Stimme.

Der 1967 auf Rügen geborene Wissenschaftler wurde noch in der DDR zum Journalisten ausgebildet. Seit der Corona-Pandemie bewegt er sich zunehmend am Rand des öffentlichen Meinungskorridors. Seine Bücher zeichnen die Distanzierung vom westdeutschen Mainstream nach: von der Kommunikationswissenschaft der Nachkriegszeit über die DDR im kollektiven Gedächtnis bis hin zu „Das Erbe sind wir“ und dem Spiegel-Bestseller „Die Propaganda-Matrix“.

Meyens Fall berührt damit eine größere Debatte: Wo verlaufen die Grenzen des Sagbaren an deutschen Hochschulen? Im Interview spricht er über einen Wissenschaftsbetrieb, der Anpassung belohnt, Streit bestraft und Eliten formt, die eher reproduzieren als denken.

„Die Universitäten wurden gekapert“

Herr Meyen, wie hat sich das Klima an deutschen Universitäten verändert?Nicht anders als in anderen Teilen der Gesellschaft. Auch Universitäten können sich dem Druck der Digitalplattformen nicht entziehen. Durch diese Brille wird alles zur Moralfrage: eins oder null, Daumen hoch oder runter. Die Menschen haben Angst, am Pranger zu enden. Angst vor Isolation. Das beeinflusst Themenwahl, Betreuerwahl, Interviewpartner. Man fragt sich: Gelte ich als rechts, wenn ich mit X oder Y rede? Kontaktschuld ist nicht nur der Tod des Journalismus, sondern auch der Wissenschaft.