Gehen in Japan wegen des Iran-Kriegs die Bananen aus?Keine Frucht importiert Japan häufiger als Bananen. Doch dieses kulinarische Vergnügen könnte den Japanern bald vorenthalten werden.13.06.2026, 07.53 Uhr3 LeseminutenPerfekte Formen, einzeln verpackt: Früchte und Gemüse aus einem japanischen Supermarkt. Die Banane könnte schon bald im Angebot fehlen.Carl Court / GettyDass der Krieg gegen Iran weltweite Auswirkungen hat, ist bestens bekannt. Durch die Strasse von Hormuz werden im Normalfall rund 20 Prozent des globalen Rohölbedarfs verschifft. Aus Rohöl entstehen nicht nur Treibstoffe wie Benzin, Diesel oder Kerosin, sondern auch chemische Produkte wie Dünger, Schaumstoffe, Farben oder Gase für die unterschiedlichsten industriellen Prozesse.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Je länger die Strasse von Hormuz geschlossen bleibt, desto einschneidender werden die Auswirkungen auf die Lieferketten. Japan trifft es besonders stark: Die zweitgrösste Volkswirtschaft Asiens deckt mehr als 90 Prozent ihres Rohölbedarfs mit Importen aus dem Persischen Golf.Japan importiert jährlich eine Million Tonnen BananenEine Verhandlungslösung ist am Golf trotz wiederholten Versprechen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump nicht absehbar. Damit könnte in Japan bald ein Produkt knapp werden, das mit der Golfregion eigentlich überhaupt nichts zu tun hat: Bananen.Keine Frucht wird in Japan häufiger importiert als Bananen: In den letzten Jahren waren es jeweils rund eine Million Tonnen. Sie fehlen in keinem Konbini – jenen kleinen, rund um die Uhr geöffneten Läden, die es an jeder Strassenecke gibt. Für jeden der 123 Millionen Einwohner des Landes werden jährlich schätzungsweise 60 dieser gelben Früchte eingeführt.Das Problem liegt im Wort gelb. In den Herkunftsländern – das sind für Japan in allererster Linie die Philippinen – werden die Bananen grün geerntet, also unreif. Der natürliche Reifeprozess wird gezielt unterbrochen. So sind sie länger haltbar und gekühlt beim Transport weniger verletzlich als die sehr druckempfindlichen reifen Exemplare.Doch niemand isst grüne Bananen. Damit die Früchte weich werden, ihre typisch gelbe Farbe erhalten und süsslich schmecken, werden sie künstlich nachgereift. Dazu braucht es das Gas Ethylen. Reift eine Banane an der Staude, produziert sie das Ethylen selber. Wenn aber der Reifeprozess unterbrochen wird, muss es künstlich hinzugefügt werden. Bevor sie die Bananen an die Verkaufsstellen ausliefern, platzieren die Importeure die Früchte in spezielle Kammern, wo die Luft mit Ethylen versetzt wird. Damit weiss die Banane: Es ist Zeit, vollständig auszureifen.Der Fernsehsender Asahi TV besuchte für einen Beitrag einen Früchtelieferanten. Der Firmenchef erzählt, dass er von seinem Gaslieferanten informiert worden sei, dass er ab Juli kein Ethylen mehr liefern könne. Wolle die Firma woanders bestellen, so sei der Preis zehnmal so hoch wie sonst. Unter diesen Bedingungen werde er keine Bananen mehr reifen können, so der Firmenchef.Das Gas Ethylen wird aus dem Erdölprodukt Naphtha hergestellt. Und an Naphtha fehlt es gegenwärtig in Japan. Dieser Mangel ist für die Konsumenten bereits sichtbar. Im Mai kündigte der Snackhersteller Calbee an, die Verpackungen verschiedener Chips nur noch schwarz zu bedrucken. Der Nahrungsmittelkonzern konnte nicht mehr genügend farbige Tinte beschaffen. Für ihre Herstellung braucht es Naphtha.Naphtha ist zu einem Politikum geworden. Oppositionspolitiker fordern von Ministerpräsidentin Sanae Takaichi, dass sie Firmen dazu zwinge, ihre Lager freizugeben. Es wird vermutet, dass einzelne Unternehmen Vorräte horteten, wohl weil sie selber fürchteten, früher oder später nicht mehr genügend Naphtha zu haben. Die gesetzliche Grundlage, um dagegen vorzugehen, wurde geschaffen, als es in Japan schon einmal durch politische Verwerfungen am Golf zu Engpässen kam: während der Ölkrisen in den 1970er Jahren. Bis jetzt scheint die Regierungschefin aber davor zurückzuscheuen, Zwangsmassnahmen zu verordnen.Sollen Läden nicht perfekte Früchte anbieten?In sozialen Netzwerken wird nun über Alternativen diskutiert. Man könne unreife Bananen ein paar Tage in einen geschlossenen Papiersack legen. Das so erzeugte Ethylen reiche aus, damit die Banane von selbst ausreife. Wer auf Nummer sicher gehen will, legt in den gleichen Sack einen Apfel oder eine Avocado. Diese produzieren noch mehr des gesuchten Gases.Damit das funktioniert, müssten die Läden aber bereit sein, die unreifen, grünen Bananen zu verkaufen. Das ist in Japan schwer vorstellbar: Denn hier liegen nur absolut perfekte Früchte im Regal. Meist sorgfältig einzeln abgepackt. Was den kleinsten Mangel hat, wird aussortiert. Die Aussicht, den Kunden grüne, unreife und damit nicht perfekte Bananen vorsetzen zu müssen, dürfte dem durchschnittlichen Filialleiter in Japan schlaflose Nächte bereiten.Passend zum Artikel