«Pour la cohésion de la Suisse»: Der Bundesrat will das Frühfranzösisch im Gesetz verankernDer Thurgau hat es im April beschlossen, Zürich und St. Gallen im Herbst: Französisch soll es nicht mehr auf Primarstufe geben. Innenministerin Baume-Schneider sieht den Zusammenhalt der Schweiz gefährdet und will das Sprachengesetz anpassen. Nun ist die Vernehmlassung eröffnet worden.12.06.2026, 13.30 Uhr3 LeseminutenOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Französisch solle weiterhin bereits in der Primarschule unterrichtet werden, findet der Bundesrat. Er will deshalb das Frühfranzösisch im Sprachengesetz verankern und stellt zwei Varianten zur Diskussion. Bei der ersten Variante werden auf Primarstufe zwei Fremdsprachen unterrichtet, wobei eine davon eine Landessprache sein muss. Bei der zweiten Variante wäre eine zweite Fremdsprache wie Englisch freiwillig. Nun hat der Bundesrat die Vernehmlassung eröffnet, wie er am Freitag mitgeteilt hat.In seinem Communiqué schreibt der Bundesrat mit reichlich Pathos, die «Stellung der Landessprachen im obligatorischen Unterricht» sei eine «Frage von nationaler Bedeutung». Er beschwört sogar den «Zusammenhalt der Willensnation Schweiz», für den es zentral sei, dass sich die Bevölkerung untereinander verstehe.Widerstand aus dem OstenDer Bundesrat reagiert damit auf den Widerstand in verschiedenen Deutschschweizer Kantonen, wo der Sinn des Frühfranzösisch infrage gestellt wurde. Im April hiess der Grosse Rat im Thurgau eine Motion gut, wonach Französisch künftig nicht mehr in der Primar-, sondern neu erst auf Sekundarstufe unterrichtet werden soll. Der Kanton folgte damit einem Trend. Im vergangenen September beschloss das Kantonsparlament in St. Gallen dasselbe. Im selben Monat sprach sich auch der Kanton Zürich gegen das Frühfranzösisch aus, ebenso der Kantonsrat von Appenzell Ausserrhoden im Frühling 2025.Die Parlamentarier der verschiedenen Kantone argumentierten vor allem mit der Überforderung der Schülerinnen und Schüler. Als Beweismittel fungierte eine Studie der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) von 2023. Diese besagte, dass nur die Hälfte der Schüler in den Deutschschweizer Kantonen beim Lesen auf Französisch die Grundkompetenzen erreiche, im Hören seien es knapp 60 Prozent.Viele Deutschschweizer Schülerinnen und Schüler haben Mühe im Französischunterricht.Karin Hofer / NZZFür gewisse Kantone ist das Frühfranzösisch jedoch gewissermassen bereits Pflicht. Zumindest für jene, die Teil des Harmos-Konkordats sind. Es sieht unter anderem vor, dass Französisch bereits in der Primarschule unterrichtet werden soll. St. Gallen und Zürich etwa gehören zu den 15 Kantonen, die das Harmos-Konkordat unterschrieben haben.Irritation in der WestschweizInnenministerin Elisabeth Baume-Schneider (SP) zeigte sich jedenfalls besorgt über den Zusammenhalt des Landes. Der «Sonntags-Zeitung» sagte die Jurassierin, die Entscheide hätten in der Romandie, wo die Zahl der Deutschlektionen erhöht werde, für «grosse Irritation» gesorgt. «Manche haben das Gefühl: ‹Wir Romands bemühen uns, während den Deutschschweizern die Landessprachen egal sind.›»Im September sprach Baume-Schneider auch eine Drohung aus. Der Bundesrat vertraue darauf, «dass die Kantone die Sprachenfragen selber regeln» könnten. «Aber wir wissen auch, dass der Bund handeln muss, wenn die Kantone das nicht hinbekommen.» Schliesslich erteilte der Bundesrat dem Innendepartement den Auftrag, eine entsprechende Vernehmlassung auszuarbeiten.Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider nahm eine «grosse Irritation» in der Westschweiz wahr.Alessandro Della Valle / KeystoneEine kleine Drohung steckt auch im Communiqué von diesem Freitag. Der Bundesrat schreibt, man werde auf eine Anpassung des Sprachengesetzes verzichten, «wenn die Kantone ihre bestehende Sprachenstrategie weiterhin verfolgen und auf abweichende Entscheide verzichten». Oder in anderen Worten: Wenn ihr das Frühfranzösisch behaltet, dann schreiben wir es auch nicht ins Sprachengesetz.Lehrernetzwerk kritisiert den BundesratFragt sich, ob das Vorgehen des Bundesrats überhaupt rechtens ist, nachdem sich mehrere Kantonsparlamente bereits gegen das Frühfranzösisch ausgesprochen haben. Das Lehrernetzwerk Schweiz etwa verkündete im Mai: «Der Bund hat keine Kompetenz, den Zeitpunkt des Fremdsprachenunterrichts festzulegen.» Diese Frage gehöre «in die Bildungshoheit der Kantone». Das Netzwerk stützte sich dabei auf ein Gutachten, das es in Auftrag gegeben hatte.Der Bundesrat ist freilich anderer Meinung. Wenn sich die Kantone «nicht auf ein verfassungskonformes Vorgehen verständigen» könnten, schreibt er in seiner Medienmitteilung, seien «Vorgaben des Bundes» erforderlich.Passend zum Artikel
Bundesrat will Frühfranzösisch gesetzlich sichern – für den Zusammenhalt der Schweiz
Der Thurgau hat es im April beschlossen, Zürich und St. Gallen im Herbst: Französisch soll es nicht mehr auf Primarstufe geben. Innenministerin Baume-Schneider sieht den Zusammenhalt der Schweiz gefährdet und will das Sprachengesetz anpassen. Nun ist die Vernehmlassung eröffnet worden.











