Kolumbiens Präsident postet «Heil Hitler» – und steckt auch sonst in der KlemmeGustavo Petro hat mit einem Nazi-Vergleich die Israeli erzürnt. Dass es in Kolumbien Versuche gibt, ihn vorzeitig abzusägen, hat aber andere Gründe. Der Wahlkampf nimmt irre Wendungen.12.06.2026, 15.53 Uhr4 LeseminutenGustavo Petro kämpft wohl vergeblich dafür, dass die Linke in Kolumbien an der Macht bleibt.Fernando Vergara / APStaatsmännische Zurückhaltung war noch nie die Sache von Gustavo Petro. Besonders gern greift der linksradikale Staatschef von Kolumbien zur Nazikeule. Die israelische Kriegsführung in Gaza nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 verglich Petro mit den NS-Kriegsverbrechen. Den rechtsextremen israelischen Polizeiminister Itamar Ben-Gvir bezeichnete er als «wahren Nazi».Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Doch kürzlich hat Petro noch einen draufgesetzt. Er schickte auf der Plattform X einen Tweet ab, der nur aus zwei Wörtern bestand: «Heil Hitler». Es ist nicht so, dass sich Petro damit selbst als Nazi outete; vielmehr verunglimpfte er mit dem Hitlergruss den Kolumnisten Felipe Zuleta, der sich im laufenden kolumbianischen Wahlkampf für den rechten Kandidaten Abelardo de la Espriella ausgesprochen hatte.Zwei Tage später rechtfertigte Petro seinen Tweet: Zuleta, ein früheres Mitglied der Liberalen Partei, habe sich mit seiner Sprache vom Liberalismus verabschiedet und unterstütze nun «faschistische» Positionen. Damit meint Petro offenbar die Forderung, dass Kolumbien nun Ordnung, Autorität und wirtschaftliche Freiheit brauche.Groteskerweise hat Zuleta den Text gar nicht selbst verfasst, sondern vom KI-Programm Gemini schreiben lassen, was er gleich zu Beginn transparent macht: Er sei mit Gemini voll und ganz einverstanden und gebe deshalb die Antwort der KI integral wieder.«Zurück in die Ära der Nazis»Die Wogen glätten konnte Petro mit seinen Erklärungen kaum. Israels Botschafter bei den Vereinten Nationen, Danny Danon, ermahnte den Präsidenten, ebenfalls auf X: «Was auch immer in Ihrem Privatleben vorgehen mag, es gibt Grenzen, die man nicht überschreiten darf.» Nazi-Parolen zu verwenden, sei ein «schändlicher Tiefpunkt».Danon forderte Petro auf, sich vor der nächsten Sitzung des Uno-Sicherheitsrates zu entschuldigen. Kolumbien präsidiert derzeit den Rat, am Mittwoch stand ausgerechnet die Situation im Nahen Osten auf der Traktandenliste. Petro räumte in seiner Rede laut Reuters zwar ein, dass der «Heil Hitler»-Tweet dumm gewesen sei und dass ihn die empörten Reaktionen darauf überrascht hätten.Er sprach in seiner Rede jedoch auch von den vielen Toten in Gaza und erklärte: «Wir gehen zurück in die Ära der Nazis.» Der Israeli Danon nannte Petro daraufhin einen Führer mit Wahnvorstellungen, der antisemitische Statements verbreite. «Es ist nicht klar, was er vor der Diskussion heute Morgen genommen hat, aber nichts rechtfertigt seine verwerflichen Worte», schrieb Danon.In den USA droht die VerhaftungFür die USA ist Petro zur Persona non grata geworden. Wie die «Washington Post» berichtet, wollte Petro seine Reise nach New York nutzen, um am Freitag dessen sozialistischen Bürgermeister Zohran Mamdani zu treffen und später an einer Veranstaltung in Boston zu sprechen. Doch das amerikanische Aussendepartement intervenierte: Das Visum Petros gelte nur für den Auftritt bei der Uno – und dem kolumbianischen Staatschef würde die Verhaftung drohen, sollte er sich sonst in den USA bewegen.Die Regierung Trump verhängte die Reisebeschränkungen im vergangenen September, nachdem Petro an einer Pro-Palästina-Veranstaltung in Manhattan aufgetreten war und amerikanische Soldaten aufgefordert hatte, sich im Nahen Osten den Befehlen ihres Präsidenten zu widersetzen. Es sei «wenig demokratisch», wenn seine Meinungsäusserungsfreiheit beschnitten werde, liess Petro am Donnerstag verlauten.Ungemütlich wird seine Situation indes auch im eigenen Land. Seine Amtszeit läuft im August ab, und der Kandidat seines Lagers, Iván Cepeda, liegt laut Umfragen vor dem zweiten Wahlgang am 21. Juni deutlich hinter dem Konkurrenten de la Espriella zurück. Mit verschiedenen Posts in den sozialen Netzwerken versuchte Petro, der Kampagne seines Genossen Auftrieb zu geben und die drohende Niederlage abzuwenden.Verfassung verbietet EinmischungEine solche Einmischung des amtierenden Präsidenten ist laut kolumbianischer Verfassung verboten. Die Politikerin Gloria Arizabaleta, die die sogenannte Anklagekammer im Unterhaus des Parlaments präsidiert, verkündete deshalb am Mittwoch, Petro sei bis zum Wahltag vorübergehend seines Amtes enthoben.Doch es zeigte sich schnell, dass Arizabaleta keineswegs die nötige Autorität für einen solch drastischen Schritt hat: Es würde dafür Mehrheiten sowohl in der Anklagekammer als auch später in den beiden Parlamentskammern brauchen. Am Donnerstag wurde Arizabaleta deshalb selbst von der Staatsanwaltschaft suspendiert.Der rechte Kandidat de la Espriella vermutet hinter der ganzen Aktion eine «gigantische List», wie er in einem Video erklärt: Petro habe es selbst darauf angelegt, von den Pflichten seines Amtes entbunden zu werden. Dies einerseits, damit der Präsident sich als Opfer inszenieren könne. Andererseits, damit Petro ganz ohne Schranken Wahlkampf für Cepeda betreiben könne. Der frühere Präsident Iván Duque verbreitete diese Verschwörungstheorie ebenfalls.Petro dementiert natürlich. Es ist ohnehin fraglich, ob noch mehr Support durch den irrlichternden Präsidenten für Cepeda von Vorteil wäre: Petros Beliebtheitswerte sind im Keller, nur gut jeder dritte Wähler ist mit seiner Amtsführung zufrieden.Das verbotene FussballtrikotDe la Espriella lässt sich derweil auch von der Justiz nicht stoppen. Eine Richterin verbot ihm, an Wahlkampfveranstaltungen das Trikot der kolumbianischen Nationalmannschaft zu tragen, weil das ein Symbol des ganzen Landes sei. Der rechte Kandidat dachte nicht daran, sich an die Weisung zu halten. Und er forderte seine Anhänger auf, erst recht das gelbe Leibchen anzuziehen, als «Schrei nach Freiheit».Nun hat ihm eine andere Richterin recht gegeben und das Verbot wieder aufgehoben. Denn das Verdikt der Vorinstanz verstosse gegen verschiedene fundamentale Rechte. Es ist ein symbolischer Triumph für de la Espriella, der eigentliche an der Wahlurne dürfte bald folgen.Passend zum Artikel
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Gustavo Petro hat mit einem Nazi-Vergleich die Israeli erzürnt. Dass es in Kolumbien Versuche gibt, ihn vorzeitig abzusägen, hat aber andere Gründe. Der Wahlkampf nimmt irre Wendungen.











