Acht Stunden nach dem Rücktritt des Verteidigungsministers John Healey hat Premierminister Keir Starmer einen Nachfolger ernannt: Dan Jarvis, der schon eine Stellvertreterrolle in diesem Ministerium hatte, soll künftig das Ressort führen. Für Londoner Verhältnisse hat die Suche nach einem Ersatz für Healey damit schon ziemlich lange gedauert – was als ein Zeichen dafür gelten kann, dass Starmers Amtsautorität bröckelt.Nach Healey gab am Donnerstagabend noch ein weiteres Führungsmitglied des Verteidigungsressorts sein Amt ab: Al Carns, der als Parlamentarischer Staatssekretär für das Personal der Streitkräfte zuständig war, schrieb in seinem Abschiedsbrief an Starmer, er sei enttäuscht, „dass der Wandel, auf den ich gehofft habe, bislang nicht stattgefunden hat“.Während durch die Formulierungen Carns’ Rücktrittsschreiben durchaus Ambitionen schimmerten, bei einem bevorstehenden Machtkampf um die Führung von Partei und Regierung eine eigene Kandidatur zu erklären, setzte Healey seinem bisherigen Dienstvorgesetzten mit schmerzhafteren Vorwürfen eines politischen Versagens zu.Starmer habe zwar erkannt, wie hoch der Bedarf sei, um die britischen Streitkräfte in einer immer gefährlicheren Welt ausreichend auszurüsten. Doch sei er „nicht fähig“ gewesen, das unwillige Finanzministerium dazu zu bewegen, die notwendigen Mittel auch zuzusagen.Hat sein Amt abgegeben: John Healey am Freitag in der Londoner Downing StreetEPAStreit über die Höhe der VerteidigungsausgabenDer Etatstreit betrifft eine Summe von bis zu 28 Milliarden Pfund (etwa 35 Milliarden Euro), die in der mittelfristigen Finanzplanung bis zum Jahr 2030 fehlen, um die geplanten Rüstungsprogramme der Streitkräfte zu finanzieren. Die „Vorausschau für Verteidigungsinvestitionen“ hatte darüber Auskunft geben sollen, welche Beschaffungsvorhaben im Etat gedeckt sind.Doch statt 28 Milliarden Pfund zusätzlicher Mittel wollte das Finanzministerium nach monatelangem Hin und Her offenbar nur rund 13 Milliarden bewilligen; bei Weitem nicht genug, um die beschlossenen Vorhaben zu finanzieren, zu denen ein neuer Kampfjet, eine neue Generation von Fregatten und die Erneuerung der strategischen Atom-U-Boote gehören.Bislang für das Personal der Streitkräfte zuständig: Al Carns im August 2025 im britischen NewarkdpaStarmer hatte am Mittwoch noch im Unterhaus beteuert, er wisse, dass es die erste Aufgabe jeder Regierung sei, die Nation vor äußeren Angriffen zu schützen. Als Reaktion auf Healeys Rücktrittsschreiben antwortete er am Donnerstagabend schriftlich, er sei stolz auf den Aufwuchs, der bei der Finanzierung der Streitkräfte erreicht worden sei, und beteuerte, die Beschaffungsplanung werde „die Ressourcen aufbieten, die unser Militär braucht, um uns zu beschützen“.„Die erste Pflicht der Regierung“Starmers Regierung hatte vor mehr als einem Jahr das NATO-Ziel zugesagt, die Verteidigungsausgaben bis zum Jahr 2035 auf 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung zu heben; als Zwischenziel war eine Steigerung auf drei Prozent bis zum Jahr 2030 in Aussicht genommen. In den beiden ersten Amtsjahren Starmers stieg das Volumen des Wehretats von 2,4 auf 2,6 Prozent, die jetzt in der Investitionsplanung zugesagten Mittel hätten bis 2030 lediglich eine weitere Steigerung um knapp 0,1 Prozent ergeben.Der neue Verteidigungsminister Dan Jarvis am Freitag in der Downing Street in London, einen Tag nach dem Rücktritt HealeysReutersIn London kursierten am Freitag Spekulationen, ob nach dem Rücktritt Healeys nun die Verteidigungsausgaben womöglich doch noch erhöht werden könnten. Der zurückgetretene Parlamentarische Staatssekretär Carns sagte, er sei „ziemlich sicher“, dass Starmer nun nochmals neu nachdenke.Der neue Verteidigungsminister Dan Jarvis, der bislang als Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium für Grenzen und Sicherheit zuständig war, erhob öffentlich keine derartigen Forderungen. Er erneuerte allerdings den Satz Starmers, die Sicherung des Landes sei „die erste Pflicht der Regierung“.