PfadnavigationHomeWirtschaftArmin PappergerRheinmetall-Chef warnt vor Ausstieg Frankreichs beim ZukunftspanzerStand: 01:04 UhrLesedauer: 4 MinutenRheinmetall-CEO Armin PappergerQuelle: Shireen Broszies/dpaNach dem Kampfjet-Aus wächst die Sorge um das nächste deutsch-französische Rüstungsprojekt. Rheinmetall-Chef Papperger verweist im Gespräch mit WELT AM SONNTAG auf den Panzer MGCS. Frankreich plane offenbar massive Budgetkürzungen.Als das Aus für das deutsch-französische Kampfflugzeug FCAS besiegelt war, haben sie in der Düsseldorfer Zentrale von Rheinmetall direkt an das nächste Szenario gedacht. Er schließe nicht aus, dass Frankreich auch bei dem Zukunftspanzerprojekt MGCS aussteige, sagt Armin Papperger, Vorstandschef von Deutschlands größtem Rüstungskonzern, im Gespräch mit WELT AM SONNTAG: „Eine Gefahr ist immer da, aber es ist noch nichts entschieden.“Nach seinen Informationen plane Frankreich jedoch bereits, das Budget für das MGCS-Projekt drastisch zu kürzen, so Papperger. Im Gespräch sei ein Volumen „von weniger als die Hälfte“ der bisherigen Planungen. „Wir haben null Entscheidungen über das finale Budget.“Lesen Sie auchEine Konsequenz einer Kürzung wären Streichungen von Leistungsanteilen und dadurch auch weitere Verzögerungen bei dem Vorhaben. „Wenn man weniger Geld zur Verfügung hat, wird man nicht schneller, und wir sind jetzt schon sehr langsam“, so der Rheinmetall-Chef. In dem seit rund zehn Jahren laufenden Programm haben die vier beteiligten Unternehmen bisher erst 25 Millionen Euro erhalten.Die beiden Rüstungsmegaprojekte FCAS und MGCS wurden praktisch zeitgleich 2017 gestartet. Damals kündigten der französische Präsident Emmanuel Macron und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel die Programme an. Während FCAS als Kernelement die Entwicklung eines Kampfflugzeugs der sechsten Generation als Nachfolger des Eurofighters und der Rafale zum Ziel hatte, stehen bei MGCS (Main Ground Combat System) die Entwicklung eines bodengebundenen Kampfsystems und die gemeinsame Entwicklung eines Zukunftspanzers als Nachfolger des deutschen Leopard 2 und des französischen Leclerc im Mittelpunkt.Selbst wenn das MGCS-Vorhaben scheitert, könnte Deutschland seine Position als weltweit führender Panzerbauer sichern. Denn die deutsche Seite, also Rheinmetall und KNDS Deutschland, entwickelt als Brückenlösung seit gut einem Jahr bereits einen Leopard 3. Die ersten Exemplare sollen Anfang der 2030er-Jahre in Dienst gestellt werden, während die Einsatzbereitschaft des MGCS-Panzers erst in den 2040er-Jahren erwartet wird. „Das ist eine Wahnsinnszeit“, erklärt Papperger: „Ich kann heute nicht sagen, ob es überhaupt ein MGCS geben wird.“Lesen Sie auchFür eine Konsolidierung europäischer Rüstungskonzerne sieht der Rheinmetall-Chef noch erhebliche Hürden. Das Scheitern des FCAS-Kampfflugzeugs sei wahrscheinlich eine Mixtur aus staatlichen und industriellen Uneinigkeiten gewesen. Es werde noch immer sehr national gedacht, zum Schutz von Eigeninteressen. Lesen Sie auch„Wenn man eine Konsolidierung in Europa machen möchte, müsste das natürlich auch irgendwie politisch mit unterstützt werden. Aber das sehen wir im Augenblick nicht“, bemängelt Papperger. Die Konsolidierung müsse über die Firmen erfolgen. „Es wird nur manchmal behindert über Regierungen. Vor allem dann, wenn auch Staatsbetriebe mit dabei sind.“ Pappergers Erklärung: „Die Regierungen wollen bei Staatsbetrieben ihren Einfluss haben, und natürlich wollen sie die Konsolidierung nicht.“Lesen Sie auchDen bevorstehenden Börsengang von KNDS verfolge Rheinmetall mit Interesse, werde aber selbst keine Anteile zeichnen. „Wir beteiligen uns nicht an dem Börsengang. Wir hatten Diskussionen geführt, auch mit KNDS, ob es sinnvoll ist, eine Konsolidierung in Europa zu machen, aber sie blieben ergebnislos. Also sind wir nicht mehr daran interessiert.“ Papperger deutete an, dass vor allem Frankreich nicht an einem Zusammenschluss interessiert war.Er sehe Vorteile, dass es in seinem Konzern keine Staatsbeteiligung gibt, während beim KNDS-Börsengang der deutsche Staat zunächst wie Frankreich einen 40-Prozent-Anteil anstrebt und somit nur 20 Prozent freie Aktionäre geplant sind, so der Rheinmetall-Chef. „Wir können wirklich schnell entscheiden. Bei großen Vorhaben wie der geplanten Übernahme des F-126-Fregattenprogramms binnen einer Stunde, wenn es gut vorbereitet ist“, betont Papperger. Für ihn ist KNDS „mehr ein Partner, als ein Konkurrent, weil wir so viele Programme gemeinsam machen“. Beispielsweise entwickeln und produzieren die Unternehmen zusammen den Puma-Schützenpanzer sowie den Boxer-Radpanzer oder die nächste Leopard-Generation.Schwerlastdrohne geplantDie breitere Aufstellung von Rheinmetall mit dem Einstieg in Weltraumaktivitäten, das Marinegeschäft und den Bau von Kampfflugzeug-Bauteilen sieht Papperger als logische Konsequenz, um einen Rüstungs-Champion aufzubauen. Er sehe keine Verzettelungsgefahr. Entscheidend sei, dass Rheinmetall liefere. In diesem Jahr werde ein Umsatzplus von 40 bis 45 Prozent oder um viereinhalb Milliarden Euro angestrebt.Auf der Luftfahrtausstellung ILA in Berlin präsentierte der Konzern auch die von Boeing Defence Australia entwickelte Kampfdrohne MQ-28 Ghost Bat, mit der sich Rheinmetall um einen Jagdbomberdrohnenauftrag der Bundeswehr bewirbt. Papperger legt Wert darauf, dass es sich um ein australisches Produkt handele. Die deutsche Regierung stehe mit der australischen in Verbindung, geplant sei ein sogenanntes Government-to-Government-Geschäft. Bei ausreichenden Stückzahlen könnte die Drohne von Rheinmetall in Deutschland produziert werden, sagt Papperger.Zu den neuen Rheinmetall-Aktivitäten zählt auch die auf der ILA bekannt gegebene Absichtserklärung über die Produktion einer Schwerlastdrohne in Nordrhein-Westfalen. Bis 2029 könnten durch das Projekt der Frachtdrohne Victor U250 des Technologieunternehmens ERC System Arbeitsplätze in dreistelliger Höhe geschaffen werden. Die hybrid-elektrische Frachtdrohne soll bis zu 250 Kilogramm über 300 Kilometer Entfernung transportieren können, erklärt Papperger: „Am Ende wollen wir im Idealfall gemeinsam mit ERC und dem Land Nordrhein-Westfalen die Schwerlastdrohne technologisch und industriell skalieren.“Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.Gerhard Hegmann ist freier Wirtschaftsredakteur und berichtet seit Jahrzehnten insbesondere über die Rüstungs- und Raumfahrtindustrie.
Rheinmetall: Chef Armin Papperger warnt vor Ausstieg Frankreichs beim Zukunftspanzer - WELT
Nach dem Kampfjet-Aus wächst die Sorge um das nächste deutsch-französische Rüstungsprojekt. Rheinmetall-Chef Papperger verweist im Gespräch mit WELT AM SONNTAG auf den Panzer MGCS. Frankreich plane offenbar massive Budgetkürzungen.
Papperger warnt: Frankreich will MGCS-Budget auf unter 50% senken; nach zehn Jahren erst 25 Mio. Euro Investition erreicht. FCAS-ähnliches Debakel signalisiert europäische Fragmentierung; Rheinmetall entwickelt parallel Leopard-3 als strategische Alternative für Unabhängigkeit.











