Er traute sich, das Arbeitsklima im Bundeshaus zu kritisierenDer Altnationalrat Hans Kaufmann ist kurz vor seinem 78. Geburtstag gestorben. Abschied von einem Fachpolitiker alter Schule.12.06.2026, 13.45 Uhr3 LeseminutenFünfzehn Jahre lang politisiert Hans Kaufmann für die SVP im Nationalrat.Gaëtan Bally / KeystoneAls der Zürcher Hans Kaufmann 1999 für die SVP in den Nationalrat gewählt wurde, brachte er jahrzehntelange Erfahrung aus der Finanzwelt mit – aus der Politik hingegen wenig. Das prägte sein Schaffen: Kaufmann war keiner, der das Rampenlicht suchte, viel lieber vertiefte er sich in die Dossiers.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Altbundesrat Christoph Blocher schreibt in einem Nachruf in der «Weltwoche» über Kaufmann: «Er war nie ein bequemer Politiker und ging nicht den Weg des geringsten Widerstandes, ganz besonders dann nicht, wenn es um das Schicksal der Schweiz ging.»Kaufmanns Leben begann fernab der grossen Finanzmärkte, in der beschaulichen Luzerner Gemeinde Ettiswil. Geboren am 13. Juni 1948, wuchs er dort auf einem Bauernhof auf. Das Studium brachte ihn nach Zürich, wo er an der Universität Wirtschaftswissenschaften studierte.Profilierter FinanzpolitikerNach dem Studium arbeitete er 1973 als Goldminenanalyst in Johannesburg. Er bildete sich an der Wall Street weiter bei Goldman Sachs, Salomon Brothers und Kidder Peabody. In der Schweiz wurde er 1974 Finanzanalyst bei der Zürcher Kantonalbank, später wechselte er zur Bank Julius Bär. Er leitete zunächst die Schweizer Aktienanalyse und wurde später Chefökonom Schweiz.In der Öffentlichkeit trat er zunächst als Finanzexperte in Erscheinung, erst später als Politiker. Kaufmann war Präsident der SVP des Bezirks Affoltern und kandidierte 1999 als Quereinsteiger für den Nationalrat. Und er wurde tatsächlich gewählt, obwohl er zuvor nicht die klassische politische Ochsentour absolviert hatte.Später gründete Kaufmann die Beratungsfirma Kaufmann Research AG und übte verschiedene Führungsmandate aus. Im Nationalrat war er Mitglied der Wirtschafts- und Abgabenkommission (WAK) und der Kommission für Rechtsfragen, zudem von 2003 bis 2007 Stellvertreter in der Parlamentsdelegation beim Europarat.Nach der Finanzkrise von 2008 gehörte Kaufmann zu den profiliertesten Finanzpolitikern der SVP und prägte die Debatten um UBS-Rettung, Bankenregulierung und den Schweizer Finanzplatz.«Sein Fleiss war vorbildlich, er war immer bestens dokumentiert, verfasste umfangreiche, wertvolle Dossiers und tat keine Aussagen, die er nicht belegen konnte», schreibt Blocher in der «Weltwoche».Präsent auch nach dem RücktrittFür Aufsehen sorgte Kaufmann mit seinem Rücktritt aus dem Nationalrat 2014. Er begründete den Schritt damit, dass die Zusammenarbeit mit dem Bundesrat für ihn zunehmend frustrierend gewesen sei. In einem Interview mit der Online-Plattform «Watson» sagte er damals: «Wenn das Arbeitsklima gut gewesen wäre, hätte ich weitergemacht.» Und: «Wie man uns bedroht hatte, die Welt breche zusammen, wenn wir Nein stimmen bei der Lex USA! Das ertrage ich nicht mehr.»Kaufmann sagte, er wolle einer neuen Generation Platz machen. Es brauche Jüngere, die sich durchsetzen könnten. Möglicherweise spielte damals auch seine Gesundheit eine Rolle. 2011 hatte er zwei Herzinfarkte und eine Lungenembolie erlitten und musste notoperiert werden.Auch nach seinem Rücktritt aus dem Nationalrat blieb Kaufmann präsent. So schrieb er etwa regelmässig eine Kolumne in der «Weltwoche».Am 8. Juni ist Hans Kaufmann im Hospiz Affoltern kurz vor seinem 78. Geburtstag gestorben. Er litt seit längerem an Herzproblemen.Mit Hans Kaufmann verliert die Schweizer Politik einen Fachpolitiker alter Schule.Passend zum Artikel