Ballsaal, Triumphbogen und «Trump-Promenade» – der Präsident baut seine Hauptstadt umAm 14. Juni feiert Donald Trump seinen 80. Geburtstag. Ein Rundgang durch Washington zeigt, wie sich der amerikanische Präsident als Bauherr zu verewigen sucht.13.06.2026, 05.30 Uhr6 LeseminutenEin Käfig unter einem grossen Dach: Zu seinem 80. Geburtstag organisiert Donald Trump auf dem Südrasen des Weissen Hauses einen grossen Kampf.Evan Vucci / ReutersIn normalen Zeiten werden Besucher bis zum Gartenzaun des Weissen Hauses auf der Pennsylvania Avenue vorgelassen. Hier können sich Touristen vor dem Amtssitz des amerikanischen Präsidenten fotografieren, während Händler Souvenirs verkaufen und Aktivisten auf allerhand politische Anliegen aufmerksam machen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Derzeit aber ist der Zugang verbarrikadiert. «Aus Sicherheitsgründen», sagt ein Polizeibeamter knapp. Hinzu kommt, dass Washington momentan einer Grossbaustelle gleicht, was die Sperrung etlicher Wege zur Folge hat. Am 4. Juli begeht die Nation ihren 250. Geburtstag, und Donald Trump hat sich zum Ziel gesetzt, die Hauptstadt für das Jubiläum in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. «Wir machen Washington sicher und schön», steht auf Plakaten in der ganzen Stadt.Gladiatorenkampf zum GeburtstagEinen Blick auf die berühmte Fassade des Weissen Hauses kann man derzeit nur einen Block weiter nördlich der Pennsylvania Avenue erhaschen, durch die Bauabschrankungen des ebenfalls abgesperrten Lafayette Square. In diesem kleinen Park lässt Trump die maroden Brunnen sanieren – unbürokratisch, damit die Arbeiten bis zum Jubiläum fertig sind.Laut Recherchen der «New York Times» hat die Regierung nicht wie vorgeschrieben mehrere Offerten eingeholt. Die Begründung: Es bestehe eine zeitliche Notlage. Nun kostet die Renovation des Lafayette Square die Steuerzahler 17 Millionen Dollar. Das ist selbst inflationsbereinigt ungleich mehr als die 3 bis 4 Millionen Dollar, die ein Kostenvoranschlag zur Zeit von Joe Biden vor einigen Jahren für ein ähnliches Projekt ergeben hatte.Der Blick durch die Bauabschrankungen auf das Weisse Haus ist gewöhnungsbedürftig. Nicht zu erkennen ist aus der Distanz zwar der Krater an jener Stelle, wo Trump im Herbst den historischen Ostflügel des Regierungssitzes abreissen liess. Der Präsident will stattdessen mit Spendengeldern einen mit Panzerglas gesicherten Ballsaal errichten. Doch die Kosten des Projekts explodieren, und der Senat hat sich zum Ärger Trumps gegen eine staatliche Zusatzfinanzierung ausgesprochen. Zudem hat ein Richter die Bauarbeiten per einstweiliger Verfügung gestoppt.Donald Trump liess den Ostflügel des Weissen Hauses abreissen, um einen mit Panzerglas gesicherten Ballsaal zu errichten.Evelyn Hockstein / ReutersDer amerikanische Präsident zeigt Pläne für seinen neuen Ballsaal, dessen Bau aber durch einen Richter einstweilig gestoppt worden ist.Kevin Lamarque / ReutersDeutlich sichtbar ist aus der Ferne aber ein überdimensioniertes blau-weiss-rotes Dachgewölbe, das hinter dem Weissen Haus auf dem Südrasen in die Höhe ragt. Hier veranstaltet Donald Trump am Sonntag auf einer Schaubühne zu seinem 80. Geburtstag einen Käfigkampf in der Sparte «Mixed Martial Arts» (MMA). Die Sportart gehört zu den brutalsten der Welt, erfreut sich in Amerika aber steigender Beliebtheit, weshalb der Präsident die Veranstaltung als Geschenk an das Volk sieht. Kritiker sehen im Gladiatorenkampf hingegen ein Symbol der politischen Brutalisierung und des Sittenzerfalls. George W. Bush hatte auf dem Südrasen des Weissen Hauses noch Softball-Partien abgehalten.Neugestaltung der National MallTrumps Gestaltungsdrang zeigt sich auch an den vielen Bau- und Renovationsprojekten auf der National Mall gleich hinter dem Südrasen des Weissen Hauses. Die drei Kilometer lange Parkanlage gilt als Herzstück der amerikanischen Demokratie. Hier erkämpften die Afroamerikaner an Protestmärschen ihre Bürgerrechte, hier gedenkt die Bevölkerung der gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs oder des Vietnamkriegs, und hier befinden sich die grossen nationalen Museen.Auf der National Mall konzentrieren sich Trumps Bemühungen, die Stadt in seinem Sinne zu verschönern, aber auch der Widerstand dagegen. Diese Woche ritzten Unbekannte die übergrossen Ziffern 86 und 47 ins Gras, was eine polizeiliche Untersuchung ausgelöst hat. Die Zahlenkombination gilt als Anti-Trump-Botschaft: Trump ist der 47. Präsident der USA. 86 wird in der Gastronomie als Slang benutzt, wenn ein Gericht oder ein Getränk ausverkauft ist oder ein Kunde aus dem Lokal spediert werden soll.Washington erlebe unter Trump die grösste bauliche Transformation seit der Präsidentschaft von Franklin D. Roosevelt, sagt Tevi Troy. Der Historiker diente unter George W. Bush als Vizegesundheitsminister und ist heute Experte bei der Ronald Reagan Presidential Library. «Im Zuge der Grossen Depression und des Zweiten Weltkriegs weitete der Bundesstaat seine Kompetenzen aus, was Roosevelt zum Bau neuer Ministerien oder des Pentagons veranlasste», sagt Troy im Gespräch. «Bei Trump ist es eher seine berufliche Herkunft als Immobilienmagnat, die ihn nun auch als Präsident zum Bauherrn werden lässt.»Die Hauptachse der National Mall verbindet das Capitol mit dem Denkmal für Präsident Abraham Lincoln, das einem griechischen Tempel nachgebildet ist. Letzte Woche verkündete Trump, eine neue Promenade solle die Rückseite des Lincoln Memorials mit dem Potomac River verbinden. «Manche Leute wollen sie bereits Trump Promenade taufen», sagte der Präsident, ohne diese Leute zu benennen. «Aber ich weiss noch nicht, ob ich das wirklich möchte.»Nach der Renovation wird das Reflexionsbecken zwischen dem Lincoln Memorial und dem Denkmal für den Zweiten Weltkrieg wieder mit Wasser gefüllt.John McDonnell / APUmstrittener «Arc de Trump»Fest entschlossen ist Trump hingegen, am Fuss der Arlington Memorial Bridge auf der anderen Seite des Potomac Rivers einen Triumphbogen zu errichten. Fast 77 Meter hoch soll das mit einer goldenen Statue verzierte Bauwerk werden. Das wäre doppelt so gross wie das Lincoln Memorial und weitaus wuchtiger als der Arc de Triomphe in Paris.In Washington ist spöttisch vom «Arc de Trump» die Rede. Verschiedene Organisationen und lokale Kongressabgeordnete haben gegen den Bau Rekurse eingelegt. Denn der Triumphbogen würde die freie Sicht vom Nationalfriedhof in Arlington auf das Lincoln Memorial komplett verstellen. Wie die einzelnen Monumente und Regierungsgebäude geografisch zueinander angeordnet sind, ist Ausdruck eines historischen Gesamtgefüges und symbolisiert das Gleichgewicht der Macht im amerikanischen Staat.Die Baupläne für den Triumphbogen, den Donald Trump am Fuss der Arlington Memorial Bridge errichten möchte.Visualisierung U. S. Commission on Fine Arts / Reuters«Der Triumphbogen wäre Trumps wichtigstes Bauwerk und würde das Stadtbild Washingtons am stärksten verändern», sagt der Historiker Troy. Er räumt ein, dass sich im Lauf der Jahrzehnte immer wieder neue Monumente in die National Mall eingefügt hätten. «Doch hierfür braucht es einen gesellschaftlichen Grundkonsens. Das Schlimmste wäre, neue Denkmäler zu bauen, die der nächste Präsident gleich wieder abreissen liesse.»Während Trumps Fans auch seinen Geschmack zu teilen scheinen, haben seine Gegner für den ästhetischen Sinn des Präsidenten wenig übrig. Das zeigt sich beim Reflexionsbecken, das Trump für 14 Millionen Dollar renovieren liess. Das 620 Meter lange Wasserbecken ist so angelegt, dass sich das obeliskförmige Washington Monument darin spiegelt. Bisher war das Wasser stets grau gewesen, wobei es je nach Wetter an eine sumpfige Brühe erinnert hatte. Nach Trumps Renovation erstrahlt das Becken nun in einem kräftigen Blau, das dem Blau der amerikanischen Flagge entliehen ist.«Fürchterlich, absolut fürchterlich», findet eine Anwohnerin das Becken, «ich bin froh, dass dieses dunkle Wasser überhaupt noch spiegelt.» Ein Besucher aus Indiana, der sich mit einer roten Maga-Mütze als Trump-Befürworter zu erkennen gibt, findet das neue Reflexionsbecken hingegen grossartig. «Es ist phantastisch, was der Präsident für unsere Hauptstadt macht.»Das Washington Monument spiegelt sich im frisch geputzten und renovierten Reflexionsbecken vor dem Lincoln Memorial.Annabelle Gordon / ReutersEin Denkmal für TrumpAuf der National Mall kommt drei Präsidenten eine herausragende Stellung zu. Das Washington Monument im Zentrum der Parkanlage erinnert an den ersten Präsidenten Amerikas und an die Gründung der Republik. Das Lincoln Memorial ehrt den Präsidenten, der das Land nach dem Bürgerkrieg zusammenhielt und die Abschaffung der Sklaverei vorantrieb. Und das Jefferson Memorial ist dem Autor der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung gewidmet.Trump sieht sich selber in der Tradition grosser Präsidenten. «Ich bin George Washington und Abraham Lincoln sogar deutlich überlegen», meinte er vor einem Jahr im Scherz. «Natürlich weiss Trump, dass er nie ein Monument im Stile dieser Präsidenten erhalten wird», sagt Troy. «Dafür will er sich mit seinen Bauvorhaben in Washington wohl ein faktisches Denkmal für seine Präsidentschaft setzen.»Entsprechend verärgert ist der Präsident, dass ihm die Gerichte und der Kongress immer mehr Steine in den Weg legen. Doch Trump hat auf der Suche nach einem Monument für sich selber noch einen Trumpf im Ärmel: die Schaubühne für den Faustkampf zu seinem 80. Geburtstag. Der Präsident verglich die Arena jüngst mit dem Eiffelturm in Paris, der entgegen den ursprünglichen Plänen nach der Weltausstellung 1889 nie wieder abgebaut wurde. «Wir haben etwas vor dem Weissen Haus geschaffen, das viele Leute sehr attraktiv finden. Wenn ich es mir so anschaue, denke ich, dass wir es vielleicht nie wieder abreissen werden.»Passend zum Artikel
Trump setzt sich in Washington Denkmäler: Triumphbogen, Promenade und Ballsaal
Am 14. Juni feiert Donald Trump seinen 80. Geburtstag. Ein Rundgang durch Washington zeigt, wie sich der amerikanische Präsident als Bauherr zu verewigen sucht.
Trump lässt Washington umbauen – Lafayette-Platz-Renovation kostet 17M$ statt budgetierter 3-4M$. Projekt ohne Competitive Bidding + Deadline-Druck (4. Juli) + gerichtliche Sperrung illustriert klassische Governance-Risiken: scope creep, politische Interferenz, Kostenexplosion – Blueprint für Tech-Procurement-Fallen.











