PfadnavigationHomeGesundheitAlternative zu AntibiotikaDer Kampf gegen resistente Keime beim Menschen beginnt jetzt im HühnerdarmStand: 12:22 UhrLesedauer: 3 MinutenHühner stecken sich schnell gegenseitig mit Krankheiten anQuelle: Getty Images/Ratnakorn PiyasirisorostWeil so viele Nutztiere Antibiotika erhalten, steigt die Gefahr, dass sich resistente Keime beim Menschen bilden. Doch es gibt eine Alternative für Nutztiere, die Menschenleben rettet.Antibiotikaresistente Bakterien zählen nach Einschätzung der WHO zu den größten globalen Gesundheitsrisiken. Sie gefährden die Behandlung bakterieller Infektionen, erhöhen die Risiken medizinischer Eingriffe und können dazu führen, dass bewährte Therapien nicht mehr wirken. 2021 starben weltweit mehr als eine Million Menschen direkt an Infektionen mit antibiotikaresistenten Keimen.Prognosen zeigen, dass die Zahl der direkt durch resistente bakterielle Infektionen verursachten Todesfälle bis 2050 weiter deutlich steigen könnte. Als mitverantwortlich für die Entstehung von antibiotikaresistenten Keimen sehen Experten den unnötig hohen Verbrauch von Antibiotika – vor allem in der Landwirtschaft. Je häufiger Antibiotika eingesetzt werden, desto größer ist der Selektionsdruck auf Bakterien – resistente Stämme können sich durchsetzen und weiterverbreiten. Das Chemieunternehmen Evonik hat nun speziell für den Einsatz in der Geflügelhaltung eine Alternative zu Antibiotika weiterentwickelt.Lesen Sie auchStefan Pelzer, Leiter der Mikrobiomforschung von Evonik, sagt: „Da 73 Prozent aller weltweit eingesetzten Antibiotika auf die Nutztierhaltung entfallen – therapeutisch, prophylaktisch und als Wachstumsförderer –, lässt sich dort am besten ansetzen, um der weiteren Entstehung von Resistenzen entgegenzuwirken.“ Evonik Animal Nutrition setzt dabei nach eigenen Angaben auf Probiotika – also lebende Mikroorganismen – als Futterzusatz. Probiotika stärken das ImmunsystemDie Probiotika stärken demnach das Darmmikrobiom und das Immunsystem der Tiere und verhindern so die Ausbreitung krankmachender Keime wie Escherichia coli und Salmonellen. Ein Krankheitserreger, der Geflügelbetrieben weltweit Sorgen bereitet, ist Clostridium perfringens. Der Keim schädigt die Darmwand, beeinträchtigt das Wachstum und kann zum frühzeitigen Tod der Tiere führen. Lesen Sie auchPelzer und sein Team fanden heraus, dass das Verfahren zur Herstellung eines Probiotikums einen Einfluss auf dessen Wirksamkeit hat. Daraufhin passten sie das verwendete „gute“ Bakterium mit der Bezeichnung Bacillus velezensis CECT 5940 entsprechend an. Es vermehrt sich im Dünndarm der Tiere inzwischen schneller als bisher und kann so wirksamer die Ausbreitung pathogener Keime verhindern. Eine Studie der Oklahoma State University zeigte nach Angaben des Unternehmens, dass sein verbessertes Produkt im Vergleich zu bisherigen Probiotika die Überlebensrate bei mit Clostridium perfringens infiziertem Geflügel um 50 Prozent erhöhte – und damit die Notwendigkeit, Antibiotika einzusetzen, reduzierte.Lesen Sie auchDie Weiterentwicklung ist damit mehr als eine Produktoptimierung. Das Unternehmen sieht darin ein Beispiel dafür, wie mikrobiologische Forschung, Tierernährung und Gesundheitsvorsorge zusammenspielen können. Wo sich Tiergesundheit durch bessere Fütterung, Hygiene, Management und vorbeugende Ernährungskonzepte stabilisieren lässt, sinkt der Bedarf an Antibiotika – und damit auch ein Teil des Resistenzdrucks. Besonders problematisch ist, dass resistente Erreger nicht an Sektorengrenzen haltmachen. Sie können zwischen Menschen, Tieren und Umwelt zirkulieren. Deshalb gilt der sogenannte One-Health-Ansatz, der Humanmedizin, Tiergesundheit, Landwirtschaft und Umwelt zusammendenkt, als zentral im Kampf gegen Resistenzen. „Die gewonnenen Erkenntnisse sind nicht nur für die Tierernährung relevant“, sagt Pelzer. Auch andere Anwendungen mit Bacillus-basierten Produkten könnten davon profitieren – etwa in der Ernährung, Körperpflege, Mundhygiene sowie bei Agrar- oder Reinigungsprodukten. Die Forschung an sogenannten sporenbildenden Bakterien, zu denen Bacillus velezensis gehört, eröffnet damit Perspektiven weit über den Geflügelstall hinaus.dia
Antibiotika: Mehr Probiotika gegen resistente Keime im Stall - WELT
Weil so viele Nutztiere Antibiotika erhalten, steigt die Gefahr, dass sich resistente Keime bilden. Doch es gibt eine Alternative.







