PfadnavigationHomePolitikAuslandKurz vor der Stichwahl„Monströs und inakzeptabel“ – Kolumbiens Staatschef sorgt mit „Heil Hitler“-Posting für EmpörungStand: 11:40 UhrLesedauer: 3 MinutenMuss bald sein Amt abgeben: Kolumbiens Staatschef Gustavo PetroQuelle: AP Photo/Fernando VergaraKolumbiens Präsident soll kurz vor seinem Amtsende im UN-Sicherheitsrat eine Debatte über den Gaza-Krieg leiten. Nun postet er eine Nazi-Parole – und zieht damit internationale Kritik auf sich.Knapp zwei Wochen vor der entscheidenden Stichwahl in Kolumbien sorgt Präsident Gustavo Petro Beitrag auf der Plattform X für internationale Empörung. Als Reaktion auf einen Zeitungsbeitrag schrieb er lediglich zwei Worte: „Heil Hitler“.Auslöser war ein Kommentar des Journalisten Felipe Zuleta Lleras über die Präsidentschaftskandidaten in der Zeitung „El Espectador“. Der Autor erklärte offen, dass der Text „Abelardo: der Chirurg, den Kolumbien braucht“ gemeinsam mit Googles KI-System Gemini entstanden sei. Inhaltlich spricht er sich ausdrücklich für den konservativen Präsidentschaftskandidaten Abelardo de la Espriella aus.In dem Artikel heißt es, Kolumbien benötige „Ordnung, Autorität und wirtschaftliche Freiheit“, um Kriminalität, Unsicherheit und einen aufgeblähten Staatsapparat zu bekämpfen. De la Espriella wird als entschlossener Politiker dargestellt, der die strukturellen Probleme des Landes lösen könne. Zugleich wird in der Kolumne Iván Cepeda kritisiert. Cepeda ist Kandidat des linken Bündnisses, das von Petro unterstützt wird.Petro hat bereits in der Vergangenheit politische Gegner oder deren Positionen mit Faschismus, Hitler oder dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht. Israels UN-Botschafter Danny Danon griff Petro darum erneut scharf an. Die Verwendung einer Nazi-Parole sei ein „schändlicher Tiefpunkt“, schrieb er auf X. Danon forderte den kolumbianischen Präsidenten auf, sich zu entschuldigen, bevor er in dieser Woche eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats leite.Auch die Anti-Defamation League (ADL) in New York erklärte auf X: „Ein gewähltes Staatsoberhaupt sollte nicht erklärt bekommen müssen, warum das Verwenden eines Nazi-Slogans monströs und inakzeptabel ist.“ Für eine solche Äußerung gebe es weder eine Entschuldigung noch einen rechtfertigenden Kontext.Brisant an dem Vorfall: Petro soll eine Debatte des UN-Sicherheitsrats über den Friedensprozess im Nahen Osten leiten. Kolumbien hat im Juni 2026 den rotierenden Vorsitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen inne.Allerdings gelten die Beziehungen zwischen Kolumbien und Israel seit Beginn des Gaza-Krieges als schwer belastet. Petro hatte Israel wiederholt scharf kritisiert und dem Land Völkermord im Gazastreifen vorgeworfen. Israel wies die Anschuldigungen stets zurück. Im Mai 2024 brach Kolumbien die diplomatischen Beziehungen zu Israel ab. Nach dem aktuellen Vorfall sprach das israelische Außenministerium von einem „vollständigen Verlust des moralischen Kompasses“.Lesen Sie auchPetro steht jedoch auch innenpolitisch unter Druck: Am 21. Juni entscheidet das Land in einer Stichwahl über seine Nachfolge, da er laut Verfassung selbst nicht erneut kandidieren darf. Sein politisches Lager unterstützt den linken Senator Iván Cepeda. Dessen Gegner Abelardo de la Espriella hatte den ersten Wahlgang mit 43,7 Prozent der Stimmen gewonnen. Cepeda kam auf 40,9 Prozent.Beobachter sehen die Stichwahl deshalb nicht nur als Richtungsentscheidung für die Innenpolitik Kolumbiens. Ein Sieg de la Espriellas könnte auch einen deutlichen außenpolitischen Kurswechsel bedeuten und das Land stärker an die konservativen Regierungen Lateinamerikas sowie an die Regierung von US-Präsident Donald Trump heranführen.kami mit dpa