Die sowjetischen Ehrenmale in Berlin erinnern an den Sieg über das nationalsozialistische Deutschland und an die Hunderttausenden Soldaten der Roten Armee, die bei der Befreiung Berlins ihr Leben verloren. Doch nun wollen SPD und Grüne im Berliner Abgeordnetenhaus die Gedenkorte im Treptower Park, im Tiergarten und in der Schönholzer Heide um zusätzliche Informationen ergänzen. Das sorgt nicht nur in Deutschland, sondern auch in mehreren Nachfolgestaaten der Sowjetunion für Kritik.

Konkret geht es vor allem um das Ehrenmal im Treptower Park. Die SPD fordert eine sogenannte kritische Kontextualisierung. Informationstafeln und digitale Angebote sollen künftig nicht nur über die Kämpfe um Berlin informieren, sondern auch über die Verbrechen Josef Stalins. Zudem soll geprüft werden, ob Themen wie der Hitler-Stalin-Pakt stärker dargestellt werden können.

Netschajew spricht von „Geschichtsrevisionismus“

Die Grünen verfolgen einen ähnlichen Ansatz. Sie argumentieren, die Ehrenmale würden bislang vor allem die Sichtweise der damaligen sowjetischen Führung in Moskau widerspiegeln. Deshalb müssten auch die Erfahrungen der Menschen sichtbar werden, die etwa im Baltikum, in der Ukraine oder in Zentralasien unter dem Stalinismus gelitten haben. Kritiker, allen voran aus Russland und Belarus, sehen darin jedoch einen Versuch, die ursprüngliche Bedeutung der Denkmäler zu verändern.