Die letzten Tage im Leben von Timmy: was neue Ortungsdaten über den Tod des Wals verratenLange war unklar, was mit dem Buckelwal nach seiner Auswilderung geschah. Der Umweltminister Mecklenburg-Vorpommerns hat nun erstmals verraten, wie lange er wohl noch lebte.12.06.2026, 13.46 Uhr4 LeseminutenVor und während der Freilassung wurde der gestrandete Wal aus allen Richtungen fotografiert. Seine letzten Tage dagegen blieben im Dunkeln.Sea Shepherd Germany via EPADer Timmy genannte Buckelwal, der zwischen März und April in der Ostsee umherirrte, war wohl der am intensivsten beobachtete Meeressäuger. In Livestreams konnte man verfolgen, wie das gestrandete Tier von Helfern mit Wasser benetzt wurde, Fontänen ausstiess und schliesslich entgegen wissenschaftlichem Rat in einem gefluteten Lastkahn ins offene Meer transportiert wurde.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die letzten Tage im Leben des Wals blieben allerdings lange im Verborgenen. Es war unklar, was zwischen seiner Aussetzung am 2. Mai und dem 14. Mai geschah, als der Wal tot vor der dänischen Insel Anholt angeschwemmt wurde. Die private Rettungsinitiative hatte zwar vor der versuchten Auswilderung im Skagerrak einen Sender an der Rückenfinne angebracht. Dessen Daten blieben jedoch unter Verschluss.Timmy schwamm wohl noch einige Tage im MeerAm Freitag ist nun ein Teil der Daten veröffentlicht worden. Der Umweltminister Mecklenburg-Vorpommerns, Till Backhaus von der SPD, nannte damit erstmals ein mögliches Todesdatum: Timmy soll zwischen dem 6. und dem 7. Mai gestorben sein.Die Daten des Senders zeigten, dass der Wal nicht unmittelbar nach seiner Auswilderung verendet, sondern noch vier bis fünf Tage im Meer geschwommen und getaucht sei. Nach seiner Freilassung habe das Tier noch insgesamt 215 Kilometer zurückgelegt.Der Sender soll noch bis zum 7. Mai Daten geliefert haben. Das Signal brach dann jedoch ab, möglicherweise weil der Wal tot unter Wasser sank. «Danach ist er mehr oder weniger gedriftet», sagte Backhaus.Für den Minister ist die Aktion trotz dem Tod des Tieres ein Erfolg. Sie sei ein Versuch gewesen, dem Wal dabei zu helfen, in sein «Lebensumfeld» zurückzukehren, sagte Backhaus. «Dieser Versuch war, was die Bergung anbetrifft, was den Transport anbetrifft, aus meiner Überzeugung heraus erfolgreich.»Backhaus nennt Aktion «rechtlich und fachlich vertretbar»Zudem verteidigte er die von zwei deutschen Unternehmern finanzierte Aktion gegen Kritik. Mehrere Meeresbiologen hatten vom Transport des Tieres abgeraten, ein dänischer Experte sprach gar von Tierquälerei. Backhaus sieht dies anders. «Der Rettungsversuch war aus unserer Sicht rechtlich und fachlich vertretbar», sagte er.Der Minister wehrte sich auch gegen den Vorwurf, wonach der Wal bei der Auswilderung verletzt worden sei. Er verwies auf die Ergebnisse der Obduktion des Tieres. Es seien keine Anzeichen für innere oder äussere Verletzungen oder Gewaltanwendung entdeckt worden. Es gebe keine belastbaren Hinweise darauf, dass der Transport oder die Freisetzung des Tieres unmittelbar zum Tod geführt hätten. Die Untersuchung des Kadavers hatte unter anderem auch ergeben, dass das Tier entgegen der Annahme der privaten Initiative ein Weibchen war.Trotz einer mehr als einstündigen Pressekonferenz blieben im Fall Timmy jedoch auch am Freitag noch viele Fragen offen. So ist noch immer ungeklärt, wie der Wal genau aus dem Lastkahn ins Meer gelangte. Laut Backhaus hatte sich die Initiative verpflichtet, ein «Videokontrollsystem» auf dem Schiff anzubringen. Zudem sollte sie ein tierärztliches Gutachten zum Zustand des Tieres vor seiner Aussetzung anfertigen. Jedoch habe die Initiative bislang weder Videoaufnahmen noch ein Gutachten bereitgestellt, sagte Backhaus.Die Vorgänge um den Sender werfen Fragen aufZudem wurde am Freitag nur ein Teil der Daten des Senders veröffentlicht. Die Initiative hat den Behörden zwar die Ortungsdaten zur Verfügung gestellt, die laut Backhaus vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie ausgewertet wurden. Der Tracker soll jedoch noch weitere Daten erfasst haben, etwa zur Wassertemperatur, zur Tauchtiefe und zur Geschwindigkeit, mit der sich der Wal fortbewegte. Diese Angaben sollen den Behörden erst später weitergeleitet werden.Der Buckelwal wurde Ende April in einem gefluteten Lastschiff in Richtung Nordsee transportiert.Philip Dulian / DPADie Frage, weshalb die Initiative nicht gleich alle Daten an die Behörden weitergegeben habe, beantwortete Backhaus damit, dass es innerhalb der Gruppe «gewisse Spannungen» gebe. Zudem habe die Initiative eigene Wissenschafter mit der Auswertung beauftragt. Die «numerischen Dateien» bedürften «intensiver Begutachtung».Der Vorgang wirft Fragen auf, insbesondere da Backhaus angab, dass sich der Sender zeitweise in seinem Ministerium befunden habe. Laut seiner Darstellung wurde das Gerät am 16. Mai von den dänischen Behörden von der Flosse des Wals abgenommen. Danach soll der Sender von Mitarbeitern des Umweltministeriums in Dänemark abgeholt und ins Ministerium gebracht worden sein. Dort wurde er schliesslich von Mitgliedern der Rettungsinitiative abgeholt.Ablauf der Freilassung weiter unklarEs hatte zunächst widersprüchliche Angaben zur Funktion des Senders gegeben, der von der Firma Wildlife Computers stammen soll. Die Geldgeberin Karin Walter-Mommert gab an, er könne auch die Vitalwerte des Tieres erfassen. Das klang so, als würde er etwa den Puls oder die Körpertemperatur messen. Laut Experten gibt es jedoch keine solchen Sender für Wale.Ausserdem widersprechen sich die an der Aktion Beteiligten dabei, was an Bord der zur Auswilderung genutzten Schiffe geschehen ist. Die Tierärztin Kirsten Tönnies hatte behauptet, die Crew habe sie aggressiv behandelt. Die Reederei wehrte sich gegen die Vorwürfe. Tönnies habe die Sicherheit gefährdet, indem sie den Kapitän wiederholt durch Filmaufnahmen gestört habe. Der Walexperte Jeffrey Foster sprach von einer chaotischen Situation.Backhaus gab sich trotz all diesen Ungereimtheiten optimistisch. Er ist sich sicher, dass sich die offenen Fragen noch klären werden. Für den Minister bleibt das gesamte Unterfangen eine Frage des Prinzips. Wer nichts versuche, der mache auch keine Fehler, sagte er an der Pressekonferenz.Passend zum Artikel
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