Dieser Artikel erschien zunächst auf „Bremen so gesehen“.
Die pauschale Verunglimpfung der Wirtschaftsministerin Katherina Reiche als „Lobbyistin“ greift zu kurz und verdrängt eine unangenehme Realität: Die deutsche Energiewende ist nicht nur ein technisches, sondern auch ein ökonomisches und gesellschaftliches Problem geworden. Wer Fehlentwicklungen offen anspricht, wird heute schnell moralisch diskreditiert.
Das zentrale politische Versprechen der grünen Transformation lautete über viele Jahre: sinkende Strompreise, technologische Führung und ein neues „grünes Wirtschaftswunder“. Nichts davon ist eingetreten. Deutschland zählt heute zu den Ländern mit den höchsten Strompreisen der industrialisierten Welt, energieintensive Industrien geraten unter Druck, und die erhoffte Wachstumsdynamik bleibt aus. Vieles erwies sich als politisches Wunschdenken. Ein auf fluktuierenden Quellen beruhendes Energiesystem erzeugt zwangsläufig enorme Zusatzkosten: Netzausbau, Speicher, Redispatch, Reservekraftwerke und Vorhaltung gesicherter Leistung.
Seit etwa 2020 kommt ein weiteres Symptom hinzu: Jahr für Jahr wird im deutschen Offshore-Bereich mehr potenziell verfügbarer Windstrom wegen Netzengpässen und gleichzeitiger Überschüsse aus erneuerbaren Quellen abgeregelt, als neue Offshore-Windparks im gleichen Zeitraum zusätzlich hätten erzeugen können. Während politisch der weitere Ausbau propagiert wird, ist das System technisch längst an Grenzen gestoßen, die man durch den rechtzeitigen Ausbau der Übertragungsnetze hätte entschärfen müssen. Der volkswirtschaftliche Schaden ist beträchtlich, bezahlt letztlich von den Stromkunden.








